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Elektroautos stellen für die Feuerwehr eine besondere Herausforderung der Brandbekämpfung dar. Der Verband geht mit einem Appell an die Öffentlichkeit.
Berlin/München – Die wachsende Zahl von Elektroautos ruft Feuerwehren auf den Plan. Verschiedene Vorfälle der Vergangenheit haben gezeigt, dass die Brandgefahr bei Fahrzeugen mit E-Motor anders gelagert ist, als bei Autos mit Benzin- oder Dieselmotor. So sorgte vor wenigen Wochen der havarierte Auto-Frachter „Fremantle Highway“ für Aufruhr, weil sich an Bord eine Menge Autos – darunter auch Elektrofahrzeuge – befanden.
Ist das Brandrisiko bei Elektrofahrzeugen größer als bei Verbrennerfahrzeugen? Eine aufschlussreiche Erklärung liefert diesbezüglich Markus Egelhaaf vom Prüf- und Sicherheitsunternehmen Dekra: Nein, betont der Experte. Jedoch gebe es ihm zufolge Unterschiede bei der Brandentstehung sowie der Feuerbekämpfung. Beim Verbrenner würden die Flammen eher während des Fahrens entstehen, während ein E-Auto tendenziell eher beim Ladevorgang Feuer fange. Die Gründe hierfür können offenbar jedoch mehrere sein: unsachgemäßer Anschluss der Ladevorrichtung, eine Überhitzung der Akkus oder aber Leitungs- sowie Kontaktprobleme.
Feuergefahr bei Elektroautos: „Hersteller müssten verpflichtet werden“
Ein wichtiges Merkmal im Hinblick auf die Sicherheit stellt für die Brandbekämpfung offenbar eine fehlende Vereinheitlichung dar: In Zeiten der Produktvielfalt und verschiedener Bauweisen wäre für die Feuerwehren eine Vereinheitlichung in der Fahrzeugkonstruktion den Angaben zufolge eine große Hilfe. Sensible Elektronik-Komponenten wie die Batterie, Bordelektronik oder auch der E-Motor wären berechenbarer, wenn Einsatzkräfte bereits im Vorfeld wissen, was sie beim Brand eines E-Autos erwartet und wo sich potenziell gefährliche Bauteile befinden.
„Die Hersteller müssten verpflichtet werden, die Akkus jeweils an einer vorgegebenen, auch bei Unfällen leicht zugänglichen Stelle im Fahrzeug einzubauen“, fordert der Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), Frank Hachemer. So würde sich ihm zufolge eine Menge Zeit sparen lassen – was im Ernstfall auch die Rettung von Menschenleben bedeutet. Wie Hachemer laut Deutscher Presse-Agentur ausführt, seien die Batterien bei E-Autos teilweise im unteren Bereich platziert. Im Prinzip trifft das auf die meisten Stromer zu, jedoch ist die genaue Platzierung modellabhängig. Lithium-Ionen-Akkus machen im Hinblick auf die Gefährdung „das Besondere“ aus, erläutert Hachemer auf Nachfrage von Merkur.de.
Brennende E-Autos: Erhöhte Gefahr durch Feuer und Strom
Eine wichtige Bedeutung kommt bei brennenden Elektroautos einer serienmäßig vorhandenen Abschaltvorrichtung für Strom zu. Auf die ist jedoch nicht immer Verlass, wie das DFV-Mitglied betont: Laut Hachemer sei es insbesondere bei schweren Unfällen gefährlich, wenn Einsatzkräfte mit Rettungsgeräten Verletzte aus den E-Fahrzeugen bergen wollen, jedoch nicht wissen, ob und wo noch unter Strom stehende Fahrzeugteile vorhanden sind.
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Egelhaaf von der Dekra erklärt ebenfalls, dass die automatisierte Abschaltung der Energie in Ausnahmefällen nicht funktioniert. Das könne ihm zufolge beispielsweise der Fall sein, wenn ein Elektroauto während dem Laden angefahren wird oder während dem Fahren ohne Kollision Feuer fängt, infolge eines Kurzschlusses. In Deutschland waren laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) Anfang 2023 etwa 60,1 Millionen Kraftfahrzeuge unterwegs, wovon knapp zwei Millionen Autos (auch) von einem Elektromotor angetrieben werden. (PF)
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