Krise in der Autobranche

Schreckensnachricht erreicht 500 Angestellte eines Autozulieferers: Globaler Marktführer ist insolvent

  • schließen

Die angeschlagene Automobilbranche kommt nicht zur Ruhe. Einer der bedeutendsten Autozulieferer im Land muss nun den Gang in die Insolvenz antreten – 500 Arbeitsplätze sind gefährdet.

Halle – Die Krise in der Autobranche scheint kein Ende zu nehmen. Noch dazu kommen in dieser Woche die neuen Zölle der US-Regierung auf Waren aus Mexiko und Kanada – für deutsche Autobauer und ihre Zulieferer ist das ein Problem. Denn viele Hersteller haben Werke in Mexiko, um dort zu recht günstigen Konditionen für den US-Markt zu produzieren. Nun bricht auch diese Option für viele einfach weg. Dadurch könnte sich die Insolvenzwelle in der Autowelt nochmal verstetigen.

Großer Autozulieferer aus Deutschland ist insolvent: 500 Jobs in Gefahr

Die Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH aus Gardelegen, einer der größten Autozulieferer Sachsen-Anhalts, hat Insolvenz angemeldet. Der vorläufige Insolvenzverwalter, Silvio Höfer von der Anchor Rechtsanwaltsgesellschaft, bestätigte dies in einem Gespräch mit der Mitteldeutschen Zeitung. Er stehe derzeit in Verhandlungen mit der Geschäftsführung und dem Betriebsrat. Details zu den Ursachen der Insolvenz wurden bislang noch nicht genannt, jedoch berichtete der Betriebsrat von Absatzrückgängen und Liquiditätsproblemen. Generell ist die gesamte Autobranche unter Druck, da der Absatz von Elektroautos sich bisher nicht so entwickelt, wie erwartet.

