1856 gegründet

Traditionsunternehmen in Insolvenz trennt sich von 108 Mitarbeitern – Verfahren dauert an

  • schließen

Während das Insolvenzverfahren des Maschinenbauers J. G. Weisser Söhne andauert, wird ein Investor gesucht. Harte Einschnitte sind die erste Konsequenz.

St. Georgen – Die anhaltende Wirtschaftskrise macht auch vor Traditionsunternehmen nicht halt und hat im September 2024 den traditionsreichen Maschinenbauer J. G. Weisser Söhne GmbH eingeholt, der am Amtsgericht Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung stellte. Das im Jahr 1856 gegründete Unternehmen mit Sitz in St. Georgen im Schwarzwald (Baden-Württemberg) hatte bereits zuvor 130 Stellen abgebaut und war von einem US-amerikanischen Investor übernommen worden, der selbst in die Zahlungsunfähigkeit rutschte.

Diese 12 bekannten Unternehmen aus Baden-Württemberg gibt es nicht mehr

Eine Schlecker-Filiale im Jahr 2001.
Wer erinnert sich noch an Schlecker? Die Drogeriekette aus Ehningen (Donau) galt in der Hochphase als größte in ganz Europa.  © IMAGO/Enters
Eine ehemalige Schlecker-Filiale in Hamburg-St. Pauli.
Nach der Insolvenzanmeldung 2012 wurde die Kette zerschlagen und alle noch bestehenden Schlecker-Filialen geschlossen. © IMAGO/Jürgen Ritter
Der frühere Chef der Firma FlowTex, Manfred Schmider, sitzt am 14.01.2013 in Mannheim (Baden-Württemberg) im Gerichtssaal des Landgerichts.
Die Schlecker-Insolvenz schlug hohe Wellen und so auch der Skandal um die Firma Flowtex aus Ettlingen.  © Uwe Anspach/dpa
Akten zum FlowTex-Betrugsskandal stehen am Dienstag (26.07.2005) vor Beginn der Urteilsverkündung in einem Verhandlungssaal des Karlsruher Landgerichts.
Flowtex handelte auf betrügerische Weise mit Maschinen und verursachte einen Milliardenschaden. Im Jahr 2000 wurde die Firma aufgelöst. © Uli Deck/dpa
Jacken hängen an einer Kleiderstange.
Skandale und Insolvenzen sind aber nicht die einzigen Gründe für das Verschwinden von Unternehmen. (Symbolfoto) © IMAGO/Michael Bihlmayer
Verschiedene Dornier-Flugzeuge stehen am Dienstag (01.07.2009) im Dorniermuseum in Friedrichshafen am Bodensee.
Die Friedrichshafener Dornier-Werke wurden beispielsweise zum Teil in die EADS (heute Airbus SE) integriert.  © Patrick Seeger/dpa
Blick auf den Standort von Airbus Defence and Space in Immenstaad am Bodensee (Aufnahme mit Drohne).
Die militärische Luftfahrt, Raumfahrt, Wehr- und Systemtechnik von Dornier ist heute Teil von Airbus Defence and Space. © Felix Kästle/dpa
Die Feuerwehr-Geräte-Fabrik C. D. Magirus in Ulm (Ausschnitt aus einem Briefkopf)
Die Feuerwehr-Geräte und Nutzfahrzeugfabrik Magirus in Ulm wurde 1949 von Deutz übernommen und gehört heute zu Iveco.  © Stadtarchiv Ditzingen
Fahnen wehen am 20.03.2014 in Köln (Nordrhein-Westfalen) vor dem Eingang des Motorenwerkes der Deutz AG.
Der Kölner Motorenbauer Deutz trägt bis heute das Logo von Magirus, ein als Silhouette des Ulmer Münsters stilisiertes M.  © Henning Kaiser/dpa
Die von Heinrich Siegle gegründete Farbenfabrik G. Siegle & Co. in Stuttgart um 1865.
Die bedeutende Stuttgarter Farbenfabrik G. Siegle & Co. GmbH fusionierte 1873 mit der BASF.  © Gemeinfrei
Das Firmenlogo vor der Hauptverwaltung des Mobilfunk-Zwischenhändlers Debitel in Stuttgart-Vaihingen (Archivfoto).
