„Wir müssen alles probieren“

Russlands Wirtschaft in Isolationshaft: Putins Top-Banker werden nervös – es droht der „Ruin“

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Chinesische Banken ziehen sich aus Angst vor Sanktionen aus Russland zurück. Dies könnte das exportabhängige Land in den wirtschaftlichen Ruin treiben.

Moskau – Die Wirtschaft Russlands gerät immer stärker unter Druck durch den Westen. Die neuesten Sanktionen, die von der Europäischen Union (EU) verhängt wurden, könnten auf lange Sicht die LNG-Pläne des Kremls behindern und sogar ganze Projekte unrentabel machen. Zudem ziehen sich immer mehr internationale Partner von Russland zurück und wollen keine Bankgeschäfte mehr mit ihm tätigen. Dies führt zu wachsender Besorgnis im Umfeld des Kremls.

Russlands Wirtschaft zunehmen isoliert – „Wir müssen alles probieren“

Sollte Moskau keine Wege finden, seine Exporte zu finanzieren, droht der russischen Wirtschaft der „Ruin“. Diese warnende Aussage stammt von Wladimir Tschistjuchin, dem stellvertretenden Vorsitzenden der russischen Zentralbank und einem der Top-Banker Putins. Trotz optimistischer Äußerungen aus Moskau - die westlichen Sanktionen seien unwirksam oder Präsident Wladimir Putin habe bereits eine Lösung gefunden - breitet sich die Sorge in den höchsten Ämtern Russlands aus.

Der russische Präsident Wladimir Putin sprach auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg.

Diesmal sind es die Chinesen: Nachdem bereits vor einigen Monaten mehrere chinesische Banken Abstand von Russland genommen hatten, folgte zuletzt die große Bank of China. Die russische Abteilung der Bank hatte angekündigt, Yuan-Transaktionen mit von den USA sanktionierten russischen Banken aussetzen zu wollen. „Man muss alles tun, um die Räder am Laufen zu halten“, zitierte Newsweek den Zentralbank-Experten und berief sich dabei auf eine russische Wirtschaftszeitung. „Wir müssen alles probieren.“ Tschistjuchin schlug auch unkonventionelle Optionen vor, oder solche, die „uns gestern unpopulär erschienen“. Darunter zum Beispiel Credit Swaps oder Kryptowährungen.

Ohne Zahlungsmöglichkeiten wäre diese Entwicklung für das „export- und importabhängige Land“ schlichtweg der „Ruin“.

Chinesische Banken distanzieren sich von der russischen Wirtschaft – aus Angst vor Sanktionen

Die Bank of China ist nicht die erste, die aus Angst vor westlichen Sanktionen den Handel mit Russland einschränkt. Zuvor hatten die ICBC, die China CITIC Bank und einige andere chinesische Banken ähnliche Schritte unternommen. Die westlichen Industrienationen hatten bisher 14 Sanktionspakete verabschiedet, um Russland die Finanzierung des Ukraine-Kriegs zu erschweren, die meisten davon zielen auf die russische Wirtschaft.

Erst Anfang Juni hatten die USA und ihre Verbündeten eine neue Welle von Sanktionen vorgestellt, die speziell auf russische Finanzinstitute abzielen - und auf alle Unternehmen und Einzelpersonen, die mit ihnen Geschäfte tätigen.

Für die russische Wirtschaft birgt die Entscheidung der Bank of China einige Risiken. Die Abwicklung von Zahlungen zwischen russischen und chinesischen Unternehmen müsste künftig von Vermittlern übernommen werden, die möglicherweise nicht immer sauber arbeiten. „Dies ist keine sehr erfreuliche Nachricht für den russischen Markt“, zitierte das russische Medium Kommersant im Juni eine Stimme aus dem Finanzmarkt. Es würden zusätzliche Kosten entstehen, „sowohl was den Zeitaufwand als auch die Kosten für die Zahlungsabwicklung betrifft“. Zudem steigt das Risiko von Betrug.

Der Westen isoliert Russlands Wirtschaft – „Wir erhöhen das Risiko“

Vor einigen Wochen hatten US-Sanktionen auch die Moskauer Börse getroffen. „Russlands Wirtschaft ist vom internationalen Finanzsystem isoliert“, hatte die US-Finanzministerin Janet Yellen am 12. Juni angekündigt. Diese jüngsten US-Sanktionen sind eine Fortsetzung von Maßnahmen, die im Dezember eingeleitet wurden. Sie sollen ausländische Banken davon abhalten, Wladimir Putin bei der Stärkung seiner Kriegswirtschaft zu unterstützen.

„Wir erhöhen das Risiko für Finanzinstitute, die sich mit Russlands Kriegswirtschaft einlassen, verhindern Ausweichmöglichkeiten und verringern die Fähigkeit Russlands, vom Zugang zu ausländischer Technologie, Ausrüstung, Software und IT-Diensten zu profitieren“, sagte die US-Ministerin Yellen dazu.

Experten hatten bereits erste Anzeichen eines wirtschaftlichen Niedergangs in Russland festgestellt. Seit Beginn des Kriegs in der Ukraine gilt China als eine Art wirtschaftliche Lebensader für Russland – sollte sich Präsident Xi Jinping von Putin abwenden, hätte dies unvorhersehbare Folgen für die russische Wirtschaft.

Rubriklistenbild: © Anton Vaganov/dpa

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