Rettung schafft neue Probleme

UBS – die gefährlichste Bank der Welt: Im Notfall müsste auch Deutschland helfen

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Nach der Fusion mit der Credit Suisse kann die UBS bei Schieflage nicht mehr von der Schweiz allein gerettet werden. Auch andere Länder und Institutionen müssten mithelfen.

Zürich/Basel - Am heutigen Montag (12. Juni) wurde die Notübernahme der Credit Suisse durch die UBS vollzogen. „Dies ist der Beginn eines neuen, historischen Kapitels“, schreibt die Schweizer Großbank dazu in der Neuen Züricher Zeitung. Damit entsteht eine Bank, die nach Angaben von UBS-Chef Sergio Ermotti eine Bilanzsumme von rund 1,6 Billionen Dollar (rund 1,5 Billionen Euro) hat. Diese soll jedoch auf 1,35 bis 1,4 Billionen Dollar reduziert werden.

Ermotti warnte jedoch vor „holprigen“ Monaten, die der neuen Riesenbank bevorstünden. Das politisch forcierte Zusammenführen der größten und der zweitgrößten Schweizer Bank werde „Wellen“ schwieriger Entscheidungen nötig machen.

UBS - die gefährlichste Bank der Welt: Schweiz wäre bei einer Schieflage in großen Nöten

Im weltweiten Vergleich ist die fusionierte Bank kein großer Fisch. So kommt die US-Bank JPMorgan Chase auf eine Bilanzsumme von 3,7 Billionen Dollar. Was Experten beunruhigt ist, dass die Bilanzsumme der UBS laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung rund zweieinhalbmal so groß ist wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Schweiz. Zum Vergleich: JPMorgan Chase macht nur rund 16 Prozent des US-BIPs aus. Die Deutsche Bank kommt mit einer der UBS ähnlichen Bilanzsumme auf 35 Prozent des deutschen BIPs.

Nach der Übernahme der Credit Suisse kann die UBS in einer Notlage nicht mehr von der Schweiz allein gerettet werden.

Die Kennzahl „Bilanzsumme im Vergleich zum BIP“ gibt Auskunft darüber, ob eine Bank bei einer Schieflage vom eigenen Land aufgefangen werden kann. Die Schweiz hätte damit nach der Fusion von UBS und Credit Suisse ihre Nöte. Der Wirtschaftskurier schreibt dazu, dass „im Herzen Europas jetzt eine Bank erwächst, die viel zu groß ist, um jemals von der Schweiz aufgefangen werden zu können.“

UBS: Deutschland wäre erster Helfer in der Not

Da die UBS als „Too-Big-To-Fail“ gilt, müssten andere Länder und Institutionen eingreifen. Das wäre im Falle eines Falles auch Deutschland. Denn von Frankfurt/Main aus betreibt die UBS nach dem Brexit ihr Geschäft mit weiteren Ländern. Dazu zählen neben Deutschland auch Dänemark, Italien, Luxemburg, Österreich, Spanien und Schweden.

Gerhard Schick, Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende, schrieb dazu bereits im März: „Diese Rettung schafft neue Probleme. Mit dieser Fusion zweier Banken, die schon zuvor systemrelevant waren, erhalten wir einen noch größeren Akteur, der erst recht nicht pleitegehen darf. Diese Lösung ist nicht nachhaltig und verschärft das Too-Big-To-Fail-Problem nur noch.“

Schweiz übernimmt Verlustgarantie

Die UBS zahlt drei Milliarden Franken für die Konkurrentin. Das ist ein Schnäppchen, denn allein das Schweiz-Geschäft der Credit Suisse könnte nach Branchenschätzungen bei einem Börsengang bis zu 15 Milliarden Franken einbringen.

Aber die UBS erhält erst mit dem heutigen Vollzug der Übernahme volle Einsicht in alle Unterlagen der Credit Suisse und kann dann beginnen, die Risiken richtig abzuschätzen. Wenn bei der Abwicklung von Krediten, Derivaten und anderen strukturierten Produkten Verluste anfallen, trägt die UBS laut Vertrag die ersten fünf Milliarden Franken selbst. Liegen die Verluste höher, übernimmt der Schweizer Staat davon neun Milliarden Franken. Bei weiteren Verlusten muss die UBS wieder allein einspringen.

Rubriklistenbild: © Michael Buholzer/KEYSTONE/dpa

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