- VonBleranda Shabanischließen
Ryanair-Boss Michael O’Leary ist für seine kontroversen Äußerungen bekannt. Nun verteidigt er den strauchelnden Flugzeugbauer Boeing und äußert Kritik an dessen Konkurrenten Airbus.
Frankfurt – Der US-Flugzeugbauer Boeing kämpft seit Jahresbeginn mit Sicherheitsproblemen. Nun hat auch Großkunde und Ryanair-Chef Michael O‘Leary ein paar deutliche Worte in Richtung der Flugzeughersteller gerichtet. Die Flugzeuge seiner Firma werden von Boeing ausgestattet, bei denen in letzter Zeit öfter Mängel und technische Störungen vorzufinden waren. Das führte dazu, dass der Boeing-Chef Dave Calhoun seinen Rücktritt ankündigte.
O‘Leary setzt aber im Interview mit der Wirtschaftswoche weiter auf die Boeing-Maschinen und nimmt sie sogar in Schutz. Offenbar spielt es keine Rolle mehr, dass er in Vergangenheit mehrmals Kritik an Boeing als Firma äußerte, in der Zeitschrift Skift sogar gesagt hat: „Boeing liebt es, Corporate Bullshit zu reden“, oder sich über Lieferverzögerungen beschwerte. Denn der Boeing-737-Großkunde möchte in den kommenden zehn Jahren weitere 360 Boeing-Maschinen kaufen.
Boeing in der Krise: O‘Leary nimmt Boeing-CEO in Schutz
Dabei hat Boeing letztens für viel Aufsehen gesorgt. Nach mehreren aufeinanderfolgenden Pannen steht das Unternehmen in harter öffentlicher Kritik. Es geht so weit, dass Passagiere sich schon sorgen, überhaupt noch in eine Boeing-Maschine zu steigen. Eine amerikanische Reiseagentur betreibt sogar eine Website namens „Am I flying on a Boeing?“ („Fliege ich mit einer Boeing?“), wo man überprüfen kann, ob der gebuchte Flug in einem Flugzeug von Boeing stattfindet oder nicht.
Das hat auch Konsequenzen für die Boeing-Spitze. David Calhoun, der derzeitige CEO des Unternehmens, kam eigentlich, um nach den beiden tödlichen Abstürzen von 737-Max-Maschinen in den Jahren 2018 und 2019 aufzuräumen. Doch jetzt hat er zum Ende des Jahres seinen Rücktritt verkündet. Wer bereits jetzt geht, ist Stan Deal. Er war der Chef der Zivilflugzeugsparte und verlor erst letzte Woche seinen Posten mit sofortiger Wirkung. „Zum Glück!“, sagt der Ryanair-Geschäftsführer der Wirtschaftswoche.
O‘Leary führt weiter aus: „Stan ist ein Supertyp, ein toller Verkäufer und Servicemanager. Doch obwohl er Ingenieur ist, war er nicht der Richtige für den Job. Die Schwachstellen bei Boeing sind nicht die Forschung, die Entwicklung und das Design der Flugzeuge.“
Ryanair-Chef über Boeing-CEO: „Sie haben Boeing gerettet“
Auf die Frage, was denn das Problem von Boeing sei, beruft sich O‘Leary auf Fehler in der Endmontage. „Es ist die Fertigung. In der Endmontage von Seattle wurde geschlampt. Dort müssen die Arbeitsorganisation und die Qualitätskontrolle wieder top werden. Ebenso in der US-Fabrik von Wichita, wo die Löcher für die Verarbeitung gebohrt werden. Das Problem muss die neue Führung endlich angehen, und zwar zusammen mit den Arbeitskräften vor Ort.“ Der Prozess dafür würde bereits laufen, betont der Ryanair-Chef.
Er weist sämtliche Schuldzuweisungen, die derzeit gegenüber dem CEO David Calhoun erhoben werden, zurück. Calhoun allein sei nicht für die Probleme verantwortlich und habe in den vergangenen Jahren zusammen mit dem Finanzchef Brian West „absolut großartige“ Arbeit geleistet. „Sie haben Boeing gerettet. Doch die beiden und das ganze Unternehmen werden extrem unfair behandelt.“ Zudem wäre es O‘Leary lieber, wenn David Calhoun CEO bleiben würde.
Ryanair-Boss kritisiert Airbus
Der Boeing-Konkurrent Airbus werde dagegen in der Öffentlichkeit bei Pannen glimpflicher behandelt, kritisiert O‘Leary und schießt gegen den europäischen Flugzeughersteller. „Bei Airbus sind hunderte Flugzeuge monatelang in der Werkstatt, weil die Triebwerke Mängel aufweisen. Und fast keiner redet darüber. Aber wenn eine Boeing ein Fahrwerk oder eine Triebwerksverkleidung verliert, zeigen alle hysterisch auf Boeing, obwohl das Wartungsfehler der jeweiligen Airline waren.“
Trotzdem steht Airbus noch auf der Einkaufsliste des irischen Billigfliegers. Berichten zufolge beabsichtige Ryanair die Zahl der Airbus A320 für die Flotte von Lauda aufzustocken. Die Expansion solle dazu dienen, die Tochtergesellschaft Lauda Europe zu stärken, die auf Airbus-Flugzeuge setzt.
Ryanair selbst hat dagegen noch nie eine Maschine der Marke Airbus betrieben und sich auf die Boeing-737-Maschinen festgelegt. Mit der Aufstockung des Airbus A320 für Lauda Europe würde das Unternehmen eine radikale Veränderung vornehmen und ein deutliches Signal an die Flugzeugbetreiber senden. Denn durch die öffentliche Bekanntgabe von Ryanairs Absicht, Airbus-Flugzeuge zu erwerben, üben sie Druck auf beide Flugzeughersteller aus. So könnte sich die Airline verbesserte Konditionen und Preise sichern.