Chinesische Konkurrenz jubelt

Überlebenskampf der Autozulieferer: Wege aus der Krise

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Die Zukunft der Autozulieferer steht auf dem Spiel. Eine Studie nennt drei Strategien, mit denen die Branche gerettet werden könnte.

München – Die deutschen Automobilzulieferer stecken in der Krise. Das zeigen nicht nur Meldungen über Werksschließungen und Stellenstreichungen – Bosch und ZF Friedrichshafen sind nur zwei Beispiele. Auch viele kleine und mittelgroße Zulieferer wie Voit Automotive oder BBS mussten Insolvenz anmelden.

Auch Studien belegen die schlechte Lage der Branche. Constantin Gall, Marktexperte der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, sagt, dass die „Luft für die deutschen Zulieferer immer dünner wird“. Laut der Studie „Automobilzulieferer“ von PwC Strategy& verlieren die deutschen Zulieferer kontinuierlich Weltmarktanteile.

Krise der Autozulieferer: Es trifft vor allem Unternehmen aus Europa

„Was wir derzeit vor allem in der europäischen und nordamerikanischen Automobilzulieferindustrie beobachten, lässt sich gut als eine Phase der ‚Stagformation‘ beschreiben“, sagt Felix Mogge, Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger. „Die Zulieferer erleben einerseits eine Stagnation beim Volumenwachstum und sind andererseits mit einer Transformation konfrontiert, für die sie ihre Geschäftsmodelle dringend umgestalten müssen.“

Roland Berger gibt den kriselnden Autozulieferern Rettungsstrategien an die Hand (Symbolfoto)

Die Krise trifft die Branche weltweit. Das zeigt die Studie „Global Automotive Supplier“ von Roland Berger und der US-Investmentbank Lazard, für die 600 Automobilzulieferer weltweit analysiert wurden. Demnach sank deren EBIT-Marge von 2023 auf 2024 von 5,3 auf 4,7 Prozent.

Vor allem europäische und damit auch deutsche Unternehmen sind betroffen. Sie erreichen lediglich eine EBIT-Marge von 3,6 Prozent. Nur südkoreanische Zulieferer liegen mit 3,4 Prozent darunter. Chinesische Unternehmen stehen mit einer EBIT-Marge von 5,7 Prozent noch gut da.

Krise der Autozulieferer: Fünf Hauptreiber bilden den perfekten Sturm

Die Zulieferer sind in einem perfekten Sturm, für den Roland Berger fünf Hauptreiber identifiziert:

Rettende Strategien für die Autozulieferer: Portfolio optimieren und Partnerschaften eingehen

Roland Berger nennt drei Überlebensstrategien für Zulieferer. So sollten sie ihr Portfolio optimieren und nicht zum Kerngeschäft gehörende Bereiche aufgeben. Durch gezielte Partnerschaften sowie Fusionen und Übernahmen sollte die Marktposition gestärkt und ein Wettbewerbsvorteil gesichert werden.

Ein Beispiel hierfür ist die Übernahme von Vitesco, einer Ausgliederung von Continental, durch Schaeffler.

