Nach dem Boom kommt die Flaute

Sonnenkraft-Branche in der Misere – dies sind die Gründe

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Die Sonnenkraft-Branche erlebt eine Welle von Bankrotten. Das Interesse der Verbraucher an privaten Solarstrom-Anlagen schwindet weiter. Branchenexperten nennen hierfür diverse Gründe.

Frankfurt – Die Solarindustrie befindet sich laut Experten in einer Korrekturphase. Zeichnete sich die vergangenen Jahre ein regelrechter Boom in der Nachfrage nach privaten Photovoltaikanlagen ab, bricht die Aufregung um die umweltfreundlichen Installationen weiterhin ein. Wie Daten der Bundesnetzagentur zeigen, war 2024 ein 15-prozentiger Rückgang an angemeldeten Eigenheimsolar­an­lagen zu verzeichnen, kleinere Dachsolaranlagen erlebten sogar einen Einbruch um ein Drittel ein. Was ist da nur los?

PV-Anlagen-Boom: Coronakrise und Ukrainekrieg erhöhten Interesse

Seit dem Jahr 2020 erlebte das Solargewerbe einen markanten Aufschwung. 2023 wuchs im Vorjahresvergleich die Zahl der Installationen in privaten Wohnhäusern um ganze 135 Prozent. Die Installationsbranche florierte infolgedessen: Zahlreiche Start-ups wurden gegründet. Daten der Handelsregisterdatenbank zeigen, dass sich die Neugründungen seit 2015 exponentiell gesteigert haben. Von 2020 hat sich die Zahl der Installateure dem Branchenverband zufolge auf rund 8.000 verdoppelt. Besonders in Ballungsräumen wie München, Hamburg oder Berlin wurden bis 2023 jährlich mehr als 75 neuen Betriebe gegründet. 

Der Boom wurde jedoch durch eine Schwankung auf dem Markt ausgelöst. Denn mit Ausbruch des Ukrainekriegs und der unsicheren Energielage, fühlten sich viele Verbraucher dazu ermutigt, private Anlagen auf Hausdächern oder Balkonen zu installieren. Die Angst vor einem drohenden Blackout und teure Energiepreise steigerten die Nachfrage. Außerdem haben Menschen während der Coronakrise weniger ausgegeben. Weil Urlaubsreisen und Restaurantbesuche wegfielen, steckten Menschen ihr Geld lieber in den Ausbruch von PV-Anlagen, wie Experten vermuten.

Der Preis spielte für viele Verbraucher dabei keine Rolle: An Preisaufschlägen bis zu 40 Prozent störte man sich nicht, auch vor der kostspieligen Anschaffung von Batteriespeichern schreckten die meisten Bundesbürger nicht zurück. Bis zu 5.000 Euro kosten Batteriespeicher von fünf Kilowattstunden aktuell. Insgesamt betrugen die Kosten für die Installation einer kleinen PV-Anlage mit Speicher bis zu 18.000 Euro.

Solaranlagen sind bei Verbrauchern nicht mehr beliebt.

Pleitewelle in Solarbranche: Anschaffung einer PV-Anlage nicht mehr rentabel

Doch mit der Abkühlung der Energiekrise schwächte sich auch die Nachfrage nach der autonomen Energieabsicherung ab – die Installation einer PV-Anlage rentierte sich auf kurze Sicht schlicht und ergreifend nicht mehr. Der Wettbewerb ist mit dem Abflachen der Nachfrage und dem Überangebot härter geworden, sodass viele Unternehmen sich den neuen Bedingungen auf dem Markt nicht anpassen können. Die Folge: Eine Pleitewelle erfasst die Branche. 

Besonders kleinere Unternehmen sind betroffen: Envoltec, Enersol, Wegatech und Solarmax meldeten Insolvenz an. Auch führende Playern auf dem Solarmarkt wie beispielsweise Solaranlagenvertreiber Eigensonne traf die Solar-Korrektur. Nach Angaben des PV Magazins war die Zahl der Pleiten in der Branche im dritten Quartal 2024 so hoch wie seit 2010 nicht mehr. „Der Markt hat sich in vielen Ländern gedreht“, sagt Dirk Haft, Chef des ältesten deutschen Photovoltaikinstallateurs IBC Solar der F.A.Z. So war ein Rückgang von 15 Prozent laut Angaben der Unternehmensberatung McKinsey weltweit zu beobachten.

Privater Solaranlagenausbau: Förderprogramme für Verbraucher

Wegen des Rückgangs der Nachfrage stand das versprochene Förderprogramm von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) öffentlich in der Kritik. Eine Summe von 500 Millionen Euro wurde versprochen, 300 Millionen sind jedoch geflossen. Die maximale Förderhöhe betrug 10.200 Euro. Nach einem Tag wurde dieses Programm aber gestoppt, eine Fortsetzung wurde 2024 ausgesetzt.

Förderungen gibt es für Verbraucher jedoch trotzdem noch: Die Mehrwertsteuer entfällt für den Kauf von PV-Ablagen weiter im Jahr 2025. Darüber hinaus darf Strom unbegrenzt weiter ins Netz eingespeist werden. Betreiber von privaten Solaranlagen können somit die Einspeisevergütung nach Bedarf erhöhen. Für jede Kilowattstunde werden derzeit 8,03 Cent ausgezahlt. Die Vergütungssätze verringern sich jedoch halbjährlich um einen Prozent. In den einzelnen Bundesländern werden zudem bestimmte Förderprogramme angeboten, so beispielsweise Bayern, NRW und Baden-Württemberg.

Rubriklistenbild: © LichtBlick Energy as a Service

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