Trumps EU-Zölle kosten Deutschland Milliarden: Diese Arbeitsplätze stehen jetzt auf dem Spiel
VonLennart Schwenck
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Trumps 15-Prozent-Zölle bescheren Deutschland Milliardeneinbußen. Hunderttausende Jobs drohen wegzufallen. Autoindustrie und Maschinenbau leiden am meisten.
Brüssel/Washington – Die neuen US-Zölle unter Präsident Donald Trump werden die deutsche Wirtschaft hart treffen. Laut exklusiven Berechnungen des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW) und des Münchener Ifo-Instituts sorgen die generellen Zölle in Höhe von 15 Prozent für ein um 0,15 Prozent geringeres Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland innerhalb eines Jahres. Das entspricht einem Minus von rund 6,5 Milliarden Euro.
Das Ifo-Institut kommt bei einer mittelfristigen Betrachtung sogar auf ein Minus des deutschen BIP von 0,2 Prozent – das wären rund 8,6 Milliarden Euro an ausbleibender Wirtschaftsleistung. „Ein Deal mag die Unsicherheit für Unternehmen leicht senken – doch US-Zölle von 15 Prozent schaden der deutschen Wirtschaft“, sagt Ifo-Außenhandelschefin Lisandra Flach gegenüber dem Handelsblatt.
Trump-Zölle treffen Deutsche Wirtschaft: Autoindustrie und Maschinenbau besonders hart getroffen
Die Auswirkungen treffen nicht alle Branchen gleich stark. Besonders dramatisch sind die Folgen für die deutsche Autoindustrie: Laut Ifo-Institut geht die Wertschöpfung der Branche mittelfristig im Vergleich zur Situation ohne Trump-Zölle um fast drei Prozent zurück. Die deutsche Autoindustrie exportierte allein im vergangenen Jahr 3,4 Millionen Autos, wobei die USA mit 13,1 Prozent der wichtigste Abnehmer waren. Das entspricht knapp 450.000 Fahrzeugen, die vor Trump mit nur 2,5 Prozent Zoll belastet waren und nun mit dem Sechsfachen konfrontiert sind.
Auto-Experte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer vom CAR – Center Automotive Research erklärt gegenüber Bild: „Verlierer seien die Arbeitsplätze in Deutschland, da auf hier produzierte Autos Zölle anfallen werden.“ Für Konzerne, die in den USA produzieren, sei das dagegen ein „Super-Deal“, da „es keine Gegenzölle gibt, damit können die Produktions-Hubs von BMW und Mercedes in den USA weiter die SUV nach Europa ohne Zusatzkosten schicken.“
Zeitlinie: So hat Trump den Zoll-Krieg vom Zaun gebrochen
Bilaterale Zollpolitik: Maschinenbau, Pharmabranche und Chemie unter Druck
Der deutsche Maschinenbau verzeichnet laut Ifo-Institut ein Minus von knapp zwei Prozent. Der Maschinenbauverband VDMA warnt bereits vor erheblichen Belastungen für die Branche. In einer Blitzumfrage unter 562 Mitgliedsunternehmen im Mai 2025 zeigte sich: Schon bei einem Zollsatz von zehn Prozent rechnen 43 Prozent der Firmen mit starken Wettbewerbsnachteilen, bei 25 Prozent sind es sogar 77 Prozent. Auch die Chemie- und Metallindustrie müssen mit Verlusten rechnen. Minimal weniger betroffen sind diese Branchen mit Rückgängen, die ebenfalls bei knapp zwei Prozent liegen.
Noch dramatischer könnte es die Pharmaindustrie treffen. Trump will schon bald zusätzliche Zölle für Pharmazeutika ankündigen. Medikamente sind bereits von dem 15-Prozent-Pauschalzoll ausgenommen, doch stehen der Branche noch höhere Belastungen bevor. Die Pharmaindustrie könnte laut ifo Institut sogar Verluste von bis zu 9 Prozent verzeichnen, während die Autoindustrie mit Wertschöpfungsverlusten von bis zu 6 Prozent rechnen müsste. Stärker als die Autoindustrie dürfte nur die Pharmabranche leiden, wenn auf diese noch die Sonderzölle erhoben werden.
Pharma, Chemie und Auto: Der Schaden für Deutschlands Wirtschaft ist erheblich – Milliarden-Verluste, gefährdete Arbeitsplätze und eine geschwächte Exportwirtschaft sind der Preis für Trumps Zollpolitik.
Export-Einbruch drückt Bruttoinlandsprodukt: Deutsche Arbeitsplätze in Gefahr
Die deutschen Exporte in die USA brechen laut Ifo-Institut um 16 Prozent ein. Zwar würden manche Waren in andere Länder umgeleitet, dennoch dürften die deutschen Exporte insgesamt um etwa 1,4 Prozent zurückgehen. Die Industriewertschöpfung geht mittelfristig um 1,5 Prozent zurück. Das Münchner ifo-Institut rechnet vor: Der Deal kostet die deutsche Wirtschaft fünf Milliarden Euro. Grund dafür ist der erwartete Export-Rückgang in die USA um 15 bis 20 Prozent.
Eine gute Nachricht: Direkte und unmittelbare Auswirkungen auf die Löhne werden nicht erwartet. „Löhne in Deutschland werden wohl nicht betroffen sein“, sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank gegenüber Bild. Trotzdem kann die Situation mittel- bis langfristig zu Problemen führen. Denn viele Firmen können die Zoll-Mehrkosten nicht einfach weitergeben. Brzeski warnt: „Die einzelnen Unternehmen werden nicht alles an die Verbraucher weitergeben können und daher Gewinneinbußen erleiden.“ Diese sinkenden Gewinne könnten mittelfristig auf das Lohnniveau durchschlagen, vor allem in Branchen, die stark vom US-Geschäft abhängen. Die Folge: sinkende Margen, gestrichene Investitionen und langfristig weniger Luft für Lohnsteigerungen.
In der deutschen Wirtschaft war in ersten Reaktionen von Erleichterung keine Spur. „Diese Einigung ist ein schmerzhafter Kompromiss“, erklärte Dirk Jandura, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA). Jedes Prozent Zoll sei ein Prozent zu viel. „Der Zollaufschlag bedeutet für viele unserer Händler eine existenzielle Bedrohung.“ Jandura sprach von einem „harten Schlag für den Außenhandel“. Auch Wolfgang Niedermark, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) kritisiert: „Das Übereinkommen ist ein unzureichender Kompromiss und sendet ein fatales Signal an die eng verflochtene Wirtschaft auf beiden Seiten des Atlantiks“. Durch die Einigung mit den USA nehme die EU schmerzhafte Zölle in Kauf. (ls)