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Autozulieferer ZF Friedrichshafen hat einen umfassenden Stellenabbau gestartet, der laut Konzernchef Holger Klein gut vorankommt. Die harte Kritik kann er verstehen.
Friedrichshafen - Der Technologiekonzern ZF Friedrichshafen kämpft mit hohen Schulden und den vielen Herausforderungen der Automobilindustrie. Im vergangenen Jahr hat der Autozulieferer aus Friedrichshafen (Baden-Württemberg) deshalb eine Neustrukturierung angekündigt, die in Deutschland zwischen 11.000 und 14.000 Stellen kosten soll. Bei der Bilanzpressekonferenz am 20. März, bei der ZF einen massiven Umsatzverlust verkündete, gab Konzernchef Holger Klein auch ein Update zu den Sparmaßnahmen und zeigte erneut Verständnis für die massiven Sorgen der Belegschaft.
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Der drastische Stellenabbau bei ZF, der nach Möglichkeit sozialverträglich erfolgen soll, wie Holger Klein bei der Bilanzpressekonferenz erneut betonte, ist nicht der einzige Grund für die Sorgen in der Belegschaft. ZF hatte sich vor wenigen Wochen gegen einen deutschen Standort entschieden und will stattdessen im Ausland investieren, und zudem soll die Antriebssparte ausgelagert werden. „Wir setzen alles daran, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern und notwendige Stellenreduzierungen so sozialverträglich wie möglich zu gestalten“, sagte Klein.
ZF Friedrichshafen hat bereits 4.000 Stellen abgebaut - keine Erfolgsbeteiligung für die Mitarbeiter
Der Stellenabbau, der bis 2028 abgeschlossen sein soll, kommt laut dem Konzernchef gut voran. „Durch natürliche Fluktuation, Renteneintritte, das Auslaufen von Befristungen sowie das kollektive Senken der wöchentlichen Arbeitszeit haben wir in Deutschland die Personalkapazität im Umfang von rund 4.000 Stellen reduziert“, so Klein. Die Abbaupläne wurden teils hart kritisiert, was der ZF-Chef eigenen Angaben zufolge sehr ernst nimmt. „Denn sie reflektiert die berechtigten Sorgen unserer Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze und damit ihre Zukunft“, so Klein. „Daher ist uns wichtig, dass wir die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von ZF sichern und zugleich unserer Verantwortung als Arbeitgeber gerecht werden.“
| Name | ZF Friedrichshafen AG |
|---|---|
| Gründungsjahr | 1915 |
| Hauptsitz | Friedrichshafen, Baden-Württemberg |
| Branche | Automobilzulieferer, Mobilitätssysteme |
| Geschäftsbereiche | Automobilzulieferer, Antriebs- und Fahrwerktechnik, E-Mobilität, Automatisierungstechnik, Industrietechnik, Nutzfahrzeugtechnik |
| Mitarbeiterzahl | 161.600 (Stand: Ende 2024) |
| Produktionsstandorte | 168 in 32 Staaten |
| Hauptentwicklungsstandorte\t | 19 in neun Ländern |
| Umsatz | 41,4 Milliarden Euro (2024) |
| Geschäftsführung\t | Holger Klein (Vorstandsvorsitzender), Heinrich Hiesinger (Aufsichtsratsvorsitzender) |
| Anteilseigner | 93,8 Prozent Zeppelin Stiftung (Stiftungsträger ist die Stadt Friedrichshafen), 6,2 Prozent Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung |
Durch den Gewinnverlust von beinahe einer Milliarde Euro im Vergleich zum Vorjahr, von 2,4 Milliarden Euro im Jahr 2023 auf 1,5 Milliarden Euro im Jahr 2024, gibt es aber einen weiteren Rückschlag für die Mitarbeiter des Konzerns. Wie Holger Klein bei der Bilanzpressekonferenz bestätigte, wird ZF für das Geschäftsjahr 2024 keine Erfolgsbeteiligung an die Mitarbeiter zahlen. Bei den baden-württembergischen Autobauern Mercedes-Benz und Porsche wirkt sich der Umsatzeinbruch ebenfalls auf die Erfolgsbeteiligung aus; die Prämie wird bei beiden Unternehmen geringer ausfallen als im Vorjahr.
ZF-Antriebssparte soll Partner bekommen, der „unser Herz gewinnt, nicht herausreißt“
Neben dem Stellenabbau gehört zu der Neuausrichtung der ZF Friedrichshafen zum einen auch eine Neustrukturierung der einzelnen Geschäftseinheiten. „Wir wollen den großen Tanker ZF in eine starke Flotte von wendigen Schnellbooten transformieren“, erklärte Holger Klein in Bezug auf die Abspaltung mehrerer Divisionen. Die Ausgliederung der Division Passive Sicherheitstechnik hat der Konzern im September vollzogen; das Geschäftsfeld agiert als ZF Lifetec seitdem eigenständig am Markt. Für einen regelrechten Schock hatte vor wenigen Wochen aber das Gerücht gesorgt, dass die ZF ihr Kernstück, die Antriebssparte, ausgliedern und schlimmstenfalls sogar verkaufen wolle.
Inzwischen ist klar, dass die Antriebssparte – die sogenannte Division E – aus dem Konzern ausgegliedert, aber nicht verkauft werden soll. Stattdessen soll die Sparte eigenständig werden, damit sich ein Partner beteiligen kann. Diesbezüglich gibt es laut dem Konzernchef aber noch keine Entscheidung. „Wir verstehen, dass diese Überlegungen Emotionen bei den Menschen auslösen, die in der Division Elektrifizierte Antriebstechnologien arbeiten“, betonte Klein. „Uns ist wichtig: Ein möglicher Partner soll unser Herz gewinnen, nicht herausreißen.“ Auto-Experte Dudenhöffer nannte eine mögliche Abspaltung der ZF-Sparte eine „richtige Entscheidung“.
Rubriklistenbild: © Felix Kaestle/ZF Friedrichshafen

