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2022 war ein schlechtes Jahr an den globalen Finanzmärkten. Das merkten auch Rentenfonds weltweit, aber in Deutschland fiel das Minus klein aus. Warum?
Frankfurt - Vergangenes Jahr lief es nicht rund an den Börsen der Welt. Der deutsche Leitindex Dax sackte 2022 um zwölf Prozent ab. In den USA ging es für den S&P500 sogar 19 Prozent abwärts. Diese Entwicklung ging auch an Rentenfonds nicht spurlos vorbei, die Geld zukünftiger Rentner an den Kapitalmärkten investieren sollen. Das zeigen Daten einer neuen Renten-Erhebung der OECD.
Am härtesten waren die Rentenfonds von Litauen und Lettland betroffen. Die Rentenfonds der baltischen Staaten machten wegen der schlechten Performance von Aktien und Anleihen eine Rendite von minus 30 Prozent. Für Polen, die Niederlande und Ungarn lief es nicht viel besser. Am anderen Ende der schlechten Entwicklung an den Finanzmärkten liegt Australien. Der Rentenfonds aus „Down Under“ machte „nur“ ein Rendite-Minus von 7,6 Prozent und auch für Deutschland lief es überraschend gut. Am Ende machte man eine Rendite von minus 8,6 Prozent.
Warum machen deutsche Rentenfonds im Verhältnis kleine Verluste?
Die Gründe sind naheliegend: Zwar legen auch in Deutschland Rentenversicherer das Geld ihrer Kunden am Kapitalmarkt an. Anders als in anderen Ländern gibt es in der Bundesrepublik aber keinen großen staatlichen Rentenfonds. Somit blieben auch große Kursverluste aus. Die OECD hat in ihrer Erhebung neben staatlichen Rentenfonds auch Rentenpläne einberechnet, die Privatpersonen beispielsweise über ihren Arbeitgeber oder ihre Bank nutzen.
In Deutschland wird seit Jahren über die Aktienrente - neuerdings auch „Generationenkapital“ genannt - diskutiert. Würde ein schlechtes Jahr an den Aktienmärkten die Rente der Deutschen gefährden, sollte die Aktienrente kommen?
Was ist die OECD?
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist eine internationale Organisation, deren Ziel es ist, eine bessere Politik für ein besseres Leben zu fördern. Nach eigenen Angaben arbeitet sie daran, Wohlstand, Gerechtigkeit, Chancen und Lebensqualität für alle zu sichern.
Erstmal könnte es länger dauern, bis dieses Szenario eintreten könnte. Denn die Aktienrente fiel der Haushaltskrise der Ampel-Regierung zu opfer. Das „Generationenkapital“ sollte mit zehn Milliarden Euro ausgestattet werden und das Rentensystem sichern. Doch daraus wird seit dem Karlsruher Urteil nichts mehr: Die Regierung muss zahlreiche Vorhaben auf Eis legen. Unter anderem auch die Aktienrente - eines der wichtigsten Vorhaben der FDP.
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Aktienrente: Kursverluste in einem einzelnen Jahr sind unproblematisch
Sollten Deutsche jetzt aufatmen, dass ihre Rente nicht der Macht des Finanzmarkts ausgesetzt wird? Nicht unbedingt, denn: Tatsächlich wurde die schlechte Leistung der Rentenfonds durch die hohe Inflation angetrieben. Die geht in Deutschland und weiten Teilen des Euroraums zurück.
„Kursverluste in einem einzelnen Jahr sind eher unproblematisch, weil sie ja im Regelfall durch Kursgewinne in anderen Jahren ausgeglichen werden können“, sagt Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut der Wirtschafts Woche (WiWo). Zudem würden die Aktien ja nicht verkauft, wenn die Kurse niedrig stehen, meint Ragnitz: Insofern seien die Verluste rein theoretischer Natur. Die Vorzeige-Rentenfonds aus Norwegen, den Niederlanden und Co. machen über einen langen Zeitraum Gewinn an der Börse. Der norwegische Rentenfonds habe beispielsweise allein in der ersten Hälfte des laufenden Jahres ein Plus von zehn Prozent gemacht. Und damit die Verluste des Vorjahres wettgemacht. (row)
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