Traditionsunternehmen in Insolvenz trennt sich von 108 Mitarbeitern – Verfahren dauert an
VonJulian Baumann
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Während das Insolvenzverfahren des Maschinenbauers J. G. Weisser Söhne andauert, wird ein Investor gesucht. Harte Einschnitte sind die erste Konsequenz.
St. Georgen – Die anhaltende Wirtschaftskrise macht auch vor Traditionsunternehmen nicht halt und hat im September 2024 den traditionsreichen Maschinenbauer J. G. Weisser Söhne GmbH eingeholt, der am Amtsgericht Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung stellte. Das im Jahr 1856 gegründete Unternehmen mit Sitz in St. Georgen im Schwarzwald (Baden-Württemberg) hatte bereits zuvor 130 Stellen abgebaut und war von einem US-amerikanischen Investor übernommen worden, der selbst in die Zahlungsunfähigkeit rutschte.
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Wie die bundesweit tätige Stuttgarter Rechtsanwaltskanzlei Anchor Rechtsanwälte am Freitag (25. Juli) mitteilte, wird im Insolvenzverfahren der J. G. Weisser Söhne GmbH weiterhin eine Lösung gefunden, mit der das Traditionsunternehmen entweder eigenständig oder unter dem Mantel eines Investors weiterbestehen kann. Da sich die Rahmenbedingungen seit der Insolvenzanmeldung im vergangenen Jahr aber verschärft haben, ist ein Personalabbau notwendig. Zuletzt hatte auch ein traditionsreicher Maschinenbauer aus Rheinland-Pfalz Insolvenz angemeldet.
Die J. G. Weisser Söhne GmbH war vor fast 170 Jahren als Hersteller von Drehbänken und Schraubstöcken für die Uhrenindustrie im Schwarzwald gegründet worden und ist heute auf die Produktion von hochpräzisen Maschinen für mehrere Branchen spezialisiert. Nachdem die Folgen der Corona-Pandemie dem badischen Traditionsunternehmen bereits massiv zugesetzt hatten, stürzte die Insolvenz des US-amerikanischen Mutterunternehmens auch Weisser in die Zahlungsunfähigkeit. Die Anchor-Rechtsanwälte Markus Fauser und Tobias Wahl, die als Generalbevollmächtigte den Sanierungsprozess begleiten, sehen aber weiterhin gute Chancen.
Name
J.G. Weisser Söhne GmbH
Gründung
1856
Sitz
St. Georgen, Baden-Württemberg
Branche
Maschinenbau
Mitarbeiterzahl
340 (2024)
Umsatz
59 Millionen Euro (2023)
Laut der Mitteilung haben bereits mehrere potenzielle Investoren Interesse an dem Traditionsunternehmen bekundet, der Prozess befindet sich aber noch in einer frühen Phase. „Der Investorenprozess läuft unverändert weiter“, erklärt Fauser. „Die aktuelle Lage auf den internationalen Märkten sowie die geopolitischen Verwerfungen haben die Abläufe deutlich verzögert.“ Damit der Betrieb auch in dieser Lage weitergeführt werden kann, ist ein Stellenabbau notwendig. Konkret sollen 108 Mitarbeiter den Maschinenbauer verlassen, der bei der Insolvenzanmeldung im September noch rund 340 Menschen beschäftigte.
J. G. Weisser Söhne muss 108 Mitarbeiter entlassen – „Schritt war alternativlos“
Die betroffenen Mitarbeiter sollen laut der Mitteilung in eine zeitlich auf sechs Monate begrenzte Transfergesellschaft wechseln, was ihnen am Donnerstag (24. Juli) mitgeteilt wurde. „Diese Entscheidung ist uns außerordentlich schwergefallen“, macht Rechtsanwalt Markus Fauser deutlich. „Wir wissen um die Verdienste der Kolleginnen und Kollegen und bedanken uns ausdrücklich für ihren Einsatz. Gleichzeitig war dieser Schritt alternativlos, um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit zu sichern und den laufenden Sanierungsprozess nicht zu gefährden.“
Neben dem Investorenprozess prüfen die Verantwortlichen, neben den Anchor-Rechtsanwälten Fauser und Wahl wurde Marc-Philippe Hornung von der Mannheimer Kanzlei Schilling Zutt & Anschütz (SZA) zum Sachverwalter bestellt, auch die Möglichkeit einer eigenständigen Fortführung des Traditionsunternehmens aus dem Schwarzwald. Dieses Szenario befindet sich aktuell in der konzeptionellen Erarbeitungsphase. „Wir sehen nach wie vor gute Chancen für eine zukunftsfähige Lösung – sei es im Rahmen einer Übernahme oder einer eigenständigen Fortführung“, zeigt sich Hornung zuversichtlich.