Maritime Exporte

TKMS hat Milliardenaufträge in Aussicht: Deutsche U-Boote auf Erfolgskurs

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Mit modernen U-Booten spielt TKMS in der obersten Liga. Wie die Kieler Werft Maßstäbe setzt – und was das für den Wirtschaftsstandort Deutschland bedeutet.

Kiel/München – ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) sorgt derzeit für positive Schlagzeilen in der deutschen Rüstungsindustrie. Der U-Boot-Spezialist aus Kiel hat in den vergangenen Tagen gleich mehrere internationale Erfolge verbuchen können.

Im Fokus stehen dabei zwei Großprojekte in Indien und Kanada, die nicht nur wirtschaftlich bedeutsam sind, sondern auch eine technologische Wettbewerbsfähigkeit deutscher U-Boote unterstreichen.

TKMS gewinnt Milliardenauftrag: Indien setzt auf deutsche Technik

Indien hat sich nach längerer Verzögerung beim Projekt 75 für das deutsche U-Boot der Klasse 214 von TKMS entschieden. Die indische Regierung unter Premierminister Narendra Modi verkündete offiziell, dass der Entwurf aus Kiel den internationalen Wettbewerb gewinnen konnte.

Der Deal umfasst die Lieferung von sechs modernen U-Booten, die mit einem außenluftunabhängigen Antrieb (AIP) ausgestattet sind. Gerade diese innovative Technologie, die längere Tauchzeiten ohne Auftauchen ermöglicht, gab laut Medienberichten den Ausschlag für TKMS. Das französische Portal Meta-Defense schreibt von einem beachtlichen Erfolg, weil TKMS seit Jahren Schwierigkeiten habe, sich in internationalen Wettbewerben außerhalb der deutsch-norwegischen Partnerschaft zu etablieren.

U-Bootbauer TKMS hilft bei Modernisierung der indischen Marine

Mit einem geschätzten Auftragswert von rund 7,2 Milliarden Euro handelt es sich um einen der größten Exportaufträge der deutschen Rüstungsindustrie in den letzten Jahren. Die U-Boote sollen gemeinsam mit dem indischen Staatskonzern Mazagon Dock Shipbuilders Limited (MDL) produziert werden. Für TKMS ist das Projekt eine Fortsetzung der langjährigen Zusammenarbeit mit Indien, die bereits in den 1980er-Jahren begann.

Thyssenkrupp Marine Systems beliefert Indien mit neuen U-Booten. Bei einem weiteren Deal stehen die Chancen gut.

Das Projekt 75 ist der zweite Schritt zur Modernisierung der indischen U-Boot-Flotte. Bereits zuvor wurden sechs französische Scorpène-U-Boote von Indien gekauft. Nun setzt das bevölkerungsreichste Land der Welt auf deutsche Technik, um seine Marine weiter zu stärken und die regionale Sicherheit zu erhöhen.

Kanada: TKMS im Rennen um milliardenschweren U-Boot-Auftrag

Auch in Kanada steht ThyssenKrupp Marine Systems im Rampenlicht: Das Unternehmen wurde von der Regierung als einer von zwei „qualifizierten Lieferanten“ für das neue Canadian Patrol Submarine Project (CPSP) ausgewählt.

Es handelt sich nun um ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Neben TKMS ist nur noch die südkoreanische Hanwha Ocean Co Ltd im Rennen. Im Oktober plant Kanadas Premierminister Mark Carney, auch den konkurrierenden Anbieter Hanwha in Südkorea zu besuchen, bevor eine endgültige Entscheidung fällt. Dem koreanischen Hersteller ging vergangenes Jahr ein Tanker-Deal mit Russland durch die Lappen.

Deutscher Konzern buhlt um Modernisierung der kanadischen U-Boot-Flotte

Das kanadische Projekt sieht die Beschaffung von bis zu zwölf modernen, dieselelektrischen U-Booten vor, welche die veraltete Victoria-Klasse ersetzen sollen. Ziel sei es, die maritime Präsenz Kanadas in Atlantik, Pazifik und vor allem in der Arktis zu sichern.

Die neuen U-Boote müssen den harten Bedingungen der Arktis standhalten und ermöglichen, dass die kanadische Marine jederzeit in allen drei Ozeanen präsent sein kann. TKMS-Konkurrent Hanwha Ocean rühmt sich laut nordamerikanischen Medien, dass die ersten vier U-Boote vor 2035 kommen werden – schneller als jene des deutschen Anbieters.

Kanadas Premierminister Mark Carney hält ein U-Boot-Modell, flankiert von Industrieministerin Melanie Joly (rechts). Auch TKMS-CEO Oliver Burkhardt (links) und Verteidigungsminister Boris Pistorius waren dabei.

Auftragsbücher von ThyssenKrupp Marine Systems gut gefüllt

TKMS – dessen Mutterkonzern kürzlich beschlossen hat, die Marinesparte als TKMS-AG an die Börse zu bringen – ist Weltmarktführer für nicht-nuklear betriebene U-Boote. Die Kieler Werft des Unternehmens hat bereits mehrere internationale Aufträge in der Pipeline: Deutschland und Norwegen haben gemeinsam zehn Einheiten der neuen Klasse 212CD bestellt, die speziell für den Einsatz unter Eis und in arktischen Gewässern entwickelt wurden.

Kanadas Premier in einer Mitteilung über die geopolitische Komponenten: „Das Wichtigste in den weiteren Gesprächen ist der wirtschaftliche Nutzen für Kanada. Im Fokus steht dabei auch eine mögliche Produktion vor Ort sowie die Interoperabilität mit den Nato-Partnern.“ Der Auftragswert wird auf bis zu 16 Milliarden Euro geschätzt.

TKMS und die Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland

Die Entscheidung von Kanada wird auf einer umfassenden Bewertung der Bau- und Lieferfristen sowie der technischen Anforderungen basieren. Die aktuellen Erfolge von ThyssenKrupp Marine Systems wären nicht nur ein Gewinn für das Unternehmen selbst, sondern würden auch den deutschen Wirtschaftsstandort stärken, besonders im Norden der Republik. Neben Kiel würden die U-Boote für Kanada auch in Wismar (Mecklenburg-Vorpommern) gebaut werden.

Die Aufträge aus Indien und Kanada zeigen, dass deutsche U-Boote weltweit gefragt sind – und dass Qualität „Made in Germany“ offenbar auch in sicherheitspolitisch sensiblen Bereichen überzeugen kann. (PF)

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