Credit-Suisse-Rettung

UBS und Credit Suisse – ein Jahr nach der Übernahme

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Vor UBS-Chef Sergio Ermotti liegen große Aufgaben. Dafür wird er aber auch fürstlich entlohnt.
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Im Juni 2023 übernahm die Schweizer Großbank in einer Notaktion den Konkurrenten Credit Suisse. Die Integration dürfte noch viele Jahre dauern.

München – Vor einem Jahr endete die Geschichte der Credit Suisse. Das 167 Jahre alte Geldhaus, lange Zeit eines mit herausragender Reputation, wurde formell vom bisherigen Konkurrenten UBS übernommen. Am 12. Juni verschwanden die Aktien auch von der Schweizer Börse. Schlusskurs: Knapp 82 Rappen (aktuell 84 Cents). Durch die Zusammenführung von UBS und Credit Suisse ist eine neue Mega-Bank entstanden. Wie geht es der neuen UBS? Welche Aufgaben liegen noch vor ihr?

Rettungsaktion für Credit Suisse – UBS springt ein

Zunächst ein kurzer Rückblick: Im März 2023 war die Credit Suisse (CS) in einer Rettungsaktion an einem Wochenende, die sehr an die großen Notfallsitzungen während der Finanzkrise ab 2007 erinnerte, der UBS zugeschlagen worden. Das Traditionshaus CS hatte sich vor allem durch hausgemachte Probleme in den Abgrund manövriert. Es ging um Geldwäsche, Geschäfte mit Diktatoren, die Veruntreuung von Geldern, die Bespitzelung von Ex-Beschäftigten, den Vorwurf der Selbstbedienungsmentalität des Managements und zu riskante Geschäfte.

Vor allem das Investmentbanking drehte ein zu großes Rad – und die Aufsicht schaute teils weg. Die Bank machte 2022 einen Verlust von 7,3 Milliarden Franken (7,4 Milliarden Euro). Dennoch wäre die Krise womöglich beherrschbar gewesen, wenn die Kundschaft nicht nervös geworden wäre und der Bank das Vertrauen entzogen hätte – was für die Bank zu einer Abwärtsspirale an der Börse führte.

Die UBS wurde gedrängt, den kleineren Konkurrenten zu übernehmen. Drei Milliarden Franken zahlte die UBS damals, zudem sollte sie für mögliche Verluste von bis zu fünf Milliarden Franken geradestehen. Die Schweizer Regierung übernahm ebenfalls Milliardengarantien und die Schweizer Notenbank half mit Liquiditätszusagen. Fachleute werteten die Übernahme als Schnäppchen für die UBS, was deren Chef Sergio Ermotti aber bis heute rigoros zurückweist. Und auch Volker Brühl, Geschäftsführer des Center for Financial Studies in Frankfurt meint: „Es gibt große Integrationsrisiken. Ich halte das für kein Schnäppchen.“

„Zeugnis für die Stärke unseres Geschäftsmodells“ – UBS überrascht mit Gewinn

Die Milliarden-Garantien des Schweizer Staats gab die UBS bereits unerwartet schnell im vergangenen August zurück. Im ersten Quartal 2024 überraschte die Bank mit einem Gewinn von 1,8 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro) – Analystinnen und Analysten hatten dagegen im Schnitt mit nur knapp 600 Millionen gerechnet. Bankchef Ermotti sprach von einem „Zeugnis für die Stärke unseres Geschäftsmodells.“ Und auch Thorsten Hens, Professor am Institut für Banking und Finance an der Universität Zürich, meint: „Der nun eingeschlagene Weg wird von der UBS gut beschritten.“

Die UBS hatte schon nach der Finanzkrise von 2008 massiv umgebaut und ihr Investmentbanking geschrumpft, statt dessen mehr auf die Vermögensverwaltung und das Asset Management gesetzt. Die CS dagegen hatte relativ gesehen noch ein deutlich größeres Investmentbanking, das nun integriert und geschrumpft werden muss. „Die UBS ist eine konservativere Bank als es die CS war“, sagt Hens.

Kostenreduktion bei UBS – Systemmigration als Herkulesaufgabe

Die UBS will nun massiv Kosten reduzieren. Ermotti hat den Aktionärinnen und Aktionären versprochen, bis 2026 insgesamt 13 Milliarden Dollar einzusparen, unter anderem durch Stellenstreichungen. Durch die Übernahme war die Zahl der UBS-Beschäftigten weltweit um rund 45.000 auf etwa 120.000 gestiegen. Ende März 2024 waren es noch etwa 111.500. Wie viel Personal insgesamt abgebaut werden muss, ist ungewiss – Beobachter:innen haben immer wieder zwischen 30.000 und 35.000 geschätzt.

