VonHannes Niemeyerschließen
Nächste Tesla-Krise: Der E-Auto-Gigant schreibt riesige Verluste. Elon Musk kündigt daher einen drastischen Schritt an.
Austin – In gewisser Weise war es erwartbar, die Deutlichkeit dürfte für Elon Musk dennoch ein großer Schock sein: Sein E-Auto-Gigant Tesla hat im vergangenen Quartal nahezu gigantische Verluste geschrieben. Der Umsatzrückgang fiel gar deutlich drastischer und abrupter aus, als von Analysten vorab erwartet: Die weltweiten Gewinne von Tesla brachen um 71 Prozent ein.
Zahlen, die den exzentrischen Milliardär Musk offenbar keineswegs kaltzulassen scheinen. Im Gegenteil, viel mehr kündigte er direkt Konsequenzen an. So bereitet der Tech-Superreiche nun in gewisser Weise seinen Rückzug aus Washington ein. Dort fungierte Musk zuletzt intensiv an der Seite von US-Präsident Donald Trump als dessen Kostensenker im sogenannten „Doge“-Ministerium. Jetzt wolle er allerdings „erheblich“ weniger Zeit für seine Rolle im Regierungsapparat von Trump anwenden und sich wieder mehr um die Belange von Tesla kümmern.
Musk zieht Konsequenzen: Nach Tesla-Schock zieht sich Milliardär aus Trump-Regierung zurück
Ganz aus der Umlaufbahn des US-Präsidenten will Musk aber nicht verschwinden. Er wolle sich weiterhin an einem bis zwei Tagen pro Woche mit Regierungsaufgaben beschäftigen – jedenfalls solange Trump das möchte. Ansonsten würden Verschwendung und Betrug, die unter seiner Mitwirkung eingedämmt worden seien, wieder zurückkommen, behauptete Musk.
Musk wurde im vergangenen Jahr zu einem engen Verbündeten von Trump, dem er mehr als 250 Millionen Dollar für den Wahlkampf ums Weiße Haus spendete. Als Präsident beauftragte Trump ihn mit der Senkung der Regierungsausgaben. Die politischen Aktivitäten und rechten Positionen machten Musk unpopulärer – und das schlug auch auf Tesla durch.
Schock für Musk: Tesla mit gigantischen Verlusten im ersten Quartal
Analyst Dan Ives von Wedbush Securities, der sich lange sehr optimistisch über die Zukunft von Tesla äußerte, schätzt, dass der Schaden für die Marke durch Musks Aktionen die Tesla-Nachfrage dauerhaft um 15 bis 20 Prozent drücken könnte. In einer Umfrage des US-Wirtschaftssenders CNBC äußerten sich rund 50 Prozent negativ über Musk – und mehr als 47 Prozent hatten auch eine negative Einstellung zu Tesla. Im ersten Quartal sanken Teslas Auslieferungen um 13 Prozent.
Dennoch sieht der Analyst auch positive Seiten an Musks neuer Entscheidung: „Musk hat gerade einen großen Schritt nach vorne gemacht“, erklärte Ives im Onlinedienst X. Seine Doge-Tätigkeit sei so gut wie beendet, der Unternehmer konzentriere sich nun wieder auf Tesla. „Die (Wall) Street musste das hören.“
Tesla erlebt drastische Verluste: Zahlen zeigen den gigantischen Rückgang
Zuvor hatte der US-Elektroautobauer bekanntgegeben, dass seine Verkaufszahlen im ersten Quartal hinter den Erwartungen zurückgeblieben seien. Das Unternehmen lieferte bis Ende März 336.681 Fahrzeuge aus, wie aus Anfang April veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Dies waren 13 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
Wie Tesla am Dienstag mitteilte, betrug der Umsatz des Unternehmens im ersten Quartal 19,3 Milliarden Dollar (rund 17 Milliarden Euro) und damit neun Prozent weniger als im Vorjahresvergleich. Der Nettogewinn schrumpfte demnach auf gerade einmal 409 Millionen US-Dollar – ein Rückgang von 71 Prozent. Experten der Finanzdatenfirma Factset hatten übereinstimmend mit einem Umsatz von 21,13 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 1,4 Milliarden Dollar gerechnet. (han/dpa/AFP)
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