Nach Rekordwerten in Umfragen

„Schädlich für Deutschland“: Unternehmer warnen vor der AfD

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Lange hat die Industrie zum Vormarsch der AfD geschwiegen. Nun warnen Wirtschaftsführer vor der Gefahr für Arbeitsplätze und den Standort Deutschland.

Berlin – Im kommenden Jahr stehen wichtige Wahlen an. Unter anderem werden in Sachsen, Thüringen und Brandenburg die Landtage neu gewählt. Und in allen drei Bundesländern liegt die AfD in Umfragen vorn. Nun warnen Wirtschaftsexperten und Unternehmer vor der in Sachsen und Thüringen als gesichert rechtsextremistisch eingestuften Partei. Ein Erfolg der AfD in den Parlamenten würde akut Arbeitsplätze und den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährden. Auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser mahnt vor drastischen Konsequenzen.

2024 stehen Wahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg an. Industriepräsident Russwurm warnt vor dem Schaden für den Wirtschaftsstandort Deutschland bei einem Sieg der rechtsextremistischen AfD.

„Gefahr für den Wirtschaftsstandort Deutschland“: Unternehmer warnen vor AfD

In aktuellen Umfragen erreicht die AfD neue Rekordwerte. Bei Forsa-Befragungen für das Trendbarometer von RTL und ntv erreichte die Partei inzwischen 23 Prozent. Unternehmer schwiegen lange Zeit zum Aufstieg der AfD. Doch nun werden die Stimmen in der Wirtschaft lauter, die vor den ernsthaften Gefahren der Partei für den Wirtschaftsstandort Deutschland mahnen.

Eine politische Bewegung, die die Wende rückwärts zu Nationalismus beschwört, ist schädlich für dieses Land: für die Wirtschaft und für Ansehen und Erfolg Deutschlands im globalen Kontext.

Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI)

„Eine politische Bewegung, die die Wende rückwärts zu Nationalismus beschwört, ist schädlich für dieses Land: für die Wirtschaft und für Ansehen und Erfolg Deutschlands im globalen Kontext“, erklärte Industriepräsident Siegfried Russwurm am Mittwoch (20. Dezember) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Vorsitzende des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) fügte hinzu: „Wir tun gut daran, uns den Aussagen der AfD auch öffentlich deutlich entgegenzustellen: Klar zu sagen, sie zu wählen ist kein harmloser Protest, sondern das ist eine Partei, die schädlich ist für die Zukunft unseres Landes und von uns allen.“

Wir brauchen in vielen Branchen dringend Fachkräfte aus dem Ausland. Die besten Köpfe gewinnen wir aber nur, wenn sie sich auch in Deutschland willkommen fühlen. 

Innenministerin Nancy Faeser (SPD)

BDI-Präsident Russwurm zur AfD: „Partei, die schädlich ist für Wirtschaft und Erfolg unseres Landes“

Auch Innenministerin Nancy Faeser (SPD) fordert eine klare Haltung gegenüber der in Teilen rechtsextremen Partei, die vor allem in Thüringen Umfrage-Rekorde erzielt: „Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland haben eine Migrationsgeschichte. Es ist deshalb schon eine Frage des Respekts vor den eigenen Beschäftigten, dass Unternehmen klar und deutlich Haltung zeigen, wenn mit Spaltung und Menschenverachtung Politik gemacht wird“, sagte die Politikerin gegenüber IPPEN.MEDIA.

„Wir brauchen in vielen Branchen dringend Fachkräfte aus dem Ausland. Die besten Köpfe gewinnen wir aber nur, wenn sie sich auch in Deutschland willkommen fühlen. Die AfD sorgt für das Gegenteil und schadet damit dem Wirtschaftsstandort Deutschland“, erklärt Faeser weiter.

Wirtschaftsexperte mahnt: Deutschland lebt von „Weltoffenheit und internationalem Handel“

Russwurm betont, dass Deutschland von Weltoffenheit und internationalem Handel lebe, „wahrscheinlich mehr als fast alle anderen großen Länder der Welt“. Die AfD sei „schlecht für dieses Land, auch, weil sie ein Klima von Hass, Polarisierung und Ausgrenzung befeuert“. Er forderte eindringlich eine „gesellschaftliche Debatte, eine gesellschaftliche Bewegung, um den Menschen die Konsequenzen aufzuzeigen“.

