Tabelle und Auswertung

Sparkassen mit knausrigen Zinsen: „Es geht um ökonomisches Kalkül“

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Ein defektes Logo der Sparkasse ist an der Fassade eines Gebäudes in der Innenstadt zu sehen. Bei den Zinsangeboten hinken die Sparkassen hinterher.
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Es lohnt sich für Sparer wieder, ihr Geld bei der Bank anzulegen – viele Institute locken mit guten Zinsangeboten. Die Sparkassen hinken vergleichsweise hinterher.

Frankfurt – Dank der hohen Leitzinsen im Euroraum lohnt sich das Sparen wieder – wer sich ein gutes Festgeld- oder Tagesgeldangebot gesichert hat, kann so ohne großes Zutun sein Geld vermehren. Viele Banken haben in den vergangenen Monaten ihre Angebote verbessert – nur die Sparkassen bilden eine Ausnahme. Das zeigt eine Auswertung von Tagesgeldvergleich.net.

Zinsen auf Sparangebote: Sparkassen hinken im Vergleich hinterher

Diese legt nahe, dass die Sparprodukte der Sparkassen in der Regel schlechter verzinst werden als Angebote anderer Anbieter, vor allem bei Sparbüchern und Tagesgeldern. Toni Merkel von Tagesgeldvergleich.net erklärt gegenüber IPPEN.MEDIA: „Beispielsweise liegt der durchschnittliche Maximalzinssatz aller deutschen Sparkassen bei Sparbüchern gerade einmal bei 0,76 Prozent und bei Tagesgeldern bei 1,56 Prozent.“

Auch beim Festgeld wird es nicht besser: Von 317 getesteten Sparkassen erreichen gerade einmal drei Institute einen Höchstzinssatz von 3,50 Prozent, so Merkel. „Andere bieten meist rund zwei Prozent Verzinsung an oder knacken diese Marke erst gar nicht. Damit bewegen sie sich auf dem Markt im unteren Feld gegenüber anderen Angeboten, wie zum Beispiel von Privatbanken.“

Zum Vergleich: Wie das Vergleichsportal Verivox diese Woche mitteilte, bringen Tagesgeldanlagen bei bundesweit aktiven Banken aktuell durchschnittlich 1,72 Prozent. Wer sein Geld für zwei Jahre als Festgeld anlegt, erhält bei bundesweit aktiven Banken im Schnitt aktuell 2,99 Prozent Zinsen, bei Top-Angeboten lässt sich aber immer noch mehr herausholen. Auch Verivox stellt fest: Die regionalen Kreditinstitute zahlen im Mittel deutlich weniger Zinsen.

Geschäftsmodell der Sparkassen: „Es geht um Rentabilität und ökonomisches Kalkül“

Aber warum ist das so? Laut dem Finanzexperten Merkel hat das verschiedene Gründe: „Sparkassen haben in der Vergangenheit immer wieder darauf verwiesen, dass ihr Geschäftsmodell schnelle Zinsanstiege für Spareinlagen gar nicht hergibt. Einerseits, weil in den Büchern der Sparkassen noch zahlreiche Kredite aus Zeiten sehr niedriger Zinsen vorhanden sind, was den Spielraum bei Guthabenzinsen beschränkt. Andererseits argumentieren Sparkassen auch gerne damit, dass sie die damaligen Negativ- oder Strafzinsen lange von den Kunden ferngehalten hätten.“

Kurzum: „Sie verkaufen Kunden ihr zögerliches Gebaren als Stabilitätsfaktor und setzen dabei auf die Treue der Kundschaft“, schlussfolgert Merkel. Zur Wahrheit gehöre auch: „Es geht um Rentabilität und ökonomisches Kalkül bei den Sparkassen. Je länger mit Zinsanpassungen nach oben gezögert wurde, ohne dass Kunden größere Einlagen abgezogen haben, umso besser. Das spart Kosten, füllt die eigene Kasse und verschafft Zeit.“

Was wechselwillige Kunden der Sparkassen wissen sollten

Merkel empfiehlt: „Wer sparen will und eine gute Verzinsung möchte, sollte sich eine alternative Bank suchen – zum Beispiel gibt es bei Direktbanken derzeit für Neukunden zwischen 3,00 und 4,00 Prozent Zinsen aufs Tagesgeld.“ Zudem rate er Sparern, auf den Bestandskundenzins zu achten und generell nicht mehr als drei Monatseinkommen auf einem Tagesgeldkonto zu parken.

Mit Material von AFP

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