Stadtverkehr

München: Studie mit erstaunlicher Erkenntnis über Autos und Mobilität

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Der Autoverkehr in Städten wie München strapaziert oftmals Nerven und kostet viel Zeit. Eine Mobilitätsstudie kommt zu einem Resultat, das vielen nicht gefallen dürfte.

München – München und der Autoverkehr, das kann man als Hassliebe bezeichnen: Zum einen hat das motorisierte Fortbewegungsmittel bei vielen Menschen einen besonderen Platz im Herzen. Auf der anderen Seite ist das Vorankommen zuweilen zeitraubend und strapaziert die Nerven. Mit dem Bevölkerungszuwachs in der starken Wirtschaftsregion wächst auch die Anzahl der Autos auf den Münchner Straßen. Nicht nur für Nutzer alternativer Mobilitätsformen wie Fahrradfahrer oder Fußgänger kann dies zur Belastungsprobe werden, das trifft auch auf Autofahrer und Autofahrerinnen zu: Verstopfte Straßen und eine ausgiebige Parkplatzsuche gehört oftmals zum Alltag.

Autos verstopfen den Verkehr in München - Viele bräuchten es gar nicht

Eine Untersuchung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) kommt zu einer These, die bei vielen Menschen für Unmut sorgen könnte: Ein großer Teil benötigt eigentlich kein Auto, trägt aber dennoch unentwegt zu überfüllten Münchner Straßen bei. Die Studie wurde im Jahr 2020 erhoben, bevor die Corona-Pandemie den Straßenverkehr für längere Zeit drastisch reduzieren sollte. Dabei wurde vom KIT in Zusammenarbeit mit BMW in ähnlichen Studien auch der Verkehr in Metropolen wie Berlin, San Francisco (USA) und Shanghai (China) unter die Lupe genommen.

Die Forscher analysierten das Mobilitätsverhalten der Münchner, anhand eines „Mobilitätsskeletts“: Es zeigt, wie komplex die Münchner sich bewegen, welche Bedürfnisse hierbei eine Rolle spielen und ob es sich um beruflichen Pendelverkehr, Privatleben oder eine Autobenutzung über größere Entfernung handelt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das Auto von den Münchnern längst nicht immer unter rationalen Gesichtspunkten verwendet wird.

Stau im Berufsverkehr: ein allzu bekanntes Bild für viele Autofahrer in München.

München: Eine Gruppe von Autofahrern würde von weniger Verkehr profitieren

Die Auswertung der Daten und Antworten liefert Anhaltspunkte, wie stark die Besitzer eines Autos tatsächlich darauf angewiesen sind. Daraus geht hervor, dass etwa ein Drittel der Personen das Auto eigentlich nicht benötigt. Andersrum ist die Zahl derweil ähnlich: Richtig überzeugte Autonutzer bilden mit rund 27 Prozent ebenfalls fast ein Drittel ab - also jene Menschen, die das Auto im Alltag oftmals und gerne nutzen. Es bedarf keiner großen Fantasie, um zu vermuten, dass hier auch die zahlreichen Markenfans von klassischen Herstellern wie BMW inkludiert sind. 

So ist es auch diese Personengruppe, die am ehesten von weniger belasteten Verkehrswegen profitieren würde, wenn das Auto generell nur dann genutzt wird, wenn man es wirklich braucht. Frank Hansen, bei der BMW Group für nachhaltige Mobilität zuständig, wird von der Abendzeitung zitiert: „Das eigene Fahrzeug bleibt ein unverzichtbarer Teil der Mobilität für viele Menschen, es geht aber auch darum, die unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse der Menschen in einer lebenswerten Stadt zu verstehen und diese zu erfüllen.“

Ein Sprecher des Karlsruher Instituts erklärt gegenüber IPPEN.MEDIA, dass das Verkehrsverhalten der Münchner auch nach der Pandemie wieder ähnlich 2020 ist. Inwiefern sich berufliche Pendelfahrten durch zunehmende Homeoffice-Aktivitäten in München verändert haben, ist unklar. Der Sprecher erklärt uns, dass es folgend dem bundesweiten Trend wohl auch in München ungebrochen „immer mehr Autos“ werden und speziell ältere Gebrauchtwagen lange auf dem Markt bleiben. 

Mobilität: Autofahren bei Münchnern beliebter als in anderen Städten

Tatsächlich machten die Forscher des KIT-Instituts in München jedoch eine Beobachtung, die sich von anderen großen Städten unterscheidet: Wohl aufgrund des hohen Freizeitwertes des Umlands von München stellt für viele Personen das Auto einen Gegenstand speziell für die Nutzung in der Freizeit, am Wochenende oder gar nur in den Ferien dar. Dadurch stehen diese Fahrzeuge vielfach für längere Zeiträume im öffentlichen Raum, ohne genutzt zu werden. Das Resultat: Der knappe Straßenraum wird zwangsläufig anderen Nutzungen entzogen. Es gibt in der größten bayerischen Stadt eine relativ wohlhabende Bevölkerung, viele Menschen würden somit nicht auf das Auto verzichten wollen. „In Metropolen wie Berlin oder Schanghai ist der Pkw-Bestand niedriger und weniger ausgeprägt“, erläutert der Experte.

