VonBona Hyunschließen
Die Ölproduktion ist für Putin unverzichtbar, um teilweise seine Kriegsökonomie zu finanzieren. Ein Zwischenfall in einer der größten Raffinerien löst Besorgnis aus.
Moskau – Die Sorge um erneute Verluste für Russlands Wirtschaft wächst: Betroffen ist eines der größten Ölraffinerien Russlands. Die Omsk-Raffinerie gehört zu Gazpromneft, der Öltochter des großen staatlichen Energieriesen Gazprom und verarbeitet etwa 22 Millionen Tonnen Öl pro Jahr. Im Laufe des Ukraine-Kriegs sind bereits wichtige Öl-Anlagen ins Visier der Ukraine gerückt. Handelt es sich hierbei auch um eine Strategie der Ukraine?
Stich in Russlands Herz der Wirtschaft: Feuer in einer der größten Ölraffinerien
Berichten zufolge kam es am 26. August zu einem Feuer in der Anlage der Omsk-Raffinerie. Bei dem Brand wurden sieben Arbeiter verletzt, einer von ihnen erlag demnach im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Zwei Quellen sagten gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, dass eine Rohöl-Destillationsanlage, CDU-11, eine der beiden größten Primärraffinerien der Omsk-Anlage, von dem Feuer betroffen war. Eine weitere Primärraffinerie, CDU-10, war bereits Anfang August wegen eines Brandes stillgelegt worden. CDU-10 und CDU-11 haben jeweils eine Produktionskapazität von rund 8,6 Millionen Tonnen pro Jahr.
Folgen für Russlands Wirtschaft: Raffinerie nimmt Sorge über Produktionskapazität
Die Omsker-Raffinerie teilte noch am selben Tag mit, dass das das Feuer unter Kontrolle sei. „Das automatische Sicherheitssystem des Werks hat ein Feuer in der technischen Ausrüstung entdeckt“. Derweil seien die Produktionspläne nicht beeinträchtigt worden. „Das Unternehmen arbeitet wie gewohnt“, hieß es.
Die Brandursache ist derzeit noch ungeklärt. Laut Reuters kursierten zuvor in sozialen Medien Meldungen von einer gewaltigen Explosion in mehreren Bezirken der westsibirischen Stadt Omsk, die rund 2.700 km östlich von Moskau liegt. Es gibt laut dem Rundfunkveranstalter Radio Free Europe/Radio Liberty bisher keine Hinweise darauf, dass die Explosion in der Raffinerie in irgendeiner Weise mit einem Drohnenangriff oder einer Sabotage in Zusammenhang stehen könnte.
Ukraine visiert Herz der russischen Wirtschaft an – durch Drohnenangriff auf Raffinerien
Derzeit sind Öl-Raffinerien eines der wichtigsten Standbeine der russischen Wirtschaft. Öl-Exporte bringen Wladimir Putin viel Geld in die Kriegskasse, auch wenn die Sanktionen und der Krieg die Einnahmen eingeschränkt haben. Jede Möglichkeit, die die Produktion von Öl beeinträchtigen könnte, dürfte Putin beunruhigen.
Seit Anfang 2024 werden russische Raffinerien im europäischen Teil des Landes regelmäßig von ukrainischen Drohnen angegriffen. In einigen Anlagen waren Ölraffinerien außer Betrieb und mussten repariert werden, was zwischenzeitlich die Produktion von Öl stilllegte. Gezielte Angriffe auf Raffinerien könnten Anzeichen sein, dass die Ukraine es stärker auf den Energiesektor der russischen Wirtschaft abgesehen hat. Das sieht man nicht nur an den Drohnenangriffen auf Öl-Raffinerien.
Experten zufolge sind die Ukrainer dank ihres raschen technologischen Fortschritts und der wachsenden Zahl unbemannter Flugzeuge der russischen Verteidigung überlegen. „Die Drohnen können einen wirtschaftlichen Schaden verursachen“, sagte Sergey Vakulenko, Energieexperte am Carnegie Russia Eurasia Center. Er räumte jedoch auch ein: „Aber der angerichtete Schaden ist kurz und relativ leicht zu beheben.“
Vorstöße der Ukraine in Kursk: Wichtige Gas-Pipeline wohl unter Kontrolle
Auch anhand der Vorstöße in Kursk lässt sich erkennen, dass die Ukraine einen wunden Punkt von Russlands Wirtschaft angreifen will. Bei Vorstößen über die Stadt Sudscha haben die ukrainischen Truppen offenbar auch eine Messtation der wichtigen Gaspipeline Richtung Westeuropa teilweise unter ihre Kontrolle gebracht. Bei Sudscha liegt die letzte Gasstation, über die aufgrund eines Transitabkommens zwischen der Ukraine und Russland weiter Putins Gas über die Ukraine nach Europa gelangt.
„Die Verlagerung des Krieges auf das Territorium der Russischen Föderation ist eine strategische Aufgabe für die Ukraine“, kommentiert der Polittechnologe Taras Sagorodni in einem Beitrag für das ukrainische Nachrichtenportal nv.ua. „Wir müssen den Feind und vor allem sein Energiesystem so weit wie möglich destabilisieren.“ Und da passe es gut, dass sich ausgerechnet in Sudscha der einzige Zulauf für russisches Gas in die Ukraine befinde. (bohy)
Rubriklistenbild: © Yuri Kochetkov/dpa

