- VonJonas Fehlingschließen
Die Zinsen für Tages- und Festgeld gleichen kaum noch die Inflation aus. Bei einigen Angeboten scheint das aber locker zu gehen. Viele davon haben jedoch gewaltige Haken.
Seit Sommer 2024 hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen sieben Mal gesenkt. Der Einlagenzins liegt nur noch bei 2 Prozent pro Jahr. Abgesehen von befristeten Aktionen erhalten Sie daher selbst bei guten Tagesgeldern oder auch am Geldmarkt kaum noch einen Inflationsausgleich, wie Sie an unserem Finanztip-Zinsbarometer sehen können:
Denn auch die Inflationsrate befindet sich mit 2 Prozent im Juni in diesem Bereich. Bei Aktionszinsen für Tagesgeld und beim Festgeld liegt das Zinsniveau zwar etwas höher, trotzdem gilt: Wollen Sie ein echtes Plus machen, sind solche Sparangebote viel unattraktiver als vor einem Jahr.
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Achtung vor diesen Auswegen aus dem Zins-Tal
Das ist für das Geschäft der Anbieter natürlich ein Problem. Aber die Finanzbranche ist kreativ. Uns begegnen immer wieder Produkte, die weiter mit teils hohen Zinsen locken. Und dann sollten Sie misstrauisch werden. Denn oft gibt es versteckte Kosten, zu hohe Risiken, unnötige Extra-Produkte oder sogar Betrugsgefahr.
Deshalb zeigen wir Ihnen hier vier Fallen, um die Sie besser einen Bogen machen:
1. Kombi-Angebote beim Festgeld
Bei diesen Produkten locken diverse Banken wie zum Beispiel die Deutsche Bank (4 Prozent pro Jahr für 6 Monate), Santander (bis zu 3,2 Prozent pro Jahr für sechs Monate) oder HVB (bis zu 3 Prozent pro Jahr für 3 Monate) mit teils sehr hohen Festgeldzinsen. Aber nur, wenn Sie gleichzeitig ein weiteres Produkt abschließen und zum Beispiel eine genauso hohe Summe in einen Investmentfonds stecken.
Das muss sich für Sie längst nicht immer lohnen. Denn diese Fonds können teuer sein. Die Deutsche Bank verlangt zum Beispiel Ausgabeaufschläge, die auf der Website zum Kombi-Angebot aber nicht beziffert werden. Das geschieht erst im Kundengespräch. Auf Finanztip-Nachfrage spricht die Deutsche Bank von einer Spanne zwischen 1 und 5 Prozent. Bei aktiven Fonds können außerdem hohe jährliche Verwaltungsgebühren von typischerweise 1,5 Prozent pro Jahr und mehr dazukommen – und Aktien-ETFs sind nicht im Angebot.
Das kann Ihren Zinsvorteil beim Kombi-Festgeld gegenüber einem separaten Festgeld zum Teil oder sogar mehr als auffressen.
Ein Beispiel:
Sagen wir, Sie investieren je 10.000 Euro in das sechsmonatige Festgeld mit 4 Prozent pro Jahr und in einen Fonds mit „nur“ 1 Prozent Ausgabeaufschlag, also am unteren Ende der Spanne. Das ergibt 200 Euro Festgeldzinsen. Das sind 84 Euro mehr als Sie mit 2,32 Prozent pro Jahr bei unserer Top-Empfehlung Klarna für diese Laufzeit bekommen.
Allein der Ausgabeaufschlag beim Fonds kostet Sie aber 100 Euro – mehr als den Zinsvorteil. Diese Summe können Sie komplett sparen, indem Sie die 10.000 Euro in einen passiven Aktien-ETF aus unseren Empfehlungen stecken. Der verursacht auch laufend deutlich geringere Kosten als ein aktiver Fonds.
Außerdem brauchen Sie für das Kombi-Angebot auch ein Depot bei der Deutschen Bank – für mindestens 19,99 Euro pro Jahr, falls Sie nicht unter 30 Jahre alt sind. Keine Führungsgebühren fürs Depot zahlen Sie bei unseren Preis-Leistungs-Tipps Smartbroker+ und Traders Place – sowie allen anderen Finanztip-Depotempfehlungen.
2. Riskante Einlagensicherung
Bei Banken aus dem Ausland mit in Deutschland unbekannten Namen erhalten Sie oft die höchsten Zinsen. Die spanische BBVA wirbt aktuell zum Beispiel mit stolzen 3 Prozent pro Jahr aufs Girokonto.
Und auf der Zinsplattform WeltSparen finden Sie für 24 Monate Festgeld fast 20 Treffer von Banken aus Italien, Lettland oder Portugal, ehe eine Finanztip-Empfehlung kommt.
Ganz vorne: Die italienische Banca Progetto mit 2,85 Prozent pro Jahr – eine Bank, die wegen möglicher Mafia-Kundenbeziehungen aktuell unter Zwangsverwaltung der italienischen Finanzaufsicht steht.