Kaum zu sehen: Diese 10 Automarken sind echte Exoten in Deutschland

Lucid Air auf Kies
Platz 10 – Lucid (USA): Schick sieht er ja schon aus der Air. Und mit rund 800 Kilometern Reichweite ist das Elektroauto auch absolut langstreckentauglich. In Deutschland ist das Luxusmobil aber noch ein absoluter Geheimtipp © Lucid Motors
Luicid Air
Grade einmal 392 Neuzulassungen gab es 2024 in Deutschland. Das dürfte auch an dem Preis liegen. Der Lucid Air kostet in der Basisversion Pure bereits stolze 85.000 Euro. Wer den Luxus-Strom voll ausgestattet haben will, muss für den Air Sapphire sogar 250.000 Euro auf den Tisch legen. © Lucid Motors
Lotus Emeya
Platz 9 – Lotus (China): Hier trifft Tradition auf Moderne. Oder britisches Understatement auf chinesische Technologie. Denn wie MG gehört auch diese britische Ikone längst zu einem chinesischen Konzern. © Lotus Cars
Lotus Eltere
Doch anders als MG tut sich Lotus auf dem deutschen Markt noch schwer. Lediglich 365 Autos wurden 2024 verkauft. Das dürfte auch dem Wandel zur Elektromobilität geschuldet sein. © Lotus
Rolls-Royce Cullinan
Platz 8 – Rolls-Royce (Großbritannien): Wenn es um Luxusautos geht, führ kein Weg an Rolls-Royce vorbei. Die Briten stehen für Handarbeit, opulente Materialien und absolute Exklusivität. Ein echtes Statussymbol eben. © Rolls-Royce
Rolls-Royce Cullinan
Das hat natürlich seinen Preis und den können nur wenige zahlen. Wer Rolls-Royce fährt, gehört zu einem sehr exklusiven Kreis. Das zeigt sich auch bei den Neuzulassungen: Grade einmal 360 Fahrzeuge gingen 2024 an die gutbetuchte Kundschaft. © Rolls-Royce
Leapmotor T03
Platz 7 -Leapmotor (China): Ein weiterer Geheimtipp, der sich aber vermutlich nicht mehr lange auf dieser Liste finden dürfte. Denn Leapmotor gehört zum Stellantis-Konzern und greift mit dem günstigen T03 in Europa an. © Leapmotor
Leapmotor C10
Bisher sind die Zulassungszahlen aber noch sehr übersichtlich. 2024 wurde grade einmal 178 Autos bestellt. © Leapmotor
Cadillac Lyriq
Platz 5 – Cadillac (USA): Normal sind es die USA eher gewohnt, die Welt anzuführen. Oder wie Donald Trump sagen würde: America first! Im Falle von Cadillac klappt das jedoch nicht so wirklich gut. © Weigl/Cadillac
Cadillac Lyriq
2024 setzten die Amerikaner lediglich 175 Einheiten des Elektroautos Lyriq ab. Der E-SUV ist derzeit das einzige Modell das Cadillac hierzulande anbietet. © Simon Rainer/Cadillac
VinFast VF 6
Platz 5 – Vinfast (Vietnam): Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid. Das gilt auch für das Ranking der seltensten Automarken. Und so teilen sich Vinfast und Cadillac den fünften Rang. © Pond5 Images/Imago
Vinfast VF8
Denn auch Vinfast setzte im Jahr 2024 lediglich 175 Elektroautos in Deutschland ab. Das erste Auto wurde im Mai 2024 übergeben und das, obwohl man eigentlich schon 2022 auf den hiesigen Markt expandieren wollte. © Pond5 Images/Imago
Fisker Ocean
Platz 4 – Fisker (USA): Ein saubere Zukunft für alle. Das versprach Fisker. Möglich machen sollten das nachhaltige Materialien. Doch da Projekt scheiterte krachend. © Pond5 Images/Imago
Fisker Ocean
Statt sauberen Meeren gab es finanzielle Probleme. Die 134 Autos, die in Deutschland verkauft wurden, waren da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Im Sommer 2024 meldete Fisker schließlich Insolvenz an. © Pond5 Images/Imago
Maxus EUNIQ 6
Platz 3 - Maxus (China): Die Strategie mit der Maxus nach Europa kam, unterscheidet sich von den zahlreichen anderen Marken aus Fernost. Neben Elektroautos hat Maxus auch Transporter im Angebot. © Maxus
Maxus e-Delivery
Trotzdem spielt die Marke in Deutschland keine wirkliche Rolle. Lediglich 70 Fahrzeuge wurden 2024 neuzugelassen. © Maxus
Lynk & Co. 02
Platz 2 – Lynk & Co. (China): Auch Lynk & Co. geht in Deutschland mit einem ungewöhnlichen Konzept an den Start. Die Autos gibt es lediglich im Abo, aber nicht zu kaufen. © Lynk & Co.
Lynk & Co. 01
Wirklich erfolgreich ist das Konzept in Deutschland aber nicht. Grade einmal 68 Abos wurde 2024 abgeschlossen. © Lynk & Co.
Zwei Autos von Aiways
Platz 1 – Aiways (China): Noch seltener erblickt man in Deutschland nur die Autos von Aiways. Und das obwohl der Hersteller bereits seit 2020 in Deutschland aktiv ist. © Aiways
Aiways U6 SUV-Coupé
Wirklich erfolgreich war man seitdem jedoch nicht. 2024 lief für den chinesischen Hersteller aber besonders schlecht. Nur 27 Autos wurden verkauft – das sind nicht einmal zwei pro Monat.  © Aiways

Das Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Spritzgussteilen aus Kunststoff spezialisiert hat, beliefert unter anderem die Automobilindustrie und stellt Komponenten für Autoinnenräume her. Der Standort in der Altmark beschäftigt etwa 500 Mitarbeiter, und wichtige Kunden umfassen unter anderem den Volkswagen-Konzern. Trotz der Insolvenzanmeldung läuft die Produktion derzeit weiter, und die Gehälter der Mitarbeiter sind für die nächsten drei Monate durch Insolvenzgeld abgesichert.
Die Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH gehört zum polnischen Boryszew-Konzern, einem international tätigen Unternehmen in der Kunststofftechnik.

Die Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH ist einer der größten Autozulieferer Sachsen-Anhalts.

Erst in der vergangenen Woche ist ein weiterer ostdeutscher Autozulieferer in die Insolvenz gegangen.

Deutscher Weltmarktführer in der Insolvenz – kein Einzelfall in der Autobranche

Die Insolvenz dieses Unternehmens ist eine Folge der schwierigen Lage in der Autobranche und ist kein Einzelfall. Wie die Unternehmensberatung Falkensteg berichtet, hat es im letzten Quartal 2024 eine Rekordzahl an Großinsolvenzen gegeben. Insgesamt mussten 64 Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 20 Millionen Euro Insolvenz anmelden, 31 Prozent mehr als im Vorquartal und im Vorjahreszeitraum. Damals waren es jeweils 49 Unternehmen. Besonders betroffen waren Automobilzulieferer mit 13 Insolvenzen, gefolgt von Herstellern von Metallerzeugnissen und Immobilienunternehmen (elf Insolvenzen).

Rubriklistenbild: © Bernd Settnik/dpa

Kommentare