Bittere Erkenntnis - ein innenpolitischer Rückblick auf das Jahr 2023

Seit Januar: Christine Lambrecht gibt das Verteidigungsministerium auf, ihr folgt Boris Pistorius nach, der die Balance zwischen seinem zögerlichen Kanzler und den von Moskau diktierten Notwendigkeiten des Krieges in der Ukraine besser hält. Im Mai holt sich Pistorius mit Carsten Breuer einen neuen Generalinspekteur. Breuer hatte sich als Manager bei der Ahrflut in der Öffentlichkeit bewährt. Bild: T. SCHWARZ/AFP
Seit Januar: Christine Lambrecht gibt das Verteidigungsministerium auf, ihr folgt Boris Pistorius nach, der die Balance zwischen seinem zögerlichen Kanzler und den von Moskau diktierten Notwendigkeiten des Krieges in der Ukraine besser hält. Im Mai holt sich Pistorius mit Carsten Breuer einen neuen Generalinspekteur. Breuer hatte sich als Manager bei der Ahrflut in der Öffentlichkeit bewährt. Bild: T. SCHWARZ/AFP © AFP
April: Die Maskenpflicht wegen Coronaviren-Gefahr wird auch in Arztpraxen beendet. Damit gilt Deutschland de jure als von der Pandemie befreit. Die Viren schwirren natürlich weiter umher, aber nun gelten sie als ähnlich gesundheitsgefährdend wie Grippeviren. Die Corona-Impfung wird zur weiteren Vorsorgeimpfung. Kennt man ja. Und was geschieht nun im Winter? Corona und Grippe melden sich zurück. rut/Bild: imago images
April: Die Maskenpflicht wegen Coronaviren-Gefahr wird auch in Arztpraxen beendet. Damit gilt Deutschland de jure als von der Pandemie befreit. Die Viren schwirren natürlich weiter umher, aber nun gelten sie als ähnlich gesundheitsgefährdend wie Grippeviren. Die Corona-Impfung wird zur weiteren Vorsorgeimpfung. Kennt man ja. Und was geschieht nun im Winter? Corona und Grippe melden sich zurück. rut/Bild: imago images © IMAGO/Revierfoto
Mai: Auch wenn Jahrhundertkabarettist Matthias Beltz weiterhin Recht behält mit Bremen („Da gewinnt die SPD immer, egal welcher Pfft kandidiert“), ist es für die Partei im Jahr 2023 doch ein Grund zur Freude, dass sie die Bürgerschaftswahl wieder gewinnt. Finden auch der rockige Co-Parteichef und Klampfer Lars Klingbeil und der singende Bürgermeister Andreas Bovenschulte mit Shaker. Rock on! bild: Carmen Jaspersen/AFP
Mai: Auch wenn Jahrhundertkabarettist Matthias Beltz weiterhin Recht behält mit Bremen („Da gewinnt die SPD immer, egal welcher Pfft kandidiert“), ist es für die Partei im Jahr 2023 doch ein Grund zur Freude, dass sie die Bürgerschaftswahl wieder gewinnt. Finden auch der rockige Co-Parteichef und Klampfer Lars Klingbeil und der singende Bürgermeister Andreas Bovenschulte mit Shaker. Rock on! bild: Carmen Jaspersen/AFP © AFP
August: Mit dem Bericht über ein antisemitisches Flugblatt sichert die „Süddeutsche Zeitung“ unbeabsichtigt Hubert Aiwangers Freien Wählern in Bayern den Landtagswahlsieg. Bedröppelt steht nun Markus Söders CSU da, die immer glaubte, sie habe die bayrische Volksseele fest im Griff. Söder bleibt zwar Ministerpräsident, aber Juniorpartner Aiwanger rückt immer näher an die Seniorität. Bild: Tobias SCHWARZ/AFP
August: Mit dem Bericht über ein antisemitisches Flugblatt sichert die „Süddeutsche Zeitung“ unbeabsichtigt Hubert Aiwangers Freien Wählern in Bayern den Landtagswahlsieg. Bedröppelt steht nun Markus Söders CSU da, die immer glaubte, sie habe die bayrische Volksseele fest im Griff. Söder bleibt zwar Ministerpräsident, aber Juniorpartner Aiwanger rückt immer näher an die Seniorität. Bild: Tobias SCHWARZ/AFP © AFP
August: Björn Höcke, der faschistische AfD-Chef in Thüringen – und eigentliche Tonangeber bei den Rechtsaußen – hat es in Aussicht gestellt: Nach 2023 befindet sich Deutschland im „Vorbürgerkrieg“. Das lässt sich als nichts anderes denn als Kampfansage an alles Menschliche und Anständige verstehen. Höcke und seine AfD sind nicht die ersten Rechten der Nachkriegszeit, die mit allen Mitteln die Macht ergreifen wollen. Doch die Chancen von Höckes Gefolgschaft sind erschreckend hoch. Im August veröffentlichte Infratest dimap eine Umfrage, wonach 70 Prozent der Befragten in Deutschland gegen Kooperationen mit der AfD auf lokaler und regionaler Ebene nichts einzuwenden hätten. Und Insa legte nach: 33 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern wären bereit, die AfD zur stärksten Macht im Deutschen Bundestag zu erheben. Bild: Sascha Fromm/Imago Images
August: Björn Höcke, der faschistische AfD-Chef in Thüringen – und eigentliche Tonangeber bei den Rechtsaußen – hat es in Aussicht gestellt: Nach 2023 befindet sich Deutschland im „Vorbürgerkrieg“. Das lässt sich als nichts anderes denn als Kampfansage an alles Menschliche und Anständige verstehen. Höcke und seine AfD sind nicht die ersten Rechten der Nachkriegszeit, die mit allen Mitteln die Macht ergreifen wollen. Doch die Chancen von Höckes Gefolgschaft sind erschreckend hoch. Im August veröffentlichte Infratest dimap eine Umfrage, wonach 70 Prozent der Befragten in Deutschland gegen Kooperationen mit der AfD auf lokaler und regionaler Ebene nichts einzuwenden hätten. Und Insa legte nach: 33 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern wären bereit, die AfD zur stärksten Macht im Deutschen Bundestag zu erheben. Bild: Sascha Fromm/Imago Images © IMAGO/Funke Foto Services
Oktober: Sahra Wagenknecht beweist mit der langwierigen Trennung von ihrer alten Partei, dass nicht nur Männer die Stimmung im Land herunterziehen können. Ob die BSW-Neugründung einer linken oder linkspopulistischen oder radikal linken Partei eine Zukunft hat, muss sich noch weisen. Immerhin hat sie der Linkspartei nun ein historisch vernehmbares Aufatmen ermöglicht. Bild: imago images
Oktober: Sahra Wagenknecht beweist mit der langwierigen Trennung von ihrer alten Partei, dass nicht nur Männer die Stimmung im Land herunterziehen können. Ob die BSW-Neugründung einer linken oder linkspopulistischen oder radikal linken Partei eine Zukunft hat, muss sich noch weisen. Immerhin hat sie der Linkspartei nun ein historisch vernehmbares Aufatmen ermöglicht. Bild: imago images © IMAGO/Emmanuele Contini
Seit Oktober: Die Massaker der Hamas im Süden Israels rufen in Deutschland Schock, Trauer und eine Welle der Solidarität hervor. Sie treiben aber auch Antisemitinnen und Antisemiten aus allen politischen Lagern aus ihren Löchern. Der harte Gegenschlag der Israelis im Gazastreifen befeuert die deutsche Debatte und lässt die Fronten nur noch mehr verhärten. Bild: Carsten Koall/dpa
Seit Oktober: Die Massaker der Hamas im Süden Israels rufen in Deutschland Schock, Trauer und eine Welle der Solidarität hervor. Sie treiben aber auch Antisemitinnen und Antisemiten aus allen politischen Lagern aus ihren Löchern. Der harte Gegenschlag der Israelis im Gazastreifen befeuert die deutsche Debatte und lässt die Fronten nur noch mehr verhärten. Bild: Carsten Koall/dpa © dpa
Christian Lindner, Robert Habeck und Olaf Scholz im Bundestag.
Seit November: Das Bundesverfassungsgericht kippt alle Reformpläne der Ampel-Koalition , weil deren Finanzierung nicht verfassungskonform ist. Nun ist auf der Regierungsbank guter Rat plötzlich sehr teuer – © AFP