So gut sollte Ihr Geld abgesichert sein
Ein unbekannter Name allein macht eine Bank nicht zum Problem. Banken in diversen Ländern aber schon: Wir empfehlen Tages- und Festgeld nur, wenn Ihr Geld durch eine gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Bank nach EU-Vorgaben abgesichert ist. Das Land sollte finanziell auch top aufgestellt sein, um in einer Bankenkrise einspringen zu können. Wir empfehlen nur Länder mit Bestnoten von den Ratingagenturen. Die haben zum Beispiel Spanien, Italien, Lettland und Portugal nicht.
Übrigens: So viel schlechter sind die Zinsen bei unseren Empfehlungen auch nicht. Beim Tagesgeld gibt es aktuell zum Beispiel 2,75 Prozent pro Jahr Aktionszinsen für 6 Monate bei Comdirect. Beim Festgeld für 24 Monate sind 2,68 Prozent pro Jahr bei Klarna Festgeld+ (App) oder 2,52 Prozent pro Jahr bei Collector Bank über WeltSparen, Klarna über WeltSparen, Nordax Bank über WeltSparen drin. Da sind 0,2 oder 0,3 Prozentpunkte mehr das höhere Risiko nicht wert.
3. Betrügerische Angebote
Die gefallenen Zinsen wecken auch kriminelle Interessen: Betrügerische Websites versprechen weiter hohe Zinsen, um Sie abzuzocken. Die Seiten sehen oft täuschend echt aus. Teilweise liegen die Fake-Angebote nur knapp über den besten echten Konditionen, sodass Sie sie nicht gleich als unrealistisch abstempeln.
Aktuell warnt die Finanzaufsicht BaFin zum Beispiel vor der Website „finanzweggmbh“. Dort bieten die Betreiber laut BaFin ohne Erlaubnis unter anderem Festgeldanlagen an und gaukeln vor, eine real existierende Finanzberatung aus Chemnitz zu sein.
Sind Sie unsicher, ob ein Anbieter zugelassen ist, können Sie in der Unternehmensdatenbank der BaFin nachschlagen. Noch einfacher: Vertrauen Sie Ihr Geld nur Anbietern aus unserem Tagesgeld- und Festgeld-Vergleich an.
4. Geldmarktportfolios
Ein Geldmarkt-ETF für Ihr Depot ist eine gute und vor allem bequeme Tagesgeld-Alternative, mit der Sie immer automatisch nah am aktuellen Marktzins sind. Es gibt aber auch sogenannte Geldmarkt- oder Zinsportfolios, zum Beispiel TopZins von Ginmon, ZinsInvest von Scalable Capital, Zinsportfolio von Whitebox oder CashPlus von UnitPlus.
Bei diesen wählen Sie nicht selbst aus, in welches Produkt Sie investieren, sondern überlassen das einer Vermögensverwaltung. Das hat zwei Haken:
Erstens ist nicht immer sofort klar, in welche Produkte der Anbieter investiert – oder er passt das Portfolio im Lauf der Zeit an. So kann es passieren, dass Sie beim Abschluss noch in sichere Staatsanleihen investiert waren, irgendwann aber der Anteil von riskanteren Unternehmensanleihen steigt.
Das finden wir zu gefährlich, immerhin geht es um Ihren Sicherheitsbaustein. Scalable investiert aktuell zum Beispiel zu 70 Prozent in ETFs mit Unternehmensanleihen, auch bei Whitebox sind sie enthalten.
Zweitens kostet eine Vermögensverwaltung laufend Geld. Bei unseren vier Beispielen von oben liegen die Gebühren inklusive Fondskosten zwischen 0,4 und 0,88 Prozent pro Jahr – das ist schnell ein Viertel Ihrer Rendite oder mehr.
Einziger Vorteil: Oft sind Kauf- und Verkaufsgebühren im Preis mit drin. Mit einem günstigen Wertpapierdepot wie unseren Preis-Leistungssiegern Smartbroker+ und Traders Place geht es aber auch kostenlos.
Kombinieren Sie das mit einer unserer Geldmarkt-ETF-Empfehlungen von Xtrackers (LU0290358497, LU0335044896) oder Amundi (FR0010510800), zahlen Sie also nur die Fondskosten von jeweils 0,1 Prozent pro Jahr. Unternehmensanleihen enthalten diese Angebote nicht.
Fazit
Grundsätzlich gilt: Aktuell ist eine gute Zeit, um sich noch einmal die besten Zinsen zu sichern, zum Beispiel mit einem länger laufenden Festgeld. Denn beim nächsten Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank kommende Woche ist zwar eher mit keiner Veränderung zu rechnen. Bis Jahresende sind ein bis zwei weitere Zinssenkungen aber gut möglich, sodass die Konditionen künftig weiter eher schlechter als besser werden. Vermeiden Sie bei Ihrer Zinsjagd aber die oben genannten Produkte – und diese acht Tagesgeld-Sünden.
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Dieser Artikel liegt IPPEN.MEDIA im Zuge einer Kooperation mit Finanztip, Deutschlands führendem Geldratgeber, vor – das Original zu diesem Beitrag „4 % Zinsen bei der Deutschen Bank? Achtung bei solchen Angeboten“ stammt aus dem wöchentlichen Finanztip Newsletter vom 18. Juli 2025.
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