Das sind die 12 größten Unternehmen aus Baden-Württemberg

Die Zentrale der Schwarz-Gruppe, derSchwarz Finanz und Beteiligungs GMBH & Co. KG und derLIDL Stiftung & Co. KG in Neckarsulm.
Sagt Ihnen die Schwarz-Gruppe etwas? Der Mischkonzern ist mit 575.000 Mitarbeitern das größte Unternehmen aus Baden-Württemberg.  © Marijan Murat/dpa
Ein Schild weist auf eine Filiale des Lebensmitteldiscounters Lidl hin. Im Hintergrund befindet sich eine Filiale des Großflächen-Discounters Kaufland.
Weltweit bekannt sind die Discounter Lidl und Kaufland, die zur Schwarz-Gruppe gehören, aber dennoch Konkurrenten sind.  © Christian Johner/dpa
Die Hinterhof-Werkstatt von Robert Bosch, die er in den Jahren 1897 bis 1901 in der Kanzleistraße 22 in Stuttgart betrieb.
In diesem Hinterhof in Stuttgart wurde der größte Industriekonzern Baden-Württembergs gegründet. Wissen Sie welcher?  © Robert Bosch GmbH
Das Logo des Industriekonzerns Bosch ist an der Hauptverwaltung zu sehen.
Richtig: Die Robert Bosch GmbH mit weltweit 417.900 Mitarbeitern.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Werk der Daimler-Motoren-Gesellschaft in Stuttgart-Untertürkheim im Jahr 1908.
Wir bleiben historisch: Daimler-Motoren-Gesellschaft, Daimler-Benz, DaimlerChrysler, Daimler AG und heute... © Mercedes-Benz AG – Communications
Der Besuchereingang an der Mercedes-Benz Konzernzentrale in Stuttgart-Untertürkheim.
... Mercedes-Benz Group: Der Stuttgarter Autokonzern mit weltweit rund 175.000 Mitarbeitern darf hier nicht fehlen.  © Corporate Communication (MS/CC)
Die Stadt Friedrichshafen liegt am Bodensee, während im Hintergrund die Alpen in der Schweiz und in Österreich zu sehen sind.
Von Stuttgart an das Bodenseeufer: Hier hat ein weiterer global bedeutender Technologiekonzern seinen Hauptsitz.  © Felix Kästle/dpa
Das Forum der ZF Friedrichshafen wird von der Abendsonne angestrahlt.
Die ZF Friedrichshafen ist mit über 161.600 Mitarbeitern einer der größten Autozulieferer der Welt.  © Felix Kästle/dpa
Blick auf Gebäudeteile der Firmenzentrale des Software-Unternehmens SAP in Walldorf.
Darüber hinaus hat auch das wertvollste Unternehmen Europas seinen Sitz in Baden-Württemberg.  © Uwe Anspach/dpa
SAP-Unternehmenszentrale in Walldorf.
Genau, die SAP: der Softwarekonzern beschäftigt weltweit mehr als 109.000 Mitarbeiter. Nun geht es aber zurück in die Industrie.  © Uwe Anspach/dpa
Ein Mitarbeiter putzt vor der Präsentation den Mercedes-Stern des neuen Fernverkehrs-Lkw eActros 600.
Mercedes hatten wir doch schon in der Liste! Richtig, es gibt aber noch ein Unternehmen, das dieses legendäre Logo tragen darf.  © Jonas Walzberg/dpa
Ein Mercedes-Benz Lastwagen steht vor der Zentrale von Daimler Truck.
Daimler Truck gilt mit rund 102.900 Mitarbeitern als größter Nutzfahrzeughersteller der Welt.  © Bernd Weißbrod/dpa
Influencerin Pamela Reif (l) kassiert in einer dm Filiale für einen guten Zweck.
Na gut, ein Export-Schlager aus Karlsruhe darf auch nicht fehlen. Und damit ist nicht Influencerin Pamela Reif gemeint.  © Christoph Schmidt/dpa
Eine dm-Filiale in Homburg, Saarland.
Sondern dm. Die Drogeriemarktkette gilt mit 4.100 Filialen und knapp 90.000 Mitarbeitern als größte der Welt. © IMAGO/Lobeca
Eine Zweigstelle von Würth in Kempten im Allgäu, Bayern.
Wenn wir schon bei Superlativen sind: Auch das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik hat seinen Sitz im Ländle.  © IMAGO/imageBROKER/Manfred Bail
Der Konzernsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau, Baden-Württemberg.
