Ranking der EU

Schlusslicht Deutschland: So viele Wärmepumpen werden in Europa installiert

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In den nächsten Jahren sollen jährlich 500.000 Wärmepumpen in deutschen Haushalten installiert werden. Damit beginnt für Deutschland eine Aufholjagd: In Europa ist man nämlich schon Schlusslicht.

Berlin – Mit dem Beschluss des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) im Bundestag ist auch der Startschuss für die Wärmepumpen-Branche gefallen. Jährlich sollen 500.000 Geräte in deutschen Haushalten installiert werden, das ist der Wunsch von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Damit soll die Energieversorgung im Land nach und nach auf rein erneuerbaren Energien basieren. Ein Mammutprojekt, das Deutschland aber angehen muss, um bis 2045 klimaneutral zu werden.

Noch dazu beginnt in Deutschland jetzt eine Aufholjagd. Im europäischen Ausland ist man nämlich schon viel weiter, wie Daten des Branchenverbands, die European Heat Pump Association (EHPA), zeigen. Demnach liegen hinter Deutschland nur noch Ungarn und das Vereinigte Königreich.

Nordische Länder stehen an der Spitze des Wärmepumpen-Rankings

In seinem jährlichen Statistikbericht stellt die EHPA die Zahlen der verkauften Wärmepumpen in den verschiedenen europäischen Ländern zusammen. Dabei wird auf der einen Seite der Anteil eingebauter Geräte pro 1000 Haushalte verglichen, wo Deutschland besonders schlecht dasteht. Es werden aber auch die absoluten Zahlen erfasst, wo Deutschland mit seinen 275.697 eingebauten Wärmepumpen etwas besser im Europavergleich aussieht.

Anteil installierter Wärmepumpen pro 1000 Haushalte

Den größten Anteil an Wärmepumpen haben 2022 die nordischen Länder Finnland, Norwegen, Schweden und Dänemark installiert. In der obigen Grafik der Agentur für Erneuerbare Energien nicht enthalten ist aber noch Estland, das laut EHPA auch im Ranking weit oben erscheint: Dort wurden 2022 31,95 Geräte pro 1000 Haushalte eingebaut. In Deutschland wurden nur 5,8 Wärmepumpen pro 1000 Haushalte installiert – und das, obwohl 2022 ein Boom-Jahr für Heizungsindustrie war.

Frankreich und Italien installierten 2022 mehr als eine halbe Million Wärmepumpen

In absoluten Zahlen sieht das Ranking der EHPA etwas besser für Deutschland aus. Besonders bemerkenswert waren 2022 aber vor allem Frankreich und Italien: In beiden Ländern wurden deutlich über 500.000 Wärmepumpen eingebaut. Deutschland belegt hier den dritten Platz:

  1. Frankreich: 621.776
  2. Italien: 513.535
  3. Deutschland: 275.697
  4. Schweden: 215.373
  5. Polen: 207.992
  6. Finnland: 196.359
  7. Spanien: 184.950
  8. Norwegen: 150.554
  9. Niederlande: 125.270
  10. Dänemark: 88.833
  11. Tschechien: 62.609
  12. Österreich: 60.357
  13. Belgien: 60.247
  14. Vereinigtes Königreich: 55.168
  15. Schweiz: 48.744
  16. Portugal: 40.311
  17. Litauen: 25.130
  18. Estland: 21.766
  19. Irland: 20.185
  20. Ungarn: 15.433
  21. Slowakei: 13.467

Damit beweisen Frankreich und Italien – beides Volkswirtschaften, die man gut mit Deutschland vergleichen kann – dass das Ziel der Bundesregierung von jährlich 500.000 Wärmepumpen nicht utopisch ist, solange die Gegebenheiten stimmen. Und tatsächlich gibt es in beiden Ländern massive staatliche Programme, die den Einbau der Wärmepumpe fördern. In Italien wurde das Programm „Superbonus 110“ eingeführt, mit dem Eigentümer und Eigentümerinnen 110 Prozent der Kosten einer Sanierung steuerlich abschreiben können. Gefördert werden Dämmmaßnahmen und der Einbau einer Wärmepumpe.

Allerdings soll es in Italien nicht mehr so weitergehen, wie 2022: Die neue Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat die Förderung nämlich angepasst, es können nur noch 90 Prozent der Kosten abgeschrieben werden. Nun ist der Markt Insidern zufolge eingebrochen, der Boom von 2022 soll sich demnach in diesem Jahr nicht wiederholen.

Zwei Handwerker stellen eine gerade installierte Wärmepumpe im Keller einer Doppelhaushälfte ein.

In Frankreich hat man das Ziel herausgegeben: Bis 2025 soll sich die Zahl der installierten Wärmepumpen im Land verdoppelt haben. Haushalte erhalten mindestens 5000 Euro an Zuschüssen, wenn sie sich für die Wärmepumpe entscheiden. Bis zu 16.000 Euro Zuschuss sind möglich, wenn eine Erdwärmepumpe gewählt wird. In Frankreich ist seit 2022 der Einbau von Gasheizungen im Neubau untersagt, zunächst nur in Einfamilienhäusern, ab 2025 dann auch in Mehrfamilienhäusern. Öl- und Kohlekessel dürfen seit Juli 2022 überhaupt nicht mehr eingebaut werden.

Förderung für Deutschland steht noch nicht fest

Und in Deutschland? Hierzulande diskutiert die Ampel-Koalition noch über die genaue Ausgestaltung der Förderung, die ab 2024 im Rahmen des GEG greifen soll. Dem aktuellen Eckpunktepapier zufolge soll es maximal 21.000 Euro an Zuschuss für den Einbau einer Wärmepumpe geben, allerdings nur für Geringverdienende. 15.000 Euro können die meisten Menschen demnach mutmaßlich bekommen, da bei einem Förderdeckel von 30.000 Euro bis zu 50 Prozent für Eigentümer und Eigentümerinnen rausspringen, die noch vor 2026 umsteigen. Ob das die schwächelnde Branche hierzulande wieder ankurbeln kann, wird sich zeigen.

Rubriklistenbild: © Doreen Garud/dpa

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