Solar-Hersteller in der Krise: Insolvenz trifft zwei deutsche Töchterfirmen
VonMarkus Hofstetter
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Ein Schweizer Solar-Hersteller kämpft mit finanziellen Problemen. Nun sind auch deutsche Töchter betroffen. 600 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.
Thun – Bei der Meyer Burger Technology AG haben sich in den vergangenen Tagen die Negativschlagzeilen gehäuft. Am Donnerstag teilte der Schweizer Solar-Hersteller mit, dass die sich noch im Hochlauf befindliche Solarmodulproduktion in den USA mit einer Jahreskapazität von 1,4 Gigawatt aufgrund fehlender finanzieller Mittel umgehend gestoppt wird. Die 282 Mitarbeitenden am Standort Goodyear (Arizona) erhielten Kündigungen. Die Zukunft des Standorts ist ungewiss.
Deutsche Töchter von Meyer Burger melden Insolvenz an: Sanierung war nicht erfolgreich
Am 31. Mai informierte Meyer Burger darüber, dass für die beiden deutschen Tochtergesellschaften ein Insolvenzverfahren beantragt wurde. Insgesamt sind rund 600 Mitarbeiter von der Insolvenz betroffen.
In der Solarzellenfertigung Meyer Burger Industries in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) sind 331 Personen beschäftigt. Bei Meyer Burger Germany in Hohenstein-Ernstthal (Sachsen) arbeiten bislang 289 Mitarbeitende im Maschinenbau und in der Technologieentwicklung.
Die Bemühungen um eine Sanierung zum Erhalt der deutschen Standorte seien nicht erfolgreich gewesen, heißt es in einer Mitteilung. Diese „sollen nun im Rahmen der Verfahren gemeinsam mit einem gerichtlich zu bestellenden vorläufigen Insolvenzverwalter fortgesetzt werden“. Die Schweizer Tochtergesellschaft Meyer Burger mit etwa 60 Mitarbeitenden und die US-Tochtergesellschaft sollen hingegen erhalten bleiben.
Deutsche Töchter von Meyer Burger melden Insolvenz an: An beiden Standorten gab es Kurzarbeit
Meyer Burger steht schon seit einiger Zeit unter Druck. Im September gab das Unternehmen bekannt, die weltweite Zahl der Mitarbeitenden von etwa 1050 auf voraussichtlich 850 zum Ende des Jahres 2025 zu reduzieren. Der Abbau sollte überproportional in Europa erfolgen. Allerdings ging man damals noch von einem Aufbau in den USA aus.
An beiden deutschen Standorten gab es ebenfalls seit längerer Zeit Probleme. Die Mitarbeitenden von Meyer Burger Germany in Hohenstein-Ernstthal sind seit September des vergangenen Jahres in Kurzarbeit. Laut einem Bericht des Manager Magazins war eine Kürzung der Arbeitszeit um bis zu 80 Prozent ohne finanzielle Aufstockung durch den Arbeitgeber vorgesehen.
Die Mitarbeitenden von Meyer Burger Industries in Bitterfeld-Wolfen sind seit dem 1. Mai in Kurzarbeit. Als Grund für diesen Schritt wurden vorübergehende Materialengpässe in der Produktion genannt.
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Deutsche Töchter von Meyer Burger melden Insolvenz an: Chef beklagte Dumpingpreise aus China
Laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung ist vor allem die Konkurrenz aus China für die finanzielle Misere von Meyer Burger verantwortlich. Demnach beklagte der damalige Chef Gunter Erfurt, wie auch andere in der Branche, „Dumpingpreise“. China subventioniere die eigene Industrie so stark, dass diese unter Herstellungskosten verkaufen könne.
Eigentlich hätte Meyer Burger die Geschäftszahlen für 2024 bereits zum 31. Mai vorlegen müssen. Vor dem Hintergrund der noch laufenden Finanzierungsgespräche zur Restrukturierung wurde jedoch eine Fristverlängerung beantragt.
Mitte April wurden jedoch bereits vorläufige Zahlen veröffentlicht. Demnach wurde 2024 ein Umsatz in Höhe von 69,6 Millionen Schweizer Franken erzielt, das EBITDA lag bei minus 210,4 Millionen Schweizer Franken.