Tschüss Auto-Zwerge: Zehn kleine Fahrzeuge, die aus Städten verschwinden

Ein Ford Ka
Ford Ka: Mit dem Ka versuchte sich Ford ab dem Jahr 1996 in der Klasse der Kleinstwagen. 2009 kam in Deutschland die zweite Generation auf den Markt – und die war gleichzeitig auch die letzte. Im April 2016 endete die Produktion. © Ford
Ein Audi A1
Audi A1: Die zweite Generation des Audi A1 kam deutlich bulliger daher als die erste, die ab dem Jahr 2010 auf Kundenfang ging – dennoch zogen die Ingolstädter inzwischen einen Schlussstrich. Der Kleinwagen soll wie der Q2 keinen Nachfolger mehr bekommen und läuft voraussichtlich im Jahr 2025 aus. © Audi
Ein BMW i3
BMW i3: Den BMW i3 gab es in zwei Varianten: Als reines Elektroauto und in einer Version mit Range Extender. Auch für den Münchner Kleinwagen, bei dem viel teures Carbon zum Einsatz kam, blieb es bei einer Generation: Im Sommer 2022 wurde die Produktion eingestellt. © BMW
Ein Citroën C1
Citroën C1: Im Jahr 2005 kam die erste Generation des Citroën C1 auf den Markt, die baugleich mit dem Toyota Aygo und dem Peugeot 107 war. Der Nachfolger des Kleinstwagens startete 2014 – doch wie für so viele andere Kleine war ebenfalls im Jahr 2022 Schluss. © Citroën
Ein Opel Karl
Opel Karl: Benannt nach Carl von Opel (einem Sohn des Firmengründers Adam Opel), war der Kleinstwagen vor allem durch seinen günstigen Basispreis von rund 9.500 Euro zum Marktstart 2015 attraktiv. Erhältlich war der Karl lediglich mit einem 75 PS starken 1,0-Liter-Dreizylinder. Doch auch für ihn war schon 2019 wieder Schluss: Ein Grund dafür waren angeblich die immer strenger werdenden Abgasvorschriften. © Opel
Ein Suzuki Celerio
Suzuki Celerio: Dem Suzuki Celerio war in Deutschland nur eine kurze Karriere gegönnt: Ab 2014 war der Kleinstwagen hierzulande erhältlich. Bereits fünf Jahre später war Feierabend: Die Japaner nahmen den Kleinen in der Bundesrepublik vom Markt. In asiatischen und afrikanischen Märkten ist der Celerio jedoch weiterhin erhältlich. © Suzuki
Ein Smart Fortwo
Smart Fortwo: Als praktisches Stadtauto fuhr sich der Smart Fortwo ab dem Jahr 1998 in die Herzen vieler Autobesitzer. Inzwischen ist die dritte Generation des Zweitürers auf dem Markt – doch 2024 soll die Produktion eingestellt werden. Einen Smart wird es aber weiterhin geben: Der #1 wird ist ein viertüriges Elektro-SUV, das in China gebaut wird. © Smart
EIn Peugeot 108
Peugeot 108: Das Schwestermodell des Toyota Aygo und des Citroën C1 ging im Jahr 2014 an den Start. Es blieb bei nur einer Generation: Im Jahr 2022 lief die Produktion des Kleinstwagens in Tschechien aus.  © Peugeot
Ein Ford Fiesta
Ford Fiesta: Der Ford Fiesta bewegte ganze Generationen von Fahranfängern – im Jahr 1976 kam er erstmals auf den Markt. Inzwischen rollt die achte Generation des Kleinwagens vom Band, doch es wird die Letzte sein: Im Sommer 2023 wird die Produktion des Ford Fiesta eingestellt. © Ford
Ein Opel Adam
Opel Adam: Der Zwerg aus Rüsselsheim war durchaus beliebt bei den Kunden – trotzdem war im Jahr 2019 für den Adam (benannt nach dem Firmengründer Adam Opel) Schluss. Grund war angeblich der Wechsel der Marke Opel von GM in den heutigen Stellantis-Konzern. © Opel

Wie sensibel das Thema Autos in Städten wie München ist, zeigt derweil eine vorzeitig abgebrochene Initiative: Die Umwandlung von Fahrbahnflächen in Grünstreifen und Fußwege in zwei Straßen der bayerischen Landeshauptstadt endet nach einem Vergleich vor Gericht frühzeitig. München werde die betroffenen Verkehrswege bis 25. Oktober „wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzen“, so ein Sprecher des Verwaltungsgerichts.

Ursprünglich hätte das sogenannte „Sommerstraßen“-Projekt (seit Mitte Juni) laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) noch bis 31. Oktober laufen sollen. Jedoch hatten offenbar mehrere Anwohner gegen den vorübergehenden Umbau zweier Straßen zur Verkehrsberuhigung geklagt. (PF)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

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