Stellenabbau bei deutschem Maschinenbauer – rund 140 Mitarbeiter betroffen
VonNathalie Rudolph
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Putzmeister plant den Abbau von rund 140 Stellen in Deutschland. IG Metall und Betriebsrat fordern sozialverträgliche Lösungen und kritisieren die Pläne scharf.
Aichtal – Die starke Wirtschaft in Baden-Württemberg geht nicht nur auf Weltkonzerne wie Mercedes-Benz oder Bosch zurück, sondern auch mittelständische Betriebe haben einen großen Anteil daran. In Baden-Württemberg zählen zum Beispiel diese neun Unternehmen zu den prominentesten Mittelständlern. Einer davon ist die Putzmeister GmbH mit Sitz in Aichtal im Landkreis Esslingen (Baden-Württemberg). Wie nun bekannt wurde, soll es dort einen umfangreichen Stellenabbau geben.
Der Betonpumpenspezialist plant, rund 140 Stellen am Stammsitz in Aichtal abzubauen, heißt es in einer Mitteilung der IG Metall Esslingen. Weltweit arbeiten bei Putzmeister etwa 3.300 Beschäftigte. Bereits vergangenes Jahr machte das Unternehmen auf sich aufmerksam, als zwei deutsche Standorte geschlossen werden sollten. Davon betroffen waren mehr als 280 Mitarbeiter.
Putzmeister plant umfangreichen Stellenabbau – Grund ist das veränderte Marktumfeld
Die Putzmeister-Gruppe ist ein international tätiger Hersteller von Industriepumpen und Mörtelmaschinen. Gegründet wurde das Unternehmen im Jahr 1958 von Karl Schlecht in Bernhausen, heute ein Teil von Filderstadt. Seit 2012 gehört der Maschinenbauer zum chinesischen Sany-Konzern. Bis 2005 war Putzmeister nach Umsatz und Mitarbeiterzahl sogar das größte Unternehmen in seiner Branche auf der ganzen Welt.
Putzmeister begründet den Stellenabbau mit einem veränderten Marktumfeld. „Wir sehen bereits seit längerer Zeit, dass der europäische Markt schwächelt und unsere globalen Kernmärkte sich dauerhaft rückläufig entwickeln“, erklärt ein Sprecher des Unternehmens gegenüber der Esslinger Zeitung. Deswegen überprüfe Putzmeister Strukturen und Prozesse, um das Unternehmen effizienter und zukunftsfähiger aufzustellen. Es gehe vor allem um die globale Wettbewerbsfähigkeit.
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Die aktuellen Pläne haben im Betriebsrat und bei der Gewerkschaft IG Metall für große Unruhe gesorgt. „Das Management hat uns am Freitag über die geplanten Maßnahmen informiert – ohne belastbare Zukunftsperspektive für den Standort Aichtal“, so Betriebsratsvorsitzender Jörg Löffler. Die Arbeitnehmervertretung sieht in den Plänen vor allem eines: Die Last der Einsparungen wird auf die Beschäftigten abgewälzt. „Das ist ein Spiel mit Existenzen“, sagt Alessandro Lieb, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Esslingen. „Wer Standorte schließt und Arbeitsplätze vernichtet, ohne echte Alternativen aufzuzeigen, handelt nicht unternehmerisch – sondern verantwortungslos.“
Die IG Metall und der Betriebsrat wollen Gespräche mit den Mitarbeitern führen, um mögliche Gegenstrategien zu entwickeln. „Wenn es zu Verhandlungen kommt, dann nur auf Basis von Transparenz und echter Lösungsorientierung. Wir lassen uns nicht erneut auf einseitige Vorgaben ein – wie im vergangenen Jahr bei der Einigungsstelle“, so Lieb von der IG Metall.
Name
Putzmeister Holding GmbH
Gründung
1958
Sitz
Aichtal, Kreis Esslingen, Baden-Württemberg
Branche
Maschinenbau
Mitarbeiter
rund 3.370
Die Geschäftsleitung betont, den Abbau so „sozialverträglich wie möglich“ zu gestalten. Gemeinsam mit dem Betriebsrat und der IG Metall sollen tragfähige Lösungen für die betroffenen Beschäftigten gesucht werden. Die IG Metall kündigte an, sich für die Interessen der Beschäftigten einzusetzen. In den kommenden Wochen werden intensive Verhandlungen erwartet, um die Auswirkungen möglichst gering zu halten.