Die Stuttgarter Debitel AG ist seit 2008 Teil der Freenet AG. Das ursprüngliche Unternehmen wurde 2011 aufgelöst.  © Bernd Weißbrod/dpa
Die Schokoladenfabrik von Roth in der Bahnhofstraße in Stuttgart (heute Heilbronner Straße) im Jahr 1895 als Abbildung auf einem Briefkopf.
Apropos Stuttgart. Die Landeshauptstadt galt mit Unternehmen wie Roth (1841-1942) einst als bedeutende Schokohochburg.  © gemeinfrei
Schokolade der Marke Moser-Roth, die von Aldi vertrieben werden.
Die Handelsmarke Moser-Roth besteht bis heute, das ursprüngliche Unternehmen wurde aber 1942 aus politischen Gründen stillgelegt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Frontansicht des ehemaligen Eszet-Werkgebäudes in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 2012.
Eine weitere bedeutende Schokoladenfabrik in Stuttgart war die Firma Eszet - Staengel & Ziller (1857-1975).  © Stephan Klage/Wikipedia/CC BY-SA 3.0
Eszet Schnitten in verschiedenen Geschmackrichtungen.
Das bekannteste Produkt, die Eszet-Schnitten, werden bis heute von Stollwerck hergestellt.  © IMAGO/Manfred Segerer
Ritter Sport Schokolade Schokoladentafel.
Von den Stuttgarter Schokoladenherstellern existiert heute nur noch Alfred Ritter, mit der Marke Ritter Sport.  © IMAGO/Markus Mainka
Luftbild, aus einem Flugzeug aufgenommen, vom der Innenstadt von Karlsruhe mit dem Schloss.
Nicht süß, aber nahrhaft war das ungesäuerte Brot, das die Matzenfabrik Strauss von 1863 bis 1936 in Karlsruhe herstellte.  © Uli Deck/dpa
Hinweisschild verweist im Karlsruher Stadtteil Neureut auf den früheren Standort der Matzenfabrik Strauß.
Die Firmengeschichte endete 1936, weil der letzte Besitzer, Semy Strauß, aufgrund der Bedrohung durch die Nationalsozialisten nach Palästina emigrierte.  © Chrischerf/Wikipedia/CC BY-SA 4.0
Porsche-Gründer Ferdinand Porsche in einem Sportwagen des Stuttgarter Autobauers.
Eine andere Firmengeschichte begann dagegen erst, weil die Nationalsozialisten von Ferdinand Porsche neben einem „Volkswagen“ auch einen „Volkstraktor“ wollten.  © Porsche/dpa
Ein Porsche-Traktor mit ZF-Getriebe in der historischen Sammlung der ZF Friedrichshafen AG.
Die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH stellte von 1956 bis 1963 in Friedrichshafen-Manzell Traktoren mit Dieselmotor her.  © Felix Kästle/dpa
Das Logo der Luxusautomobilmarke Maybach.
Mythos Maybach: Das ursprüngliche Unternehmen existierte von 1909 bis 1966. Erst in Bissingen (Enz), dann in Friedrichshafen.  © IMAGO/Mollenhauer
Maybach-Motorenproduktion im Daimler-Benz-Werk in Berline-Marienfelde.
1960 übernahm Daimler-Benz die Firma Maybach und vereinigte sie mit dem konzerneigenen Großmotorenbau.  © IMAGO/Eventpress Herrmann
Das Logo der MTU ist auf einer Zylinderkopfabdeckung der MTU-Baureihe 2000 angebracht, die gerade zusammenmontiert wird.
Seit 1969 ist die frühere Maybach-Motorenbau GmbH als MTU Friedrichshafen die Kernmarke von Rolls-Royce Power Systems.  © Felix Kästle/dpa
Der neue Mercedes-Maybach SL Monogram Series.
2002 reaktivierte DaimlerChrysler die Marke Maybach. Die Tradition wird seit 2014 unter der Marke Mercedes-Maybach fortgesetzt.  © Mercedes-Benz AG Communications
Das Logo des Autozulieferers Allgaier ist an einem Gebäude am Unternehmessitz zu sehen.
Der traditionsreiche Autozulieferer Allgaier Automotive soll nach einer Insolvenz Ende 2025 geschlossen werden.  © Marijan Murat/dpa

