Experte klärt auf

Aufgedeckt: Drei Irrtümer über Wärmepumpen: Förderung, Lautstärke und Kosten. Was Sie wissen sollten

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Wärmepumpen sind angeblich laut und energiehungrig. Das sind zumindest die gängigen Vorbehalte gegen diese Technologie. Aber stimmt das wirklich? Ein Fachmann klärt auf.

Frankfurt – Wärmepumpen sind in der Diskussion: Trotz hoher Förderung sinken die Aufträge, während die Lautstärke und die Stromkosten oft überschätzt werden. Experten klären auf und bieten Lösungen an.

Vorurteil 1: Wärmepumpen werden nicht mehr gefördert 

„Das ist Blödsinn“, sagt Peter Knuth, der mit seiner Firma Enerix unter anderem auf Wärmepumpen spezialisiert ist. „Tatsächlich gibt es eine bessere Förderung als vorher. Wärmepumpen werden schon seit einigen Jahren gefördert und die aktuelle Bundesregierung hat eine neue Wärmepumpenförderung bis Ende des Jahres verabschiedet.“ Eine typische Wärmepumpe für ein Einfamilienhaus liegt bei 25.000 bis 30.000 Euro. Die neue Förderung ist gestaffelt: Eine Grundförderung, die bei 30 Prozent liegt. Dann gibt es den Klimageschwindigkeitsbonus. „Das heißt, wenn ich meine alte Öl- oder Gasheizung, die über 20 Jahre alt ist, ausbauen lasse, und die durch eine Wärmepumpe fördern lasse, dann bekomme ich nochmal 20 Prozent zusätzlich“, erklärt Knuth.

Haushalte mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von bis zu 40.000 Euro erhalten weitere 30 Prozent. „Da muss man ehrlicherweise sagen, diese 30 Prozent bekommt nur ein kleiner Anteil der Antragsteller“, sagt Knuth. Dann gibt es noch einen Bonus von 5 Prozent, wenn man nur natürliches Kältemittel verwendet. Zusammengerechnet käme man auf über 80 Prozent Förderung, maximal wird aber 70 Prozent gefördert. Typischerweise liegt der durchschnittliche Fördersatz bei 50 bis 55 Prozent. Also zwischen 15 und 16.500 Euro Förderung für ein typisches Einfamilienhaus oder Doppelhaushälfte.

Wärmepumpen werden nicht mehr gefördert? „Das ist Blödsinn“, sagt Peter Knuth vom Solar-Franchise Enerix.

Trotz der stattlichen Förderung verzeichnen Wärmepumpenbauer einen massiven Auftragsrückgang. Für Knuth liegt das auch an der Ampel-Regierung: „Die aktuelle Bundesregierung ist nicht so beliebt mit dem, was sie tut. Alle Wärmepumpenhersteller leiden darunter, dass wesentlich weniger bestellt wurde, als angenommen. 

Vorurteil 2: Wärmepumpen sind zu laut und stören sogar die Nachbarn.

„Wenn das Verhältnis zu den Nachbarn nicht stimmt, ist eine Wärmepumpe schon zu laut, wenn sie gar nicht in Betrieb ist“, sagt Knuth. Es gibt unterschiedliche Wärmepumpentypen: Die Luft-, die Luftwasserwärmepumpe, die Erdwärmepumpe und die Grundwasserwärmepumpe. Sie funktionieren alle ungefähr gleich, nur dass sie jeweils ein anderes Medium nehmen, aus dem sie die Energie gewinnen. „Es kann doch niemand glauben, dass in Deutschland und der EU nicht alles geregelt ist. Sogar die Biegung der Banane ist genormt. Also ist auch die Lautstärke von Wärmepumpen gedeckelt“, sagt Knuth. Keine Wärmepumpe sei zu laut. Wenn sie zu laut sei, liege normalerweise ein mechanischer Defekt vor. „Das kennen Sie vielleicht früher von PCs, wenn der Lüfter zu viel Schmutz angesammelt und so eine Unwucht hatte und dadurch zu laut wurde.“ Ähnlich sei es bei einer Wärmepumpe auch.