VW bezieht Stellung: Ziele der AfD „stehen unseren Werten und Kerninteressen fundamental entgegen“

Der Autohersteller VW sieht es ebenso: „Ziele der AfD stehen unseren Werten und Kerninteressen fundamental entgegen: Forderung nach Austritt aus EU, Leugnen des Klimawandels oder das Instrumentalisieren ökonomischer Sorgen für den Widerstand gegen Transformation“. Gerade in diesen herausfordernden Zeiten sei es wichtig, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. „Der Volkswagen Konzern steht für eine offene Gesellschaft, Respekt und Toleranz und stellt sich Hass und Fremdenfeindlichkeit entschieden entgegen“, äußerte ein Sprecher auf Anfrage von IPPEN.MEDIA.

Die rückwärtsgewandte Politik der AfD schadet dem Ansehen Deutschlands in der Welt und damit letztendlich auch unserem Wohlstand.

Harald Christ, Chairman und Gründer der Christ&Company Consulting GmbH

Wirtschaftsexperte mahnt: Restriktive, national ausgerichtete Politik schadet dem Wirtschaftsstandort

Harald Christ, FDP-Politiker, Chairman und Gründer der Christ&Company Consulting GmbH sagte IPPEN.MEDIA dazu: „Die rückwärtsgewandte Politik der AfD schadet dem Ansehen Deutschlands in der Welt und damit letztendlich auch unserem Wohlstand.“

Christ, der auch Mitglied des Aufsichtsrats der Commerzbank AG ist, erklärt weiter: „Internationale Investoren oder Nachwuchskräfte aus dem Ausland, die Deutschland als künftigen Standort im Auge haben, werden sich sehr genau ansehen, wie sich die Politiker des Landes zu Themen wie Gleichberechtigung, Liberalität oder Chancengleichheit äußern werden. Eine restriktive, rein national ausgerichtete Politik schottet ein Land ab, der Wirtschaftsstandort wird dadurch an Attraktivität verlieren.“

Innenministerin Faeser: „Sache der Wirtschaft, Position zu beziehen“

Innenministerin Faeser wünscht sich mehr solcher klaren Bekenntnisse aus der Industrie: „Menschenverachtende Sprache und Politik darf nicht unwidersprochen bleiben. Es darf keine weitere schleichende Normalisierung von rechtspopulistischen und rechtsextremistischen Positionen geben. Daher ist es auch Sache der Wirtschaft, Position zu beziehen. Das kann man von allen erwarten, die in unserem Land Verantwortung tragen.“

Rubriklistenbild: © Hannes P Albert/dpa

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