Rücktritt von Kugler

„Sehr glücklich“: Trump erhält endlich die Chance, einen mächtigen Gegner zu schlagen

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Fed-Chef Jerome Powell trotzt den Forderungen von Präsident Trump hartnäckig. Ein unerwarteter Rücktritt im Vorstand bietet Trump jetzt eine günstige Gelegenheit.

Washington – Seit langem herrscht Zoff zwischen Jerome Powell, Chef der US-Notenbank, und US-Präsident Donald Trump. Nun erhält Trump überraschend die Chance einer Neubesetzung eines Vorstandspostens in der US-Notenbank Fed. Damit kann der Präsident deren künftigen Kurs in seinem Sinne zu beeinflussen.

Trump will Zinssatz senken – Fed unter Powell weigert sich

So äußerte sich Trump über den überraschend angekündigten Rücktritt von Vorstandsmitglied Adriana Kugler vor Journalisten „sehr glücklich“, weil nun ein Platz im Zentralbankrat frei werde. Das Gremium legt den wichtigen Leitzins fest, der indirekt das Wirtschaftswachstum fördern kann. Von einer Absetzung des Fed-Chefs Powell habe er bislang wegen drohender Marktturbulenzen abgesehen, sagte Trump weiter in einem Interview.

Trump fordert seit langem vehement, den Zinssatz deutlich zu senken, damit auch die Kreditkosten sinken und Konsum und Investitionen angeregt werden. (Archivbild)

Trump fordert seit langem vehement, den Zinssatz deutlich zu senken, damit auch die Kreditkosten sinken und Konsum und Investitionen angeregt werden. Wird die US-Wirtschaft damit angekurbelt, färbt dies in der Regel auch positiv auf die Zustimmungswerte des Präsidenten ab. Allerdings setzt die Fed angesichts bestehender Inflationsrisiken infolge der radikalen Zollpolitik Trumps auf eine umsichtige Geldpolitik und zögert mit Zinssenkungen.

Fed: Uneinigigkeit bei Zinsentscheid – Trump jubelt

Dass es bislang nicht zu der von ihm erhofften Zinssenkung kam, kreidet Trump Powell persönlich an. Beim jüngsten Entscheid des Zentralbankrats am Mittwoch fiel indes auf, dass – anders als zuvor – nicht mehr alle Mitglieder eine Beibehaltung des Leitzinses in der Spanne zwischen 4,25 und 4,5 Prozent befürworteten. Zwei von elf anwesenden Vertretern – Michelle Bowman und Christopher Waller – plädierten für eine Senkung. Waller wird politische Nähe zu Trump nachgesagt, und er wird neben Finanzminister Scott Bessent als möglicher Nachfolger Powells gehandelt. 

Abweichende Stimmen gibt es im Zentralbankrat nur selten. Denkbar scheint, dass beim nächsten Entscheid weitere Mitglieder unter dem Druck des US-Präsidenten auf dessen Linie einschwenken könnten. Die Gegenstimmen würden „nur noch stärker werden“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social.

Nach Kugler-Rücktritt: Trump bezeichnet Powell als „sturen Dummkopf“

Der unerwartete Rücktritt Kuglers zum 8. August, der am Freitagnachmittag (Ortszeit) bekannt wurde, ist in dieser Hinsicht eine Chance für ihn. Denn der Präsident nominiert die – vom Senat zu bestätigenden – Vorstandsmitglieder, die wiederum den Großteil des mächtigen Zentralbankrats ausmachen. Über die Auswahl treuer Gefolgsleute kann der Chef im Weißen Haus also indirekt Einfluss nehmen. Turnusmäßig wäre Kuglers Amtszeit erst im Januar 2026 abgelaufen.

Den Fed-Chef Powell, den Trump seit Monaten öffentlich mit Schmähungen und Rücktrittsforderungen überzieht, bezeichnete der Republikaner erneut als „sturen Dummkopf“. Kugler habe gewusst, dass Powell mit Blick auf den Zinssatz das Falsche getan habe, behauptete Trump. „Er sollte ebenfalls zurücktreten!“

Weil Trump bislang nicht das bekommt, was er verlangt, hat er mehrmals mit Powells Entlassung gedroht. Die rechtlichen Hürden für einen solchen Schritt sind allerdings hoch. Ob ein US-Präsident den Chef der Notenbank überhaupt absetzen kann, ist juristisch nicht abschließend geklärt. Powells Amtszeit endet im kommenden Mai.

Wachstum in den USA im ersten Halbjahr abgeschwächt

Nach jüngsten Angaben der Fed hat sich das Wachstum in den USA im ersten Halbjahr abgeschwächt, während die Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten nach wie vor groß ist. Ersteres könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Fed im September tatsächlich erstmals seit Dezember 2024 den Leitzins wieder senken wird.

Der Leitzins legt fest, zu welchem Satz sich Banken bei der Zentralbank Geld leihen können. Zudem fällt es Regierungen bei niedrigem Zins leichter, sich zu verschulden: Laut einer Einschätzung des Haushaltsamts des US-Kongresses wird sich das Defizit durch Trumps neues Steuergesetz innerhalb der nächsten zehn Jahre um rund 3,3 Billionen US-Dollar (etwa 2,8 Billionen Euro) erhöhen. (lma/dpa)

Rubriklistenbild: © Christopher Furlong/POOL/AFP

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