Geregelt ist die Lautstärke in der Verordnung TA Lärm, eine Vorgabe, dass eine Wärmepumpe in der Nacht nicht lauter sein darf als 35 dB. Das ist vergleichbar mit einem leichten Regen. „Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte, sollte eine Wärmepumpe drei Meter Abstand zum Nachbargebäude haben.“ Das ist natürlich bei Reihenhäusern teilweise etwas schwierig. Wärmepumpen stehen nämlich meistens im Garten oder vor der Tür, da ist es manchmal knapp mit drei Metern. Mit dem Schallrechner auf www.wärmepumpe.de kann sich dies jedoch jeder für sein Grundstück berechnen lassen.

In Deutschland hergestellte Wärmepumpen seien besonders leise, sagt Knuth. Das liege daran, dass Wärmepumpen früher von asiatischen Herstellern als Klimaanlagen entwickelt und dann zu Wärmepumpen umgebaut wurden. „Sie hatten ursprünglich also genau die umgekehrte Funktion. Die sind etwas lauter, aber unterliegen auch immer noch der Richtlinie“, erklärt Knuth. Eine Steigerung um 8 dB entspricht jedoch bereits einer wahrgenommenen Verdopplung der Lautstärke. 

Vorurteil 3: Sind Wärmepumpen Stromfresser? 

„Ja, auf jeden Fall“, sagt Knuth. „Alles, was Wärme produziert, benötigt Energie.“ Egal ob Gas, Öl oder Strom, und das kostet Geld. Man muss sich also fragen, ob man lieber für Öl, Gas oder Strom zahlt. Die Preise lassen sich dann vergleichen. Für Wärmepumpen gibt es den sogenannten K-Wert, der über die Effizienz, also darüber, aus wie viel elektrischer Energie eine gewisse Menge an Wärmeenergie hergestellt wird. Bei der momentan meist verbauten Wärmepumpe, der Luftwasserwärmepumpe, liegt dieser Faktor bei drei bis vier. Bedeutet: aus 25 Cent pro Kilowattstunde wird das drei bis vierfache an Wärme herausgeholt. 

Die Effektivität von Öl wird mit einem Wirkungsgrad gemessen, oft liegt dieser bei 80 Prozent. Ein Liter Öl produziert 10 Kilowattstunden Wärmeenergie und kostet etwa einen Euro, dieses Jahr eher etwas mehr. Damit eine Wärmepumpe dieselbe Wärmeenergie produziert, braucht sie drei Kilowattstunden. Eine Kilowattstunde kostet 25 Cent. Demnach kostet dieselbe Wärmeenergie mit einer Wärmepumpe 75 Cent gegenüber einem Euro mit Öl. „Es stimmt, dass die Stromrechnung steigt, dafür entfallen aber die Kosten für den Öltank oder eben die Gasheizung”, sagt Knuth.

„Hinzu kommt, eine Wärmepumpe ist nahezu wartungsfrei“, sagt Knuth. Bei einer Öl- oder Gasheizung kommen immer wieder Wartungskosten dazu, die bei weitem höher sein dürften als bei einer Wärmepumpe. Zudem ließe sich der Stromverbrauch und die entsprechenden Stromkosten durch die Kombination mit einer Photovoltaikanlage senken. Diese muss nicht gleichzeitig mit einer Wärmepumpe installiert werden, sondern kann auch nachgerüstet werden. Wenn bereits eine Photovoltaikanlage besteht, kann sie mit einer neuen Wärmepumpe kombiniert werden.

Rubriklistenbild: © IMAGO / onemorepicture/Beate Knuth enerix Franchise GmbH & Co KG (Monage)

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