Antriebstechnologie

Toyota-Hybride: Manager wettert gegen Konkurrenz

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Viele Autos werden als „Hybrid“ vermarktet – doch nicht jeder Motor verdient die Bezeichnung. Ein Toyota-Manager kritisiert die Konkurrenz.

Toyota/München – In der Autoindustrie herrscht ein regelrechter Wettstreit um die besten alternativen Antriebe. Dabei bietet der Begriff „Hybrid“ Anlass für Diskussionen – denn nicht jedes Modell, das als solches beworben wird, trägt diesen Namen offenbar zurecht.

Toyota, ein Pionier der Hybridtechnik, kritisiert in Person eines Managers die Konkurrenz und warnt: Die Motor-Technologie hinter manchen Modellen ist oft weniger fortschrittlich als gedacht.

Toyota und der Hybridantrieb: Es geht um 48-Volt-Technologie

Toyota ist weltweit bekannt für seine Hybridmodelle. Doch immer mehr Hersteller setzen auf sogenannte Mildhybride mit 48-Volt-Technologie – diese Gattung wird oft zu den elektrifizierten Antrieben gezählt. Sean Hanley, Vertriebs- und Marketingchef von Toyota Australien, findet das irreführend: „Ich habe in den letzten Jahren beobachtet, wie Hybridtechnologie in der Vermarktung unterschiedlich eingesetzt wird.“

Toyota ist ein Vorreiter der Hybridantriebe. Gehören dazu auch sogenannte „Mildhybride“? Ein Manager bezieht Stellung.

Hanley fordert, dass die Hersteller die Begriffe eindeutig verwenden, damit die Kundschaft weiß, was sie tatsächlich kauft. „Ich denke, OEMs (Original Equipment Manufacturer, Anm. d. Red.) haben die Pflicht, hier für Klarheit zu sorgen“, so der Toyota-Manager im Magazin Drive.

Mildhybride von Toyota und Co.: Alternativer Antrieb oder nicht?

Was steckt eigentlich hinter einem 48-Volt-Mildhybrid? Das System besitzt eine zusätzliche Elektromaschine und kombiniert meist die Funktionen von Anlasser und Lichtmaschine. Das Ergebnis ist mehr Effizienz und eine moderate Kraftstoffeinsparung.

Ein echter Hybrid, wie ihn Toyota und andere Hersteller seit Jahren bauen, nutzt eine größere Batterie und einen Elektromotor, der das Auto zeitweise rein elektrisch antreiben kann. Plug-in-Hybride gehen noch einen Schritt weiter: Sie ermöglichen längere Fahrten ohne Verbrennungsmotor.

Mildhybride mit 48-Volt-Technik können das nicht. Sie unterstützen den Motor beim Anfahren, fahren aber nicht rein elektrisch. Trotzdem gelten sie in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) als „alternativer Antrieb“ und tauchen so in den Statistiken auf – obwohl es sich eigentlich um Verbrenner handelt.

Modelle mit Hybrid-Label: Toyota und die Konkurrenz

Ironischerweise bewirbt Toyota laut Carscoops.com die 48-Volt-Technik selbst als „Hybrid“: 2025 wurden in Europa der Land Cruiser Hybrid 48V und der Hilux Hybrid 48V vorgestellt. Beide Modelle werden sind den Angaben zufolge Fahrzeuge mit „elektrifiziertem Antriebsstrang“. Statt eines herkömmlichen Generators kommt hier ein Elektromotor-Generator zum Einsatz.

Beim Thema Hybridantrieb versteht Sean Hanley, Vertriebs- und Marketingchef von Toyota Australien, wenig Spaß.

Toyota betont jedoch, dass diese Fahrzeuge nicht die gleichen ökologischen Vorteile bieten wie die klassischen Hybridmodelle. Der Unterschied: Modelle mit „echtem“ Hybridantrieb können rein elektrisch fahren, bieten eine deutlich höhere Effizienz und niedrigeren Schadstoffausstoß.

Toyota und die Hybrid-Debatte: Warum gibt es Mildhybride überhaupt?

Der Grund ist simpel: Mildhybride bieten auf dem Papier leichte Verbrauchsvorteile bei minimalen Kosten und geringem Zusatzgewicht. Angesichts immer strengerer CO2-Vorgaben sind die Motoren für Hersteller wie Toyota eine günstige Möglichkeit, Emissionen zu senken. Doch die Effizienz eines echten Hybriden oder gar eines Plug-in-Hybrids erreichen sie nicht.

Toyota setzt auf Technologie-Offenheit und bietet die gesamte Palette: vom Mildhybrid über den Vollhybrid bis hin zu Plug-in-Hybriden und reinen Elektroautos mit Batterie oder sogar Brennstoffzelle.

Toyota weitet Europa-Produktion aus – Verbrenner, Hybriden, E-Autos

Ein Zeichen für die Zukunft setzt Toyota derweil mit dem Bau eines neuen Elektroautos in Europa. Das werde in der Fabrik im tschechischen Kolin produziert, teilten die Japaner kürzlich mit. Seit 2002 habe Toyota dort bereits 4,5 Millionen Autos hergestellt. Insgesamt betreibt der weltgrößte Autobauer auf dem hiesigen Kontinent acht Fabriken.

Toyota ist zwar spät in die Produktion von Elektroautos eingestiegen, doch demnächst kommen mehrere neue Modelle auf den europäischen Markt. (PF)

Rubriklistenbild: © NurPhoto/Imago

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