„Mar-a-Lago“-Accord

Trumps zweifelhafte Absichten mit dem US-Dollar – was seine Idee wirklich bedeutet

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In Washington wird ein ungewöhnlicher Plan erörtert, um die Wettbewerbsfähigkeit der US-Exporte zu steigern. Die Kolumne „Gastwirtschaft“ von Rainer Voss.

Seit kurzer Zeit geistert ein neuer Begriff durch die Wirtschaftspresse: „Mar-a-Lago“-Accord. Er spielt auf den Plaza-Akkord von 1985 an, als die großen Industrienationen auf Initiative der USA eine Absprache zur Abwertung des Dollars trafen. Durch die permanenten Handelsbilanzdefizite der USA haben sich auch jetzt bei den großen Exportnationen Unsummen von US-Dollar angesammelt, die als Währungsreserven dieser Staaten im Wesentlichen in US-Staatsanleihen angelegt werden. Allein die Zinslast auf die US-Schulden beträgt momentan über eine Billion Dollar pro Jahr.

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Diese Unwucht lastet die neue amerikanische Regierung ihren Handelspartnern an, die die USA angeblich übervorteilen. Der Hauptgrund für die Defizite, das riesige amerikanische Haushaltsloch von sechs Prozent des BIP, bleibt dabei unerwähnt, ebenso wie die Tatsache, dass sich aufgrund der geplanten Steuererleichterungen für Superreiche so schnell nichts an dieser Situation ändern wird.

Da also aus US-Sicht die Übeltäter eindeutig identifiziert sind, soll eine fairere Verteilung der Welthandelsströme erreicht werden, indem man die Staaten mit großen Beständen an US-Staatsanleihen dazu zwingen will, diese in unverzinsliche Anleihen mit 100-jähriger Laufzeit zu tauschen. Das werde den Dollar schwächen, damit wettbewerbsfähiger machen und so die Renaissance der amerikanischen Güterexporte einläuten. Insgesamt liegen 40 Prozent der US-Schulden bei öffentlichen Schuldnern, deren größte Japan und China sind.

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Was die Idee für den „Mar-a-Lago“-Accord wirklich ist

Dabei ergeben sich Fragen über Fragen: Wie will man unabhängige Notenbanken dazu zwingen, diesem nachteiligen Tausch zuzustimmen? Wer übernimmt die gigantischen Abschreibungen? Was sagen die Rating-Agenturen? Was passiert mit den Anleihen bei Pensionskassen und Versicherungen? Und wer will nach solch einer Aktion auch nur noch einen Dollar in US-Anleihen investieren?

Am Ende der 90er Jahre bot uns ein Broker jedes Jahr zu Weihnachten zu wohltätigen Zwecken Perpetual Zero Bonds an, also unverzinsliche Anleihen ohne Rückzahlungsdatum; eine Spende auf originelle Art getarnt als Finanzinstrument. Da finanzmathematisch kein großer Unterschied zwischen einer Rückzahlung in 100 Jahren oder nie besteht, wird hier klar, was die Idee für den „Mar-a-Lago“-Accord wirklich ist: eine Sammelbüchse für die größte Volkswirtschaft der Welt !

Der Autor ist ehemaliger Investmentbanker und Protagonist des Dokumentarfilmes „Master of the Universe“.

Rubriklistenbild: © IMAGO / UPI Photo

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