„Schock, Wut, Unverständnis“: Traditionsunternehmen stoppt Produktion und verlagert sie ins Ausland
VonJulian Baumann
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Ein weiterer Nackenschlag für den Wirtschaftsstandort Deutschland: Ein Traditionsunternehmen gibt seinen Produktionsstandort auf und zieht ins Ausland.
Mannheim – Es ist der nächste Paukenschlag in einer ganzen Reihe an Hiobsbotschaften für die deutsche Wirtschaft. Wie die Gewerkschaft IG Metall am 28. August in einer Mitteilung erklärte, will einer der wichtigsten und größten Arbeitgeber der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs seine Produktion am Stammsitz bis Mitte 2027 schließen und sie ins Ausland verlagern. Die Mitarbeiter wurden bereits informiert, der Schock ist groß. Jüngst kündigte auch eine Unternehmensgruppe das Ende der Produktion an einem deutschen Standort an.
Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg
Der Automatisierungs- und Sensorspezialist Pepperl+Fuchs mit Sitz in Mannheim (Baden-Württemberg) ist einer der bedeutendsten Mittelständler Baden-Württembergs und bereits seit 1945 in der Quadratestadt ansässig. Nach den Informationen der Arbeitnehmervertreter plant das Unternehmen nun aber, die bis Ende 2026 geltende Beschäftigungssicherung auslaufen zu lassen und die Produktion bis Mitte 2027 zu schließen. Ob am Pepperl+Fuchs-Hauptsitz in Mannheim neben den Total Production Units (TPU) weitere Bereiche betroffen sein werden, ist nicht abzusehen.
Pepperl+Fuchs will Produktion am Stammsitz bis Mitte 2027 schließen – „schwerer Schlag für Mannheim“
„Heute wurden die Beschäftigten über die Pläne informiert. Schock, Wut, Unverständnis – das waren die ersten Reaktionen bei der Belegschaft auf die Nachricht“, erklärt Alfred Storch, Betriebsratsvorsitzender von Pepperl+Fuchs in Mannheim. Die Schließung der Produktion am Hauptsitz betrifft laut der IG Metall rund 90 der insgesamt rund 1.200 Mitarbeiter. Das Unternehmen selbst, das die Schließung der Produktion und die schrittweise Verlagerung „an internationale Fertigungsstandorte“ noch am selben Tag (28. August) bestätigte, spricht von 80 betroffenen Mitarbeitern.
Dieser Schritt ist Teil einer global ausgerichteten Produktionsstrategie, bei der arbeitsintensive Fertigungsprozesse an international wettbewerbsfähige Produktionsstandorte verlagert werden
Trotz Schließungsplänen: Pepperl+Fuchs bekennt sich zu Mannheim – „bleibt Herz unseres Unternehmens“
In der Mitteilung von Pepperl+Fuchs heißt es, dass der Prozess mit äußerster Sorgfalt, Transparenz und sozialer Verantwortung durchgeführt werden solle, und dass man bereits frühzeitig den engen Austausch mit den Arbeitnehmervertretern gesucht habe. „Im Vordergrund steht nun die faire und partnerschaftliche Begleitung der betroffenen Mitarbeitenden“, schreibt das Unternehmen. Die IG Metall Mannheim erklärt dagegen, dass Pepperl+Fuchs nicht bereit gewesen sei, „mit uns über wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu sprechen“, wie der 2. Bevollmächtigte Daniel Warkocz betont.
„Für alle betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und deren Familien wäre das ein Desaster. Gerade die Nähe von Produktion und Entwicklung ist ein Standortvorteil, der in Gefahr gerät“, erklärt Warkocz weiter. Der Arbeitgeber solle die Pläne zurücknehmen und in den Dialog mit der Arbeitnehmerseite treten. Pepperl+Fuchs bekennt sich in der eigenen Mitteilung trotz der Pläne zum Stammsitz in Mannheim. „Unser Stammhaus bleibt an unserem Gründungsstandort, daran besteht kein Zweifel. Mannheim ist und bleibt das Herz unseres Unternehmens“, heißt es vom Vorstand.