Wie die bundesweit tätige Stuttgarter Rechtsanwaltskanzlei Anchor Rechtsanwälte am Freitag (25. Juli) mitteilte, wird im Insolvenzverfahren der J. G. Weisser Söhne GmbH weiterhin eine Lösung gefunden, mit der das Traditionsunternehmen entweder eigenständig oder unter dem Mantel eines Investors weiterbestehen kann. Da sich die Rahmenbedingungen seit der Insolvenzanmeldung im vergangenen Jahr aber verschärft haben, ist ein Personalabbau notwendig. Zuletzt hatte auch ein traditionsreicher Maschinenbauer aus Rheinland-Pfalz Insolvenz angemeldet.

Insolvenz von J.G. Weisser Söhne: Investorenprozess verläuft schleppend – Stellenabbau notwendig

Die J. G. Weisser Söhne GmbH war vor fast 170 Jahren als Hersteller von Drehbänken und Schraubstöcken für die Uhrenindustrie im Schwarzwald gegründet worden und ist heute auf die Produktion von hochpräzisen Maschinen für mehrere Branchen spezialisiert. Nachdem die Folgen der Corona-Pandemie dem badischen Traditionsunternehmen bereits massiv zugesetzt hatten, stürzte die Insolvenz des US-amerikanischen Mutterunternehmens auch Weisser in die Zahlungsunfähigkeit. Die Anchor-Rechtsanwälte Markus Fauser und Tobias Wahl, die als Generalbevollmächtigte den Sanierungsprozess begleiten, sehen aber weiterhin gute Chancen.

Name J.G. Weisser Söhne GmbH
Gründung 1856
Sitz St. Georgen, Baden-Württemberg
Branche Maschinenbau
Mitarbeiterzahl 340 (2024)
Umsatz 59 Millionen Euro (2023)

Laut der Mitteilung haben bereits mehrere potenzielle Investoren Interesse an dem Traditionsunternehmen bekundet, der Prozess befindet sich aber noch in einer frühen Phase. „Der Investorenprozess läuft unverändert weiter“, erklärt Fauser. „Die aktuelle Lage auf den internationalen Märkten sowie die geopolitischen Verwerfungen haben die Abläufe deutlich verzögert.“ Damit der Betrieb auch in dieser Lage weitergeführt werden kann, ist ein Stellenabbau notwendig. Konkret sollen 108 Mitarbeiter den Maschinenbauer verlassen, der bei der Insolvenzanmeldung im September noch rund 340 Menschen beschäftigte.

J. G. Weisser Söhne muss 108 Mitarbeiter entlassen – „Schritt war alternativlos“

Die betroffenen Mitarbeiter sollen laut der Mitteilung in eine zeitlich auf sechs Monate begrenzte Transfergesellschaft wechseln, was ihnen am Donnerstag (24. Juli) mitgeteilt wurde. „Diese Entscheidung ist uns außerordentlich schwergefallen“, macht Rechtsanwalt Markus Fauser deutlich. „Wir wissen um die Verdienste der Kolleginnen und Kollegen und bedanken uns ausdrücklich für ihren Einsatz. Gleichzeitig war dieser Schritt alternativlos, um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit zu sichern und den laufenden Sanierungsprozess nicht zu gefährden.“

Der Maschinenbauer J.G. Weisser Söhne aus St. Georgen im Schwarzwald muss im Zuge der Insolvenz 108 Mitarbeiter entlassen.

Neben dem Investorenprozess prüfen die Verantwortlichen, neben den Anchor-Rechtsanwälten Fauser und Wahl wurde Marc-Philippe Hornung von der Mannheimer Kanzlei Schilling Zutt & Anschütz (SZA) zum Sachverwalter bestellt, auch die Möglichkeit einer eigenständigen Fortführung des Traditionsunternehmens aus dem Schwarzwald. Dieses Szenario befindet sich aktuell in der konzeptionellen Erarbeitungsphase. „Wir sehen nach wie vor gute Chancen für eine zukunftsfähige Lösung – sei es im Rahmen einer Übernahme oder einer eigenständigen Fortführung“, zeigt sich Hornung zuversichtlich.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Silas Stein

Kommentare