Smart Meter Rollout

Diese Ökostromanbieter wollen Verbraucher ab 2025 mit grünem Strom versorgen – mit einer gemeinsamen Aktion

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Um die Energiewende voranzubringen, sollen sogenannte Smart Meter in allen deutschen Haushalten verbaut werden. Um bei der Skalierung zu helfen haben sich vier Konkurrenten zusammengetan.

Berlin – Deutschland stellt sich nach und nach auf erneuerbaren Strom um. Im Jahr 2023 bestand 53 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland aus erneuerbaren Energien, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag (7. März) mitteilt. Das sind gute Nachrichten, wenn es darum geht, unsere Klimaziele zu erreichen. Doch es reicht nicht nur, dass der Strom erneuerbar wird – aufgrund der Tatsache, dass immer mehr Strom insgesamt benötigt wird, muss sich auch die Art und Weise, wie er eingesetzt wird, verändern.

Dazu gibt es einen ganz wichtigen Hebel: der Smart Meter, also der intelligente Stromzähler. Unter Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), ist ein Gesetz verabschiedet worden, dass den Einbau dieser Systeme beschleunigen soll. Ab 2025 müssen Großstromverbraucher (ab 6000 kWh/Jahr) Smart Meter nach und nach einbauen, aber auch normale Haushalte dürfen ein solches Messsystem erhalten, wenn sie das vom Messstellenbetreiber (in der Regel Stadtwerke) anfordern. Also: Verbraucher haben ein Recht auf diese neuen Systeme, die auch kostenseitig gedeckelt werden. Bis 2032 sollen die Smart Meter flächendeckend in deutschen Haushalten und Unternehmen zum Einsatz kommen. 

Dynamische Stromtarife drücken Stromkosten für Verbraucher

Warum sollten Verbraucher diese Smart Meter aber überhaupt wollen? Nun ja, schlicht und ergreifend, weil diese intelligenten Messsysteme dazu beitragen können, den eigenen Stromverbrauch zu reduzieren und so anzupassen, dass man Strom zu besonders günstigen Zeiten bekommt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn viel erneuerbarer Strom erzeugt wird. Dazu sollen ab 2025 auch sogenannte dynamische Stromtarife dienen, die laut der Denkfabrik Agora Energiewende die Stromkosten von privaten Haushalten um bis zu 600 Euro im Jahr drücken können.

Ein weiterer Vorteil der Smart Meter: Dadurch, dass ein intelligentes System den Stromverbrauch quasi minütlich abgleicht mit der Lage am gesamten Strommarkt, kann das Stromnetz insgesamt entlastet werden. In Peak-Zeiten, wenn sehr viel Strom verbraucht wird und das Netz an die Überleistungsgrenze kommt, können Smart Meter automatisch im Haushalt steuern, was wann verbraucht wird. Das wird für den Verbraucher dann auch günstiger – denn in Peak-Zeiten ist der Strom auch besonders teuer, es gibt also finanzielle Anreize, den Stromverbrauch zu flexibilisieren.

Ein weiterer Effekt: Durch diese Flexibilisierung des Stromverbrauchs müsste auch seltener auf Stromerzeugung durch Wasserstoffkraftwerke oder andere erneuerbare Gaskraftwerke gesetzt werden. Auch das wird Kunden und Kundinnen finanziell entlasten, da diese Form der Stromerzeugung als recht teuer eingeschätzt wird.

Vier Ökostromanbieter tun sich mit neuer Initiative zusammen

In Deutschland ist das also das Bild der erneuerbaren Zukunft. Dreh- und Angelpunkt ist aber der Smart Meter, das möglichst schnell und effizient überall verbaut werden sollte. Die Messstellenbetreiber sollen diese Aufgabe übernehmen – doch ob sie das bei einem plötzlich steigenden Andrang schaffen, ist nicht sicher.

Darum haben sich Anfang des Jahres drei Ökostromanbieter zusammengetan und eine Smart-Meter-Initiative gegründet. Die Stromanbieter Octopus Energy, Tibber und Rabot Charge sind eigentlich Konkurrenten – wollen aber in dieser Sache gemeinsam arbeiten. Wie Ippen.Media nun exklusiv erfahren hat, kommt jetzt sogar noch ein vierter Player hinzu: das Berliner Unternehmen Ostrom hat sich dem Bündnis angeschlossen. Aufseiten der Messstellenbetreiber sind die Unternehmen BW und EWE NETZ, N-ERGIE Netz aus Nürnberg, TEN Thüringer Energienetze und die Mainzer Netze bei der Initiative dabei oder zumindest an „fortgeschrittenen Gesprächen“ beteiligt.

„Über diesen Zuspruch freuen wir uns natürlich sehr“, sagt eine Pressesprecherin von Tibber Deutschland auf Anfrage. „Parallel lancieren wir aber auch noch weitere Gespräche. Gerade entwickeln wir gemeinsame Ideen für eine Standardisierung von Prozessen mit insgesamt zehn der 15 größten grundzuständigen Messstellenbetreibern.“

Die vier CEOs der Ökostrom-Player Ostrom, Tibber, Octopus Energy und Rabot Charge

„Mit dem Inkrafttreten des ‚Gesetzes zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende‘ haben ab 2025 alle deutschen Haushalte das Recht auf den Einbau eines Smart Meters. Um die erwartete Nachfrage bedienen zu können, will die Smart-Meter-Initiative gemeinsam mit den für den Einbau zuständigen Messstellenbetreibern nun frühzeitig einen effizienten und wirtschaftlichen Prozess für den Rollout entwickeln“, heißt es in einer Mitteilung von Octopus Energy, einem der Initiatoren der Aktion.

Interesse an Smart Meter nimmt langsam zu

Natürlich verfolgen die vier Ökostromanbieter auch noch eigenen Interessen: Alle vier bieten schon jetzt dynamische Stromtarife an, die aber nur durch den Einsatz von Smart Metern gebucht werden können. Um die Zahl der potenziellen Kunden also auszuweiten, brauchen sie einen zügigen Smart-Meter-Rollout.

Doch damit werden sie nicht mehr lange alleine sein. Ab kommendem Jahr müssen alle Stromanbieter in Deutschland mindestens einen dynamischen Tarif anbieten. Und dem Vernehmen nach wächst auch das Interesse bei Verbrauchern: „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir keine konkreten Zahlen nennen. Erfreulicherweise dürfen wir aber mitteilen, dass EWE Netz bereits eine vierstellige Zahl an Anfragen entgegengenommen hat und in ihren Rollout-Plan integriert“, so Tibber auf Anfrage.

Rubriklistenbild: © Octopus Energy

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