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Die Zukunftsaussichten für Russlands Wirtschaft bleiben düster. Die Zentralbank des Landes warnt vor einer Zukunft, die von großen Herausforderungen geprägt sein wird.
Moskau – Déjà-vu für Russlands Wirtschaft? Die derzeitigen Herausforderungen könnten dazu führen, dass es künftig noch kritischer für Wladimir Putin werden könnte. Fachkräftemangel, nachlassendes Wachstum und Folgen der Sanktionen gegen Russlands Wirtschaft sind nur einige der Probleme, die Putin in den Griff bekommen muss. Die russische Zentralbank hat mehrere Szenarien skizziert und mögliche Folgen für Russlands Wirtschaft ausgeführt. Bei einem Szenario dürften Putins Alarmglocken nur so schrillen.
Düstere Bilanz für Russlands Wirtschaft – Zentralbank skizziert verschiedene Szenarien
Die russische Zentralbank rechnet grundsätzlich damit, dass das Wachstum der „überhitzten“ Wirtschaft im nächsten Jahr stark abschwächen wird. Zudem prognostiziert die Zentralbank laut der Financial Times höhere Zinssätze, die bis 2027 deutlich über dem Vorkriegsniveau liegen könnten. Die russische Zentralbank musste angesichts der hartnäckigen Inflation die Zinssätze bereits auf 18 Prozent anheben, zuvor lag der Leitzins für mehrere Monate unangetastet bei 16 Prozent.
Das größte Problem dürfte der Fachkräftemangel in Russland darstellen. Insbesondere im Militär und in der Rüstungsindustrie ist die Notlage bedenklich. Putin hatte deshalb schon versucht, durch höhere Gehälter mehr Russen für den Einsatz im Ukraine-Krieg zu bewegen. Doch auch viele andere Branchen der russischen Wirtschaft beklagen Personalmangel – zu nennen sind laut der Zentralbank das verarbeitende Gewerbe, der Handel und die Landwirtschaft.
Russlands Wirtschaft kämpft mit Sanktionen und Fachkräftemangel
In Kombination mit den Sanktionen könnte dies die Produktivität der russischen Wirtschaft stark beeinträchtigen, so die Zentralbank Russlands. Die Produktionskapazitäten und Arbeitsressourcen des Landes seien mit einer Auslastung von nahezu 80 Prozent bereits fast vollständig ausgeschöpft, hieß es in dem Bericht der Zentralbank, aus dem die Financial Times zitiert. Auch der Vize-Gouverneur der Zentralbank, Alexej Zaboktin, äußerte Bedenken. „Die verfügbaren Produktionskapazitäten sind erschöpft“, sagte er jüngst vor Reportern.
„Das Expansionstempo wird durch Sanktionsschranken und durch physische Beschränkungen der Produktionsmittel gebremst. Auch dafür braucht die Wirtschaft zusätzliche Arbeitskräfte“, sagte er und fügte hinzu, dass sich der Arbeitskräftemangel „erheblich verschärft“ habe.
Zukunft von Russlands Wirtschaft: In einem Szenario gibt es Parallelen zur Weltfinanzkrise 2007 bis 2008
Im schlimmsten Szenario geht die Zentralbank von einer „globalen Krise“ aus. In diesem Fall werden die Probleme der russischen Wirtschaft durch eine schwerwiegende Verschlechterung internationaler Umstände verschärft: ein Ungleichgewicht auf den Finanzmärkten, das zu einer weltweiten Finanzkrise führt und eine Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China.
Sollte dieses Szenario eintreten, wäre dies mit der Finanzkrise von 2007 bis 2008 vergleichbar und auch Russlands Wirtschaft würde darunter leiden. Diese Bedingungen würden die Nachfrage nach russischen Produkten aufgrund der globalen Probleme sinken, was der russischen Wirtschaft erheblich schaden würde. Zugleich würde aufgrund der globalen Finanzkrise die Wachstumsrate der russischen Wirtschaft sinken und die Inflation könnte auf bis zu 15 Prozent steigen. Die Zentralbank werde dann gezwungen sein, den Zinssatz deutlich zu erhöhen. Auch mit schärferen Sanktionen wäre zu rechnen. Nochmal: Es ist wichtig zu betonen, dass es sich um Theorien handelt – es heißt nicht, dass dies so eintreten muss.
Auch positive Perspektiven für Russlands Wirtschaft?
Die Zentralbank bringt in anderen Szenarien auch positive Perspektiven ein. So dienen eine niedrige Inflation, eine erhebliche Steigerung der Investitionen und ein steigendes Produktivitätswachstum als Ausgangslage. In diesem optimistischen Szenario würde die Inflation schneller sinken als im Basisszenario, das Wirtschaftspotenzial würde zunehmen und das BIP würde steigen. Angesichts der derzeitigen Wirtschaftspolitik des Kremls und der bestehenden Probleme seien die Chancen für das Eintreten dieses Szenarios jedoch nicht sehr groß, mutmaßt das russische unabhängige Online-Medium The Bell. (bohy)
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