Jede dritte Frau verspürt wegen Online-Inhalten den Druck, ihr Aussehen zu ändern. KI-generierte Bilder mit makellosen Schönheiten tragen negativ dazu bei.
Frankfurt – Was ist eigentlich schön? Makellose Haut, volle Haare und ein schlanker, sportlicher Körper? Das vermitteln zumindest KI-Bildgeneratoren wie Dall-E oder Midjourney, die Menschen auf ihren Bildern in den allermeisten Fällen dünn, attraktiv und mit perfekter Haut abbilden. Damit wird ein nicht nur unrealistisches Schönheitsideal nach außen getragen, sondern ein unerreichbares – da solche Personen schlicht nicht existieren.
Die Körperpflegemarke Dove sträubt sich mit einer Werbekampagne gegen diese Entwicklung. Sie verspricht, niemals Künstliche Intelligenz zu verwenden, um Bilder von Frauen zu erstellen oder zu verzerren. Auch Eltern und sogar die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) setzen sich zum Schutz vor trügerischen Vorbildern für eine deutliche Kennzeichnung von KI-generierten Bildern und Videos im Internet ein.
Keine Nutzung von KI-Bildern: Dove setzt sich in Kampagne für natürliche Schönheit ein
Dove ist seit jeher dafür bekannt, in Kampagnen und mit ihren Produkten für „wahre Schönheit“ einzutreten. Nicht umsonst wird auf der Webseite mit dem Spruch „schön ist, was dich ausmacht. Authentisch. Einzigartig. Echt“ geworben. Dieser Einstellung folgt das Unternehmen auch in einer „Ära [...], in der bis 2025 voraussichtlich 90 Prozent der Inhalte KI-generiert sein werden“, so Dove unter dem aktuellen Kampagnen-Video. Hier wirbt die Marke mit dem Versprechen, für die Erstellung oder Bearbeitung von Frauenbildern niemals KI zu verwenden.
Um diesen Punkt zu unterstreichen, hat Dove eine Studie zum Thema Schönheit durchgeführt und mit 33.000 Menschen in 20 Ländern gesprochen. Den Ergebnissen zufolge verspürt jede dritte Frau aufgrund von Online-Inhalten den Druck, ihr Aussehen zu ändern – selbst wenn sie weiß, dass Bilder gefälscht oder von der KI erstellt wurden. Außerdem sind 47 Prozent der befragten Frauen und 48 Prozent der Mädchen (zwischen 10 und 17 Jahren) der Meinung, dass die Möglichkeit, mithilfe von KI eine andere Version ihrer selbst zu erschaffen, einen negativen Einfluss auf ihr Selbstbild haben kann.
Der Aufstieg der KI stellt eine der größten Bedrohungen für echte Schönheit in den letzten 20 Jahren dar, weshalb Repräsentation wichtiger denn je ist.
Plastischer Chirurg äußert sich zu Selbstoptimierung durch KI: „KI setzt nochmal einen obendrauf“
Dem Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Präsidenten der DGÄPC, Dr. Alexander P. Hilpert, zufolge liegt das Problem aber nicht ausschließlich bei der KI – diese verschärfe die Situation nur zusätzlich. „Face-Apps mit diversen Filterfunktionen wie z.B. der Bold Glamour-Filter oder auch Photoshop gibt es schon viel länger als KI“, erklärt er gegenüber IPPEN.MEDIA. Infolgedessen würden seine Kollegen und er spüren, „dass vermehrt vor allem junge Menschen mit teils grotesken und nicht in die Realität umsetzbaren Wünschen zu uns in die Praxen und Kliniken kommen“.
Wie kommt dieser Eisbär in die Wüste? Erstellung von KI-Bildern einfach erklärt
„KI setzt leider in Sachen unrealistischer Selbstoptimierung per Klick nochmal einen obendrauf, da der Umsetzung von Wünschen quasi keine Grenzen gesetzt werden“, erläutert der Facharzt weiter. „Da wird man als durchschnittlich aussehender Mensch einfach so über die Eingabe von ein paar Schlagwörtern eine Strandschönheit mit perfektem Körperbau, makelloser Haut und Modelgesicht inklusive passender Umgebung. Dazu gehören auch diverse Profile in den Sozialen Medien von Influencerinnen, die es in der Realität gar nicht gibt.“
Wegen KI in sozialen Netzwerken: Eltern adressieren Petition an TikTok-CEO
Tatsächlich erfreuen sich sogenannte virtuelle Influencerinnen und Influencer auf Instagram und TikTok immer größerer Beliebtheit. Accounts wie Lil Miquela und Shudu basieren auf KI-generierten Personen, die echten Menschen auf den ersten Blick täuschend ähnlich sehen. Zwar wird den mehreren Tausend Followern in der Biografie erläutert, dass es sich um einen „20-year-old Robot living in LA“ respektive „The World’s First Digital Supermodel“ handelt – aber verstehen das auch jüngere Zielgruppen?
Diese Sorge teilen über 12.000 Eltern, die im Januar diesen Jahres eine an den TikTok-CEO Shou Zi Chew adressierte Petition ins Leben gerufen haben. Darin fordern sie Chew dazu auf, KI-generierte Influencerinnen und Influencer, die den Usern als echte Menschen erscheinen könnten, klarer kennzeichnen zu lassen. „KI-Influencer setzen Kinder unerreichbaren und ungesunden Körper- und Schönheitsstandards aus, die das Selbstwertgefühl schwächen und zu ungesunden Verhaltensweisen führen können“, heißt es in der Petition.
Regulierung von KI: Eltern und Gesellschaften setzen sich für Kennzeichnung von KI-Inhalten ein
Eine vergleichbare Petition hat auch die DGÄPC gemeinsam mit den beiden anderen großen Fachgesellschaften für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Deutschland (der DGPRÄC und der VDPÄC) beim Petitionsausschuss der Bundesregierung eingereicht. Darin wird gefordert, „in Deutschland eine Kennzeichnungspflicht für digital bearbeitetes und KI-generiertes Bild- und Videomaterial in den Sozialen Medien sowie der Werbung gesetzlich zu regeln“, erklärt Dr. Hilpert IPPEN.MEDIA. Damit solle vor allem die junge, noch leicht zu beeinflussende Zielgruppe im Umgang mit sozialen Medien geschützt werden. „Wir warten aktuell auf deren Freigabe“, schließt Hilpert. Vielen Eltern kann das sicherlich nicht schnell genug gehen.