Würth: Aus einem Schraubenhandel in Künzelsau entwickelte sich ein Weltkonzern mit heute über 88.000 Mitarbeitern. © IMAGO/Arnulf Hettrich
Arnd Franz, der Vorstandsvorsitzende des Automobilzulieferers Mahle, betrachtet bei der Bilanz-Pressekonferenz am Stammsitz in Stuttgart ein Gravel-Bike mit einem Mahle Antrieb.
Ein bekannter Fahrrad-Hersteller aus Baden-Württemberg? Nein, hier geht es um den Antrieb.  © Bernd Weißbrod/dpa
Das Logo des Autozulieferers Mahle ist an der Zentrale des Unternehmens zu sehen.
Autozulieferer Mahle, der natürlich nicht nur Fahrrad-Antriebe baut, beschäftigt weltweit knapp 70.000 Menschen.  © Marijan Murat/dpa
Die Werkszentrale von Freudenberg in Weinheim.
Freudenberg? Hier geht es nicht um die bayerische Gemeinde, sondern um einen echten Hidden Champion. © Ronald Wittek/dpa
: Ein Putzgerät der Marke Vileda liegt im Showroom des Technologiekonzerns Freudenberg.
Der Freudenberg-Konzern beschäftigt mehr als 52.000 Mitarbeiter und ist vor allem für die Marke Vileda bekannt.  © Uwe Anspach/dpa
Eine Firmenlogo des Baustoffkonzerns „Heidelberg Materials“, ehemals „HeidelbergCement“, ist an einem vor der Firmenzentrale geparkten Betonmischer angebracht.
Von Reinigungsprodukten zum weltgrößten Baustoffhersteller? So ist das halt mit Listen, die nach Mitarbeiterzahl geordnet sind.  © Uwe Anspach/dpa
Firmenzentrale des börsennotierten Baustoffkonzerns Heidelberg Materials in Heidelberg, Baden-Württemberg.
Heidelberg Materials, ehemals unter anderem HeidelbergCement, beschäftigt rund 51.000 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten.  © IMAGO/Udo Herrmann
Eine Mitarbeiterin geht im Lager des Pharma-Großhändlers Phoenix in Gotha (Thüringen) zwischen Regalen entlang.
Und was wird hier gelagert? Schrauben, Werkzeuge? Nein, Pharmazubehör - und Ausrüstung.  © Martin Schutt/dpa
Ein Firmenschild mit dem Unternehmenslogo steht vor der Firmenzentrale des Pharmahändlers Phoenix.
Der Pharmagroßhändler Phoenix Pharma mit Hauptsitz in Mannheim beschäftigt über 48.000 Mitarbeiter.  © Uwe Anspach/dpa
Das Logo des Optikkonzerns Zeiss auf Flaggen vor dem Firmensitz (links). Das Wappen von Sportwagenbauer Porsche (rechts).
Weitere große Unternehmen sind Zeiss (rund 46.000 Mitarbeiter) und der Sportwagenbauer Porsche (mehr als 42.000 Angestellte).  ©  IMAGO/CHROMORANGE & Marijan Murat/dpa

Rettende Strategien für die Autozulieferer: Regionale Ausrichtung ausbauen

Des Weiteren sollte die Strategie regional ausgerichtet werden, mit einem Schwerpunkt auf Europa, den USA und China als Kernregionen. Die Zulieferer sollten dabei eine operative Widerstandsfähigkeit aufbauen, indem sie ihre Produktion vor Ort verankern (local-for-local production) und die Abhängigkeiten in der Lieferkette diversifizieren.

Rettende Strategien für die Autozulieferer: Kosten müssen runter

Schließlich müssen die Kosten gesenkt werden. Die Produktion sollte in die kostengünstigsten Länder verlegt, die Automatisierung ausgebaut und KI-gestützte Prozessoptimierung genutzt werden. Zudem sollte die Digitalisierung auf alle Bereiche ausgedehnt werden.

Der noch im Bereich Verbrennungsmotoren erzielte Cash Flow sollte in Elektroauto-Technologien investiert werden, um die Gewinne langfristig zu sichern. Eine branchenweite technologische Standardisierung soll dazu beitragen, die Komplexität der Komponenten zu verringern und die Kosten weiter zu reduzieren.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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