Wiederkehrende Dunkelflaute

Strompreis-Irrsinn in Deutschland „alle paar Wochen“? Wieso E-Autos in den Fokus rücken

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Die deutsche Wirtschaft hat unter den jüngsten Strompreisrekorden gelitten. Experten sagen ähnliche Preisspitzen „alle paar Wochen“ voraus. Könnten Besitzer von Elektroautos dazu beitragen, die hohen Strompreise abzufedern?

Berlin – Gute Neuigkeiten für Deutschland: Der Wind ist zurückgekehrt, die Erneuerbaren Energien produzieren wieder Energie, die Dunkelflaute ist überstanden. Die Rekordpreise von letzter Woche am Strommarkt, als eine Megawattstunde zwischenzeitlich 936 Euro kostete, haben sich in der Zwischenzeit wieder beruhigt. Entwarnung kann trotzdem nicht gegeben werden, denn geht es nach Experten, werden solche Preisaussetzer immer wieder auftreten. Wieso auch E-Auto-Fahrer hier in den Fokus der Fachleute geraten.

Massiver Strompreis-Irrsinn „alle paar Wochen“: Markante Preisausschläge werden Normalität

Verbraucher mit dynamischen Stromtarifen litten in der letzten Woche besonders unter der sogenannten Dunkelflaute in Deutschland. So wird jene Zeit genannt, in der erneuerbare Energien wie Photovoltaikanlagen und Windräder keinen Strom produzieren, da es dunkel und windstill ist. Die Konsequenz: Zur Überbrückung mussten unsauberere Kohlekraftwerke auf Hochtouren arbeiten und die Strompreise kletterten rasant in die Höhe. Die extremen Börsenstrompreise betrafen auch die Industrie. Zum Teil wurde mit Produktionsstopps reagiert. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck meldete sich ebenfalls zu Wort und beschwichtigte. – in Phasen mit wenig Sonne und Wind sei dies unvermeidbar.

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass in den nächsten Wochen ähnlich markante Preisausschläge auftreten“, nahm die Bundesnetzagentur in einer Aussendung zu den Strompreisen Stellung. „Die Ursache hoher Börsenstrompreise in Deutschland sind typischerweise eine hohe Verbrauchsprognose bei geringer erneuerbarer Erzeugungsprognose“. Auch der Berliner Energieökonom Lion Hirth bestätigte dies gegenüber der FAZ. „Es ist gut vorstellbar, dass es jetzt alle paar Wochen zu einer solchen Situation kommt.“

Denn schon Anfang November kletterten die Strompreise in die Höhe, als es zu einer Dunkelflaute in Deutschland gekommen war. Der Chef des Energieversorgers RWE kritisierte damals, dass Deutschland ein Backup-Plan fehle, um die Gasversorgung in Deutschland auch während der Wintermonate neben den erneuerbaren Energien sicherzustellen. Die Speicher seien zwar voll, meinte auch ein Sprecher des Verbandes Zukunft Gas, das könne sich jedoch schnell ändern, wenn eisige Temperaturen die Heiznachfrage steigern und es zu einer Dunkelflaute kommt. Dann nämlich kommt es zu einer verstärkten Nutzung von Gas für die Stromproduktion. Hirth dazu: „Wenn es richtig kalt ist und mehr elektrischer Heizbedarf dazukommt, kann es auch noch deutlich enger werden.“

Wie E-Auto-Besitzer Strompreise beeinflussen könnten – „Aus Systemsicht reiner Wahnsinn“

Laut dem Fachmann könnten E-Auto-Besitzer dazu beitragen, Stromzeitspitzen abzufangen. „Ihr Potential zur Lastverschiebung ist – theoretisch – enorm. Wenn wir ein ordentliches System mit dynamischen Stromtarifen, dynamischen Netzentgelten und Smart Metern hätten, würde bei einem Strompreis von 1000 Euro praktisch kein Elektroauto in Deutschland laden, sondern bis in die Nacht hinein warten oder schon mal mittags oder am Vortag laden.“ Hirth kritisiert: „Individuell kann man sagen: Warum auch nicht? Aber aus Systemsicht ist es natürlich der reine Wahnsinn.“ Die Einführung intelligenter Messgeräte, die Smart Meter, habe Deutschland allerdings verschlafen.

Zurzeit sind die Fahrstrompreise für E-Auto-Besitzer an der Ladesäule so hoch wie nie, die Tarife zudem sehr intransparent, berichtet das Handelsblatt. Die aktuelle Situation an öffentlichen Ladesäulen ist durch Probleme beim Roaming geprägt. E-Mobilitätsanbieter (EMP) hatten durch Roaming-Verträge ein breites Ladenetz aufgebaut, mussten jedoch oft die Differenz zwischen ihrem Kundenpreis und den hohen Preisen der Ladesäulenbetreiber selbst tragen. Manche Betreiber nutzten dies aus und forderten Höchstpreise. Inzwischen geben viele Anbieter diese Kosten direkt an die Kunden weiter, was das Laden an Fremdsäulen teurer und dementsprechend auch unattraktiv macht. Oft ist zudem der kWh-Preis unklar, was zu unangenehmen Überraschungen führen kann.

Rubriklistenbild: © Dreamstime/Imago

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