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Tesla glänzte einst mehr als heute. Die Marke ringt mit Imageverlusten und rückläufigen Zahlen. Ein Gutachten belegt ernsthafte Defizite bei der Einparkhilfe.
Berlin – Nach seinem Bruch mit US-Präsident Donald Trump nahm sich Tesla-Chef Elon Musk vor, sich mehr der Automarke zu widmen. Das wird nach den Imageverlusten und Rückgängen auch bitter nötig sein. Beim Einparken setzt der Tesla-Chef auf Kameras: Das Assistenzsystem Tesla Vision zeigt allerdings gravierende Schwächen beim Einparken auf, wie aus einem Gutachten hervorgeht.
Tesla in der Kritik: Einparkhilfe laut Gutachten fehleranfällig
Offenbar gibt es Anzeichen, wie sehr die Einparkhilfe schwächelt. Verschiedenen Prüfern zufolge ist Tesla Vision wesentlich fehleranfälliger als Konkurrenzprodukte. Im Vergleich mit Massenmarken wie Peugeot oder Škoda liegt Tesla ziemlich weit zurück. „Das Konzept von Tesla, nur auf Kameras zu setzen, ist eine tickende Zeitbombe im Straßenverkehr“, sagte Christoph Lindner, Anwalt von Tesla-Besitzern, dem Spiegel.
Die Teslas mit Kamerasystemen, die die Gutachter in Deutschland untersuchten, hatten Probleme teilweise Kartons oder Fahrradträger zu erkennen. Laut dem Spiegel tauchten Warnungen vor Gefahren auf und verschwanden willkürlich wieder. Gegenstände wurden von der Kamera als undefinierbare Wolke angezeigt und verschwanden oder wurden überhaupt nicht erkannt: sogar ein frontal vor dem Auto sitzendes Kind.
Zum Vergleich: Der Peugeot habe stets zuverlässigere Ergebnisse geliefert, Teslas Einparkhilfe dagegen sei „als nicht ausreichend funktionstüchtig zu beurteilen“, schreibt der Gutachter. In dem Fall wurde ein nur mit Kameras ausgestattetes Tesla Model 3 mit demselben Modell des US-Herstellers verglichen, das auch mit Ultraschallsensoren ausgestattet ist.
Tesla kämpft mit Imageproblemen – nach Streit mit Trump kündigt Musk Robotaxi-Dienst an
Keine erfreuliche Bilanz für Musk. Auch gegenüber seinen Robotaxis gibt es jetzt schon Skepsis. Noch im Juni soll der Robotaxi-Dienst an den Start gehen. Der Starttermin (22. Juni 2025) könne allerdings noch verschoben werden, da Tesla selbst „paranoid“ sei, was die Sicherheit angehe, schrieb Musk bei der Online-Plattform X. Zum 28. Juni wolle Tesla zudem ein in Austin gebautes Fahrzeug des Typs Model Y dem Käufer fahrerlos direkt vor die Tür liefern, schrieb Musk weiter.
Rund eineinhalb Monate vor dem angekündigten Start eines Robotaxi-Dienstes von Tesla hat die US-Verkehrssicherheitsbehörde noch jede Menge Fragen. Die NHTSA will vom Elektroauto-Hersteller unter anderem wissen, wie sich die Fahrzeuge in Notsituationen verhalten sollen und wie Tesla zu dem Schluss kam, dass die Robotaxi-Software bereit zum Einsatz auch ohne Menschen am Steuer ist. Der von Tech-Milliardär Elon Musk geführte Konzern hat bis zum 19. Juni Zeit für eine Antwort.
Tesla in der Krise: Rückgänge belasten Musk und seine Marke
Zuletzt hatte ein Rückgang bei den Verkäufen neuer Tesla-Fahrzeuge in mehreren europäischen Ländern die Aktie des Unternehmens belastet. Tesla verkaufte im Mai 2025 in Ländern wie Schweden, Dänemark, Spanien und Frankreich 19 bis 68 Prozent weniger Neuwagen, wie Zulassungsdaten zeigen. In Norwegen hingegen legten die Verkäufe laut dem Branchenverband OFV um 213 Prozent zu. Besonders gefragt waren dabei Fahrzeuge des zuletzt aktualisierten Model Y, deren Verkäufe von 690 auf 2346 Fahrzeuge stiegen. „Teslas starker Auftritt in Norwegen zeigt, wohin der Weg für das Unternehmen führen sollte: Innovation“, sagte Ben Nelmes vom Analysehaus New AutoMotive. „Kein Autobauer kann sich auf seinen Lorbeeren ausruhen.“
Käufer in weiten Teilen Europas können die neue Version des Model Y bereits bestellen. Auf den Tesla-Websites in Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien heißt es jedoch, dass die Auslieferungen erst in diesem Monat starten sollen. Diese Verkäufe sind daher noch nicht in den Absatzzahlen enthalten. Ob Musk beim autonomen Fahren weiterhin die Nase vorne behalten kann, steht in den Sternen. (bohy mit material von reuters)
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