Nächster Paukenschlag

„Schock, Wut, Unverständnis“: Traditionsunternehmen stoppt Produktion und verlagert sie ins Ausland

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Ein weiterer Nackenschlag für den Wirtschaftsstandort Deutschland: Ein Traditionsunternehmen gibt seinen Produktionsstandort auf und zieht ins Ausland.

Mannheim – Es ist der nächste Paukenschlag in einer ganzen Reihe an Hiobsbotschaften für die deutsche Wirtschaft. Wie die Gewerkschaft IG Metall am 28. August in einer Mitteilung erklärte, will einer der wichtigsten und größten Arbeitgeber der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs seine Produktion am Stammsitz bis Mitte 2027 schließen und sie ins Ausland verlagern. Die Mitarbeiter wurden bereits informiert, der Schock ist groß. Jüngst kündigte auch eine Unternehmensgruppe das Ende der Produktion an einem deutschen Standort an.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Der Automatisierungs- und Sensorspezialist Pepperl+Fuchs mit Sitz in Mannheim (Baden-Württemberg) ist einer der bedeutendsten Mittelständler Baden-Württembergs und bereits seit 1945 in der Quadratestadt ansässig. Nach den Informationen der Arbeitnehmervertreter plant das Unternehmen nun aber, die bis Ende 2026 geltende Beschäftigungssicherung auslaufen zu lassen und die Produktion bis Mitte 2027 zu schließen. Ob am Pepperl+Fuchs-Hauptsitz in Mannheim neben den Total Production Units (TPU) weitere Bereiche betroffen sein werden, ist nicht abzusehen.

Pepperl+Fuchs will Produktion am Stammsitz bis Mitte 2027 schließen – „schwerer Schlag für Mannheim“

Die Wirtschaft in Mannheim hatte im bisherigen Jahr mehrere Rückschläge zu verkraften. Zu Beginn des Jahres kündigte ein Traditionsunternehmen einen harten Einschnitt in der Stadt an und vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass die insolvente Mannheimer Hotelkette Achat zwar fortbesteht, allerdings in deutlich verkleinerter Form. Die Produktionsschließung von Pepperl+Fuchs ist laut der IG Metall ein weiterer „schwerer Schlag für Mannheim“, den die Gewerkschaft aber nicht ohne Weiteres hinnehmen will. Der Arbeitgeber lehnt eine Alternative bislang aber offenbar ab.

Name Pepperl+Fuchs SE
Gründung 1945
Sitz Mannheim, Baden-Württemberg
Branche Automatisierung, Sensorik, Maschinenbau
Mitarbeiter 6450 weltweit, rund 1.200 in Mannheim
Umsatz 930 Millionen Euro (2023)

„Heute wurden die Beschäftigten über die Pläne informiert. Schock, Wut, Unverständnis – das waren die ersten Reaktionen bei der Belegschaft auf die Nachricht“, erklärt Alfred Storch, Betriebsratsvorsitzender von Pepperl+Fuchs in Mannheim. Die Schließung der Produktion am Hauptsitz betrifft laut der IG Metall rund 90 der insgesamt rund 1.200 Mitarbeiter. Das Unternehmen selbst, das die Schließung der Produktion und die schrittweise Verlagerung „an internationale Fertigungsstandorte“ noch am selben Tag (28. August) bestätigte, spricht von 80 betroffenen Mitarbeitern.

Dieser Schritt ist Teil einer global ausgerichteten Produktionsstrategie, bei der arbeitsintensive Fertigungsprozesse an international wettbewerbsfähige Produktionsstandorte verlagert werden

Pepperl+Fuchs zu den Schließungsplänen in Mannheim (Pressemitteilung vom 28. August 2025)
Das Mannheimer Traditionsunternehmen Pepperl+Fuchs will die Produktion am Hauptsitz bis Mitte 2027 einstellen und sie ins Ausland verlagern.

Trotz Schließungsplänen: Pepperl+Fuchs bekennt sich zu Mannheim – „bleibt Herz unseres Unternehmens“

In der Mitteilung von Pepperl+Fuchs heißt es, dass der Prozess mit äußerster Sorgfalt, Transparenz und sozialer Verantwortung durchgeführt werden solle, und dass man bereits frühzeitig den engen Austausch mit den Arbeitnehmervertretern gesucht habe. „Im Vordergrund steht nun die faire und partnerschaftliche Begleitung der betroffenen Mitarbeitenden“, schreibt das Unternehmen. Die IG Metall Mannheim erklärt dagegen, dass Pepperl+Fuchs nicht bereit gewesen sei, „mit uns über wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu sprechen“, wie der 2. Bevollmächtigte Daniel Warkocz betont.

„Für alle betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und deren Familien wäre das ein Desaster. Gerade die Nähe von Produktion und Entwicklung ist ein Standortvorteil, der in Gefahr gerät“, erklärt Warkocz weiter. Der Arbeitgeber solle die Pläne zurücknehmen und in den Dialog mit der Arbeitnehmerseite treten. Pepperl+Fuchs bekennt sich in der eigenen Mitteilung trotz der Pläne zum Stammsitz in Mannheim. „Unser Stammhaus bleibt an unserem Gründungsstandort, daran besteht kein Zweifel. Mannheim ist und bleibt das Herz unseres Unternehmens“, heißt es vom Vorstand.

Rubriklistenbild: © Dominik Lott/Wikipedia/CC BY-SA 4.0

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