VonLars-Eric Nievelsteinschließen
Indien soll die Öl-Importe aus Russland zurückfahren. Das hatte US-Präsident Trump gefordert. Die Maßnahme könnte schneller erfolgen als gedacht.
Moskau – Wendet sich einer der wichtigsten Kreml-Handelspartner von Russland ab? Laut US-Präsident Donald Trump ist das in der Tat der Fall: Indien soll planen, die Öl-Importe aus Russland herunterzufahren und langfristig ganz einzustellen. Was erst klang wie eine der typischen Übertreibungen aus dem Weißen Haus, könnte sich nun als wahr herausstellen.
Indien-Raffinerien planen Öl-Rückzug – und könnten Putin schwer treffen
Indien bereitet sich angeblich darauf vor, seine Russland-Importe beim Öl zurückzufahren, und beugt sich damit dem Druck aus den Vereinigten Staaten. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag (16. Oktober) und berief sich dabei auf anonyme Insider, die mit der Sache betraut sind. Mehrere indische Raffinerien sollen damit begonnen haben, ihre Einkäufe russischen Öls zurückzufahren.
Gleichzeitig stehen sie vor dem Risiko, den globalen Ölpreis hochzutreiben. Das könne passieren, wenn der Import-Stopp zu schnell vonstattengeht. Höhere Ölpreise könnten dann wiederum die indische Inflation anheizen.
Eine offizielle Order aus Neu-Delhi, kein Öl mehr aus Russland zu kaufen, gibt es nicht. Allerdings kam diese Meldung nur Stunden nach einer entsprechenden Ankündigung Donald Trumps, der indische Premierminister Narendra Modi habe ihm genau diese Entwicklung versprochen. „Ihr wisst, dass man das nicht sofort tun kann. Es gibt da einen kleinen Prozess, aber der Prozess wird bald vorbei sein“, zitierte die Moscow Times den US-Präsidenten.
Indien rettet Russlands Wirtschaft – Putin musste Öl-Verkäufe umschichten
Genau diesen Schritt vonseiten Indiens hatte Trump auch mit zusätzlichen Zöllen befördert. Im Spätsommer 2025 haben die USA hohe Strafzölle gegen Indien eingesetzt und das damit begründet, dass Indien zu viele Waffen und Rohstoffe aus Russland kaufe.
Indien wiederum hatte sich über mehrere Jahre als immer wichtigerer Handelspartner für Russland etabliert. Als der europäische Markt für die Öl- und Gaskäufe weggebrochen war, sprang Indien neben China ein und wurde gar einer der größten Ankäufer für russische Treibstoff-Exporte. Damit hat Indien Russlands Wirtschaft regelrecht gerettet, denn der Energiesektor ist der Antriebsmotor schlechthin für die Kassen des Kremls.
Allerdings geschah das keinesfalls aus ideologischer Verbundenheit. Indien hatte schon mehrfach betont, dass es sein Öl immer dort kaufen würde, wo es die niedrigsten Kosten zu erwarten hat. Wenn der Ankauf aus Russland zu teuer wird – oder wenn beispielsweise neue US-Zölle an anderer Stelle für ein zu hohes Kostenplus sorgen – würde Indien sein Öl sehr schnell wieder im Mittleren Osten kaufen, hatte das Land mitgeteilt.
Indien bekommt Mega-Rabatte auf Putins Öl – enden die Einkäufe bald?
Mit den Einkäufen aus Russland konnte Indien bisher allerdings viel Geld sparen. 2021 hatte Indien noch 100.000 Barrel (159 Liter) Öl pro Tag aus Russland gekauft, ein Jahr später waren es schon 740.000 Barrel täglich (U.S. Energy Information Administration). Wegen der westlichen Sanktionen gegen russisches Öl – und die grundsätzliche Abwesenheit anderer Chancen für Kreml-Chef Wladimir Putin – konnte Indien enorme Rabatte von zwischenzeitlich bis zu 30 Prozent heraushandeln.
Russland hatte vor einer Zwickmühle gestanden: Verkaufe ich mein Öl viel zu billig oder gar nicht mehr? Putin hatte sich für Option Nummer 1 entschieden. Indien hatte vorher das meiste Öl aus dem Irak gekauft, aber Russland löste diesen Handelspartner schnell ab. Sollte sich bewahrheiten, dass Indien sich von Russland abkehrt, könnte das Russlands Wirtschaft in ihrem ohnehin angeschlagenen Zustand schwer treffen.
Eine Bestätigung aus Indien, ob diese Berichte wahr sind, gibt es nicht direkt. Allerdings hatte Indiens Außenministerium gesagt, es gebe ein erhöhtes Interesse aus Washington, die „Energie-Kooperation zu vertiefen“. Dazu seien noch Diskussionen in Gange. (laernie mit Reuters)
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