Eine der größten Aufgaben für die kommenden Jahr sieht Bankenexperte Brühl in der Integration der IT der beiden Banken: „Als Laie kann man sich das nicht vorstellen, aber das ist eine Herkulesaufgabe. Hunderte Applikationen müssen migriert werden auf andere Systeme, das dauert mindestens zwei bis drei Jahre und ist sehr teuer. Erst wenn die IT vereinheitlich ist, können die beiden Bankteile richtig zusammenarbeiten.“

Auf die UBS kommt noch ganz anderes zu, weswegen Bankchef Ermotti auch immer wieder brüsk zurückweist, die CS billig eingekauft zu haben: Die Bank wird ihr Eigenkapital in den kommenden Jahren stark erhöhen müssen. Ermotti rechnete zuletzt vor, dass die Bank als Folge der Übernahme 19 Milliarden Dollar zusätzliches Kapital benötige.

Es knistert zwischen UBS-Management und Schweizer Regierung

Zudem hat aber die Schweizer Regierung im Frühjahr erklärt, dass sie bestimmte Eigenkapitalregeln für die Schweizer Banken verändern will – was für die UBS nach Schätzungen weitere 15 bis 25 Milliarden US-Dollar (14 bis 23,3 Milliarden Euro) Eigenkapitalbedarf ergeben würde. Großzügige Dividendenzahlungen oder Aktienrückkaufprogramme, wie die Bank sie zuletzt angekündigt hat, dürften dann erstmal nicht mehr drin sein. Aufsichtsratschef Colm Kelleher erklärte kürzlich, dass ihn die Pläne „ernsthaft besorgen“. Das Verhältnis zwischen dem UBS-Management und der Schweizer Regierung gilt als angespannt.

Auch die Gehälter des Vorstands dürften weiterhin für negatives Aufsehen sorgen: Bankchef Ermotti kehrte im April 2023 als CEO zur UBS zurück – und kassierte für die neun verbleibenden Monate des Jahres 14,4 Millionen Franken - wofür es Kritik hagelte.

Es gibt auch noch Rechtsrisiken aus der CS-Übernahme. Sowohl ehemalige Credit-Suisse-Aktionär:innen als auch CS-Anleihegläubiger:innen fordern Schadenersatz von der UBS. Aktionär:innen der UBS dagegen hat die CS-Übernahme bislang nicht geschadet. Ganz im Gegenteil: Der Kurs des Wertpapiers hat sich seit dem Zukauf steil nach oben bewegt und ein Rekordniveau erreicht. Die Dividende für 2023 hat die UBS um 27 Prozent auf 0,70 Dollar je Aktie erhöht.

Sorge um das Ansehen der Schweiz – „Wäre besser gewesen, Credit Suisse langsam abzuwickeln“

Die Investoren scheinen sich also recht sicher zu sein, dass die UBS die Integration der Credit Suisse gut bewerkstelligen wird. Und dass die einzige verbleibende Schweizer Großbank ohnehin stets unter der schützenden Hand des Staats stehen wird – auch wenn sowohl die Schweizer Bankenaufsicht Finma als auch die Regierung des Landes wiederholt betont haben, die UBS müsse abwicklungsfähig bleiben beziehungsfähig werden.

Offenbar hielten das Schweizer Politik und Aufsicht aber schon 2023 bei der viel kleineren CS für unmöglich, schon da fürchteten sie auch um das Ansehen des Finanzplatzes Schweiz. Die neue UBS hat nun eine Bilanzsumme von 1,6 Billionen Dollar (1,4 Billionen Franken). Die Schweiz hatte 2023 ein Bruttosozialprodukt von 795,3 Milliarden Franken. Und auch, wenn dieser Vergleich nur bedingt Aussagekraft hat, so zeigt er doch die durchaus bedrohliche Größe der neuen Bank. „Es wäre besser gewesen, die Credit Suisse über zehn Jahre langsam abzuwickeln, anstatt einen solchen unsinkbaren Supertanker zu bauen“, meint Bankenprofessor Brühl. Eine Meinung, die viele andere Bankenexpert:innen teilen.

Der Fall Credit Suisse aber zeigt erneut, dass die Abwicklung einer großen Bank von den Verantwortlichen trotz aller anderweitigen Bekundungen nach der Finanzkrise gemieden wird.

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