Sonderweg bei der Rente fällt weg – ganzer Gruppe droht Auszahlungspause
VonVivian Werg
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Zum Jahreswechsel wird eine bisher mögliche Form der Rentenauszahlung gestrichen. Wer kein Konto hat, muss schnell handeln, sonst gibt es erstmal kein Geld.
Frankfurt – Die gesetzliche Rente ist für Millionen Menschen in Deutschland weit mehr als eine monatliche Überweisung. Sie sichert im Alter den Lebensunterhalt – oft ist sie die einzige verlässliche Einnahmequelle.
Doch nicht alle Rentnerinnen und Rentner sind im digitalen System angekommen. Einige erhalten ihre Rente nach wie vor in bar – per Scheck, einlösbar bei der Post. Was jahrzehntelang funktionierte, wird ab 2026 endgültig eingestellt.
Rente bar auszahlen? Nur noch bis Ende des Jahres
Rund 3300 der knapp 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland erhalten ihre Altersbezüge noch bar, wie das Altersvorsorgeportal ihre-vorsorge.de berichtet. Möglich ist das durch die sogenannte „Zahlungsanweisung zur Verrechnung“, vielen bekannt als Renten-Scheck.
Dieser Weg war vor allem für Menschen, ohne eigenes Bankkonto relevant – aus Altersgründen, wegen Sprachbarrieren, psychischer Erkrankungen oder Lebenslagen wie Wohnungslosigkeit. Doch damit ist bald Schluss: Zum Ende des Jahres schafft die Deutsche Rentenversicherung (DRV) diesen Service ab. Auch Rentnerinnen und Rentner im Ausland müssen sich auf neue Verfahren einstellen. Ab 2026 gibt es eine weitere Änderung, die Millionen Versicherte trifft und zu spürbaren finanziellen Einbußen führt.
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Bargeldauszahlung endet – Rente künftig nur noch per Überweisung
Hintergrund der Entscheidung sind laut steuertipps.de Änderungen im Sozialgesetzbuch VI. Ab Dezember 2025 entfällt der bisherige Rentenzuschlag nach § 307j SGB VI, stattdessen gilt eine neue Rechtslage nach § 307i SGB VI. Die Neuregelung schreibt vor, dass Rentenzahlungen künftig ausschließlich auf ein Bankkonto erfolgen.
Die Abschaffung der Barauszahlung ist zudem Teil einer umfassenden Modernisierung des Zahlungsverkehrs. „Die elektronische Überweisung gilt als sicherer, effizienter und weniger anfällig für Betrug oder Diebstahl. Zudem spart die Verwaltung Kosten und Aufwand, da Schecks und Bargeldtransaktionen aufwendig sind“, schreibt das Onlineportal buerger-geld.org. Die Umstellung diene sowohl dem Schutz der Rentnerinnen und Rentner als auch der Vereinfachung der administrativen Abläufe.
Der Rentenservice der Deutschen Post, der die Auszahlung im Auftrag der DRV übernimmt, hat die betroffenen Personen bereits schriftlich über die Einstellung der Barauszahlung informiert. Noch im laufenden Jahr sollen zwei weitere Informationsschreiben folgen.
Frühzeitige Kontoanmeldung, um Zahlungslücken zu vermeiden
Betroffene sollten sich frühzeitig um eine Kontoverbindung kümmern, um ihre monatliche Rentenzahlung weiter zu erhalten. Wer dem Rentenservice bis zum Jahresende keine Bankverbindung mitteilt, muss mit einer kurzzeitigen Unterbrechung der Rentenzahlung rechnen, bis die Überweisungsformalitäten geklärt sind. Die ausbleibenden Beträge fallen dadurch aber nicht weg, wie die DRV betont, sondern laufen auf und werden später nachgezahlt.
Wer Schwierigkeiten bei der Kontoeröffnung hat, kann ein sogenanntes Basiskonto beantragen. Jede EU-Bürgerin und jeder EU-Bürger hat darauf einen Rechtsanspruch. Dieses Konto bietet alle wichtigen Zahlungsfunktionen wie Überweisungen, Daueraufträge sowie Kartenzahlung und darf niemandem verweigert werden. Um Ärger und Verzögerungen zu vermeiden, sollten auch bei Widersprüchen gegen fehlerhafte Rentenbescheide Fristen eingehalten werden. (vw)