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Textilbranche in Bangladesch: EU-Firmen fordern höheren Mindestlohn

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Textilbeschäftigte in Bangladesch bei Protesten Anfang November.
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Nach Protesten in Bangladesch soll der Mindestlohn für Beschäftigte der Textilbranche steigen. Gewerkschaften und europäischen Firmen wie KIK und Zalando reicht die Anhebung aber nicht aus.

Europäische Textilhändler setzen sich dafür ein, dass der Mindestlohn in Bangladesch weiter steigt. Die kürzlich dort verkündete Lohnanhebung halten die Unternehmen nicht für ausreichend. „Wir unterstützen einen höheren Mindestlohn, der die Grundbedürfnisse der Beschäftigten und ihrer Familien abdeckt.“ Die Forderung stammt von der Organisation Act, der unter anderem die Unternehmen C&A, Esprit, H&M, Inditex, Lidl, Primark, Tchibo, Zalando und der internationale Gewerkschaftsbund Industrieall angehören.

Die staatliche Mindestlohn-Kommission in Bangladesch hatte kürzlich verkündet, die Untergrenze werde von 8000 Taka (66 Euro) monatlich auf 12 500 Taka (104 Euro) steigen. Gewerkschaften der Textilbeschäftigten in dem asiatischen Land, das einen guten Teil der hier verkauften Kleidung herstellt, verlangen dagegen 23 000 Taka (191 Euro).

In einem Brief an die Regierung von Bangladesch und den dortigen Arbeitgeberverband der Textilindustrie plädieren weitere deutsche Unternehmen für eine bessere Bezahlung der Arbeiterinnen und Arbeiter in den von ihnen beauftragten Zulieferfabriken. Unter anderem Hugo Boss, Jako, KIK, Münz und Vaude weisen daraufhin, dass 23 000 Taka pro Monat für die Arbeiterfamilien nötig seien, um über die Armutsgrenze zu kommen.

Ob dieses Plädoyer noch Wirkung entfaltet, bleibt abzuwarten. Die Entscheidung der Kommission deutet daraufhin, dass die Regierung die Anhebung der Lohnuntergrenze um über die Hälfte ab Dezember als letztes Wort betrachtet. Es ging ihr darum, einen Kompromiss zwischen den Interessen der Fabrikbesitzer und der Gewerkschaften zu finden.

Die Proteste der Beschäftigten für einen deutlich höheren Mindestlohn sind mittlerweile abgeebbt. Nach heftigen Auseinandersetzungen mit mindestens vier Toten haben die Textilfabriken ihre Arbeit wieder aufgenommen. Die Polizei hat Demonstrationen niedergeschlagen und den Gewerkschaftsführer Babul Hossain von der Bangladesh Garment Workers Solidarity verhaftet.

Premierministerin Sheikh Hasina kündigte kürzlich wieder ein hartes Vorgehen gegen Brandstifter an, um Leben und Eigentum zu schützen. In den vergangenen Wochen wurden einige Fabriken beschädigt. Trotzdem kam es auch in der vergangenen Woche wieder zu Protesten. Am vergangenen Freitag jährte sich der Brand bei Tazreen Fashions, bei dem 2012 mindestens 112 Menschen starben.

Am 7. Januar sollen in Bangladesch Parlamentswahlen stattfinden. Derzeit gehen die Behörden nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten gewaltsam gegen Oppositionsvertreter vor. Fast 10 000 Aktivistinnen und Aktivisten seien festgenommen worden, erklärte die Organisation Human Rights Watch (HRW) am Montag. Außerdem würden zahlreiche Mitglieder der Oppositionspartei BNP juristisch belangt. Etwa die Hälfte der fünf Millionen BNP-Mitglieder seien Angaben der Partei zufolge „politisch motivierter Verfolgung ausgesetzt“, berichtete HRW. (mit afp)

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