VonLisa Gilzschließen
Trump bespricht mit Xi Jinping Details zum TikTok-Deal. Ein wirtschaftlicher Sieg für US-Medienunternehmen – zumindest für ein paar.
Washington D.C. – TikTok und die USA: Das wirkt wie eine dieser On-off-Beziehungen – oder doch eher wie eine Zwangs-Ehe? US-Präsident Donald Trump wollte bereits in seiner ersten Amtszeit Nägel mit Köpfen machen und durch ein TikTok-Verbot das Unternehmen ByteDance zum Verkauf der Social-Media-Plattform bewegen. Damals kam ihm ein Gerichtsurteil dazwischen. In seiner zweiten Präsidentschaft ist Trump – flankiert durch kaufwillige Medien-Mogule – nun so nah an seinem Traum eines US-amerikanischen TikToks wie noch nie.
Donald Trump und Xi Jinping im Gespräch: „Wir haben einen Deal bezüglich TikTok“
Trumps Nachfolger und jetziger Vorgänger Joe Biden hatte dem chinesischen Konzern eine Frist zum Verkauf gesetzt – sonst werde TikTok von den US-amerikanischen App-Stores ausgeschlossen. Diese Frist sollte am 19. Januar 2025 ablaufen. Immer wieder wurde die Deadline aber verschoben. Trump verlängerte die Frist nun ein viertes Mal. Mit der Aussicht, dass es auch das letzte Mal sein könnte.
„Wir haben einen Deal bezüglich TikTok“, gab der Präsident am Dienstag (16. September) auf einem Pressetermin bekannt: „Wir haben eine Gruppe sehr großer Unternehmen, die es kaufen wollen.“ Vorausgegangen war ein Treffen zwischen Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping in Madrid.
Details nannte der Präsident zunächst nicht. Allerdings war in Debatten über die Zukunft der App immer wieder über eine größere Teilhabe des US-amerikanischen Softwareutnernehmens Oracle gesprochen worden. Das Wall Street Journal berichtete, dass Oracle mit zwei weiteren Unternehmen – Silver Lake und Andreessen Horowitz – 80 Prozent des Tochterunternehmens halten könnte. 20 Prozent blieben in diesem Szenario bei ByteDance.
TikTok verlässt USA, Tochterunternehmen unter amerikanischer Führung bleibt – Sicherheitsbedenken auch
Nicht im Kauf enthalten ist: TikToks Algorithmus. Der findet schnell heraus, was eine Nutzerin oder Nutzer gerne als Inhalt sieht und passt danach an, welche Videos auf der Startseite ausgespielt werden. Um dieses Feature weiter zu nutzen, bräuchte das Tochterunternehmen eine Lizenz.
Wer die App und diesen Empfehlungsalgorithmus kauft und kontrolliert, kann auch die Wettbewerbslandschaft der amerikanischen sozialen Medien grundlegend beeinflussen. Nicht ohne Grund hatte Facebook-Gründer und Meta-CEO Mark Zuckerberg gewarnt, dass TikTok die nationale Sicherheit in den USA bedrohe. Facebook und TikTok stehen in Konkurrenz: Rund 170 Millionen Menschen nutzen in den Staaten die chinesische Social-Media Plattform. Damit liegt TikTok nur knapp hinter Instagram, das ebenfalls Meta gehört. Beide Apps finanzieren sich zum Großteil durch Werbung und mittlerweile auch über integrierte Online-Shops. Schätzungen zufolge hat TikTok 2024 allein in den USA 22 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. Geld, das durch eine Übernahme teils in die Taschen US-amerikanischer Unternehmer fließen würde.
Weitere Details sollten, so bestätigten es das Weiße Haus und die chinesische Regierung, bei einem Telefonat am Freitag besprochen werden. Am Freitagnachmittag gegen 17.30 Uhr postete Trump auf Truth Social: „Ich habe gerade ein sehr produktives Gespräch mit Präsident Xi beendet. Wir haben bei vielen sehr wichtigen Themen Fortschritte gemacht, einschließlich Handel, Fentanyl, der Notwendigkeit, den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden, und der Genehmigung des TikTok-Deals.“ Wann die Pläne für ein TikTok-Tochterunternehmen öffentlich gemacht werden, verriet er nicht. (Quellen: Eigene Recherche/Wall Street Journal/TruthSocial)
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