„Laufen über“

Trumps Zollpolitik verstopft europäische Häfen– muss Deutschland mit Folgen rechnen?

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Containerschiffe stehen vor langen Wartezeiten an europäischen Häfen. Unternehmen sehen die Ursache teilweise im Zollstreit zwischen China und den USA.

Vorsicht Staugefahr. Nicht auf den deutschen Autobahnen, aber an europäischen Häfen. Betroffen sind Schleppkähne und Containerschiffe, die aufgrund vom US-China-Zollstreit und einem niedrigen Wasserpegel im Rhein an Standorten wie Rotterdam, Antwerpen und auch Hamburg festhängen.

Die Financial Times berichtete am Montagmorgen (30. Juni 2025) über das Problem, mit dem sich die großen Häfen konfrontiert sehen. Caesar Luikenaar, Geschäftsführer der Reederei WEC Lines sagte der britischen Zeitung: „Alle großen Drehkreuze laufen über“. Unternehmen seien zum Beispiel in Rotterdam dazu gezwungen, eine Woche im Hafen zu verbringen, um alle notwendigen Container einzusammeln – eine Aufgabe, für die Logistikfirmen gewöhnlich drei Tage benötigten. Luikenaars Voraussage: „Es ist nicht etwas, das schnell gelöst wird.“ Er rechnet mit Jahren an Investitionen, um Kapazitäten zu erhöhen und dem Aufkommen gerecht zu werden.

Zollstreit zwischen China und USA: Produkte stranden in Europa

Unternehmen, die sich bisher auf planmäßige Lieferungen durch Schiffe verlassen haben, müssen eine neue Strategie aufbauen. Zuvor haben kleine Warenbestände kein Sorgen bereitet, weil das globale Logistiksystem verlässlich immer für Nachschub gesorgt hat.

Die vermuteten Stau-Ursachen: Zum einen die US-Zölle von Präsident Donald Trump, die Schifffahrtsunternehmen dazu zwingen, ein neues Netzwerk für Handelswege aufzubauen. Produkte aus Asien, die eigentlich die USA als Ziel hatten, werden auf europäische Standorte umgeleitet. Zum anderen müssen sich die Schleppkähne auf dem Rhein aktuell an Beschränkungen beim Beladen halten. Der Fluss trocknete im Frühling aus und aufgrund der seichten Stellen im Flussverlauf, dürfen die Schiffe nicht so tief wie gewöhnlich im Wasser liegen.

Spitzenauslastung am Hamburger Hafen: Reedereien sortieren sich neu

Die Auswirkungen der geopolitischen Situation, insbesondere in Bezug auf Trumps-Politik, wären auch am Hamburger Hafen zu spüren, sagt Mathias Schulz, Sprecher vom Hafen Hamburg Marketing-Team, dieser Redaktion. Allerdings sei die Lage in Hamburg im Vergleich nicht ganz so prekär. Die Terminal-Betreiber hätten ihm bereits mitgeteilt, dass es an den westlichen Häfen in Europa – also Rotterdam und Antwerpen – zu Verzögerungen kommt. „Das pflanzt sich dann auch bei uns fort.“

„Hinzu kommt die Neuordnung der Reedereiallianzen.“ Große Reedereien schließen sich gewöhnlich zusammen, um Ressourcen zu teilen und auf dem globalen Schifffahrtsmarkt wettbewerbsfähig zu sein. Schiffe, Routen und Terminals werden gemeinsam genutzt. „Manche Reedereien haben die Terminals gewechselt und neue Fahrpläne. Manches muss noch neu geordnet werden und viel ist in der Umplanung“, so der Sprecher. „Der Hafen ist ausgelastet und es ist schon eine Herausforderung, was alles gerade passiert.“

Engpässe an norddeutschen Häfen wegen Trumps Zöllen – was sind die Folgen für Deutschland?

Manche Branchen, die auf die Schifffahrt angewiesen sind, haben zudem aus vergangenen Erfahrungen gelernt: „Das produzierende Gewerbe hat basierend auf den Erfahrungen der Vergangenheit, insbesondere der Coronapandemie, dazugelernt“, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion von DHL. „In diesem Zuge haben Industrieunternehmen zum Beispiel Sicherheitspuffer in der Bevorratung angelegt und sind es gewohnt, mit sprunghaften Lieferketten umzugehen.“

Wenn auch aktuell die Situation in der Seefracht etwas angespannt sei, unter anderem durch Engpässe in nordeuropäischen Häfen, so deute aus Sicht der DHL nichts darauf hin, dass Produktionen stillstehen könnten, weil Komponenten fehlen. Ein solches Risiko für einzelne Bereiche ließe sich allerdings „nicht vollständig“ ausschließen, eben durch die neue Volatilität, die die globalen Handelswege betrifft.

Rubriklistenbild: © IMAGO/S. Ziese

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