VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Ein weiterer Bereich der Wirtschaft Russlands ist in Schwierigkeiten. Die Ursache sind die Sanktionen. Eine Warnung wird von Wladimir Putin ausgesprochen.
Moskau – Die russische Wirtschaft befindet sich in einer zunehmend prekären Lage. Einer der Gründe dafür sind die westlichen Sanktionen. Vor kurzem haben die USA angekündigt, ihre Sanktionen gegen russische Öl-Exporte zu verschärfen. Im November traten außerdem neue Sanktionen gegen russische Banken in Kraft, darunter auch gegen die Gazprombank, was einen weiteren Verfall des Rubels zur Folge hatte. Der Luftfahrtsektor ist ebenfalls unter Druck und die Währungsreserven sind bereits stark geschwächt. Nun zeigen sich neue Herausforderungen im Energiesektor.
Kohle-Industrie in Schwierigkeiten – Putin spricht Warnung für Russlands Wirtschaft aus
Aktuell steht dabei die Kohleindustrie im Fokus. Die Probleme scheinen so schwerwiegend zu sein, dass der russische Präsident Wladimir Putin spezielle Maßnahmen zur Unterstützung der Kohleunternehmen gefordert hat. Diese Unternehmen stehen vor Verlusten in Milliardenhöhe und dem Risiko von Masseninsolvenzen, wie der Kyiv Independent unter Berufung auf Berichte der Moscow Times erklärte.
Doch was ist der Auslöser dieser Probleme? Vor der Invasion des Donbass war Russland stark von den Kohleimporten des Westens abhängig. Nun sind russische Kohleunternehmen nicht nur vom westlichen Markt abgeschnitten, sondern erleben auch einen Rückgang sogenannter „freundlicher“ Nationen, die den fehlenden Markt kompensieren könnten. Für die ersten neun Monate des Jahres 2024 meldeten die Kohleunternehmen kombinierte Verluste von 91 Milliarden Rubel, umgerechnet etwa 873 Millionen US-Dollar.
Der russische Energieminister Sergei Tsiwiljow kündigte an, dass die Regierung die Kohlearbeiter „so bald wie möglich“ entlasten wolle. Zudem ist ein sozioökonomisches Entwicklungsprogramm für den Kuzbass geplant, eine Region, die für die Kohleförderung von besonderer Bedeutung ist. Von dort stammt ein Großteil der russischen Kohle.
Wie Kohle Russlands Wirtschaft stützt – Deutlicher Anstieg seit 2000
Zwischen Januar und Juli 2024 sollen die russischen Kohleexporte um 11,4 Prozent gesunken sein. Auch die Exporte nach China, dem wichtigsten Abnehmerland seit dem Rückzug des Westens, gingen zurück. Hier wurde für das erste Halbjahr ein Rückgang von acht Prozent verzeichnet.
Seit dem Jahr 2000 hatte sich Russland als bedeutender Kohleexporteur etabliert. Laut Daten der Internationalen Energieagentur (IEA) machten die Netto-Kohleexporte im Jahr 2022 etwa 43 Prozent aus; zwischen 2000 und 2022 war ein deutlicher Aufwärtstrend bei den Kohleexporten zu beobachten. Insgesamt stiegen die Kohleexporte um 366 Prozent. Kohle macht mit 19 Prozent fast ein Fünftel aller russischen Energieexporte aus.
Regierung warnt vor „Verfall“ in Russlands Wirtschaft – Maßnahmen sollen Kohlesektor retten
Dieser Aufwärtstrend könnte nun jedoch ein Ende finden. Das russische Energieministerium warnte am Montag, den 16. Dezember, vor einem „Verfall“ der Kohleexporte. „Es bleibt in diesem Jahr nur noch wenig Zeit und wir sehen einen Verfall bei der Dynamik unserer Kohle-Exporte“, äußerte der russische Energieminister Tsiwiljow auf einem russischen Kongress gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax. „Darum leiten wir Schritte in die Wege, um sicherzustellen, dass wir diesen traurigen Trend nicht auch im nächsten Jahr sehen.“
Wie es im Jahr 2025 weitergehen wird, ist noch ungewiss. Tsiwiljow erklärte, er prüfe verschiedene Möglichkeiten, um mehr Kohle auf die Verbrauchermärkte zu bringen. „Die Situation ist gerade ziemlich schwierig, alles hängt von der Rückzahlung der Zahlungen, der Bewegung der Schiffe und vielen Faktoren ab“, sagte er. Im Jahr 2023 soll Russland 438 Millionen Tonnen Kohle gefördert und 213 Millionen Tonnen exportiert haben.
Um die westlichen Sanktionen ist ein heftiger Streit entbrannt. Während die westlichen Verbündeten der Ukraine versuchen, die russische Wirtschaft durch Sanktionen zu schwächen, sucht Wladimir Putin ständig nach neuen Möglichkeiten, diese Sanktionen zu umgehen.
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