VonMarcel Reichschließen
Die Meyer Werft kämpft ums Überleben. Ein 400 Millionen Euro schweres Rettungspaket von Bund und Land könnte die Zukunft des Schiffbaus in Deutschland sichern.
Papenburg – Die renommierte Meyer Werft in Papenburg steht vor dem Kampf ums Überleben und droht in die Insolvenz zu rutschen. Während seines Besuchs in der niedersächsischen Stadt versprach Bundeskanzler Olaf Scholz Unterstützung und betonte: „Aber eines kann ich heute klar sagen: Der Bund trägt seinen Teil der Lösung bei.“ Die Werft selbst beschäftigt 3300 Menschen, über Zulieferbetriebe sind bis zu 18.000 Arbeitsplätze betroffen.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters gibt es bereits eine grundlegende Übereinkunft zwischen Bund, Land und der Eigentümerfamilie, einschließlich festgelegter Eckpunkte. Die IG Metall Küste begrüßte diese Initiative. Bezirksleiter Daniel Friedrich erklärte: „Durch den geplanten Einstieg von Bund und Land werden nicht nur die Standorte Papenburg und Rostock gerettet, sondern wichtige Teile des Schiffbaus in ganz Deutschland“.
Robert Habeck, Bundeswirtschaftsminister, signalisierte ebenfalls staatliche Unterstützung für die im Jahr 1795 gegründete Werft. „Lösungen sind möglich. Und Lösungen sind in greifbare Nähe gekommen“, äußerte der Politiker der Grünen in Köln. Er konnte noch keine Details nennen, da es sich um einen sensiblen Prozess handelt. „Wir wollen helfen, eine Lösung zu finden, dass da weiter Schiffe gebaut werden an der Küste.“ Er betonte, dass die Werft eine lange Tradition und hohe Leistungsfähigkeit aufweist und daher intensiv an einer Lösung gearbeitet wurde.
So soll der Ausstieg des Bundes in drei bis vier Jahren laufen
Insiderinformationen zufolge planen Bund und Land, der Meyer Werft 400 Millionen Euro Eigenkapital zur Verfügung zu stellen, Bankkredite durch Bürgschaften abzusichern und vorübergehend mindestens 80 Prozent der Werft zu übernehmen. Es müssen jedoch noch einige Details geklärt werden und die Haushaltsausschüsse in Berlin und Hannover müssen zustimmen.
Teil des Abkommens sind Bedingungen wie ein Vorkaufsrecht für die Familie Meyer, wenn die öffentliche Hand in etwa drei bis vier Jahren wieder aussteigt. Es gibt auch bestimmte Garantien hinsichtlich der Job-Sicherheit für die Mitarbeiter. Die endgültige Lösung soll bis Mitte September feststehen.
Vor dem Besuch von Scholz äußerte sich die Bundesregierung nicht konkret und sprach von laufenden Gesprächen. Ein Sprecher des niedersächsischen Wirtschaftsministeriums lehnte einen Kommentar zu den Informationen von Reuters ab, betonte jedoch, dass der Termin in Papenburg eine starke Signalwirkung habe und zeige, dass Bund und Land die Werft unterstützen.
Meyer Werft benötigt fast 2,8 Milliarden Euro
Das angeschlagene Familienunternehmen verband große Hoffnungen mit dem Besuch von Bundeskanzler Scholz. Die Werft wartete seit Wochen auf die Zusage von Bund und Land Niedersachsen für einen Staatseinstieg. Die Meyer Werft benötigt fast 2,8 Milliarden Euro, um die bestellten Schiffe herstellen zu können, davon 2,3 bis 2,4 Milliarden in Form von Bankkrediten. Mit dem frischen Eigenkapital müssen auch Verluste aus der Vergangenheit gedeckt und die Sanierung finanziert werden. Die Eigentümerfamilie kann eine Kapitalspritze nicht stemmen und ein privater Investor ist nicht in Sicht.
Die Luxusdampfer, von denen zwei pro Jahr vom Stapel laufen sollen, kosten mindestens 1,5 Milliarden Euro. Die Kunden zahlen in der Regel 20 Prozent an, der Rest wird erst bei der Übergabe fällig. Die Werft muss also die Baukosten vorfinanzieren, normalerweise aus den Anzahlungen. Die Corona-Jahre, in denen es kaum noch Neuaufträge gab, wurden Meyer zum Verhängnis. Zuletzt hatte der US-Unterhaltungskonzern Disney vier Schiffe bestellt.
