Überlebenskampf der Autozulieferer: Wege aus der Krise
VonMarkus Hofstetter
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Die Zukunft der Autozulieferer steht auf dem Spiel. Eine Studie nennt drei Strategien, mit denen die Branche gerettet werden könnte.
München – Die deutschen Automobilzulieferer stecken in der Krise. Das zeigen nicht nur Meldungen über Werksschließungen und Stellenstreichungen – Bosch und ZF Friedrichshafen sind nur zwei Beispiele. Auch viele kleine und mittelgroße Zulieferer wie Voit Automotive oder BBS mussten Insolvenz anmelden.
Auch Studien belegen die schlechte Lage der Branche. Constantin Gall, Marktexperte der Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY, sagt, dass die „Luft für die deutschen Zulieferer immer dünner wird“. Laut der Studie „Automobilzulieferer“ von PwC Strategy& verlieren die deutschen Zulieferer kontinuierlich Weltmarktanteile.
Krise der Autozulieferer: Es trifft vor allem Unternehmen aus Europa
„Was wir derzeit vor allem in der europäischen und nordamerikanischen Automobilzulieferindustrie beobachten, lässt sich gut als eine Phase der ‚Stagformation‘ beschreiben“, sagt Felix Mogge, Partner bei der Unternehmensberatung Roland Berger. „Die Zulieferer erleben einerseits eine Stagnation beim Volumenwachstum und sind andererseits mit einer Transformation konfrontiert, für die sie ihre Geschäftsmodelle dringend umgestalten müssen.“
Die Krise trifft die Branche weltweit. Das zeigt die Studie „Global Automotive Supplier“ von Roland Berger und der US-Investmentbank Lazard, für die 600 Automobilzulieferer weltweit analysiert wurden. Demnach sank deren EBIT-Marge von 2023 auf 2024 von 5,3 auf 4,7 Prozent.
Vor allem europäische und damit auch deutsche Unternehmen sind betroffen. Sie erreichen lediglich eine EBIT-Marge von 3,6 Prozent. Nur südkoreanische Zulieferer liegen mit 3,4 Prozent darunter. Chinesische Unternehmen stehen mit einer EBIT-Marge von 5,7 Prozent noch gut da.
Krise der Autozulieferer: Fünf Hauptreiber bilden den perfekten Sturm
Die Zulieferer sind in einem perfekten Sturm, für den Roland Berger fünf Hauptreiber identifiziert:
in weltweit stagnierendes Produktionsvolumen, von dem vor allem Europa betroffen ist.
Die Transformation hin zum Elektroauto verläuft langsamer als erwartet.
Der Trend geht zum software-definierten Fahrzeug mit immer mehr Assistenz- und Konnektivitätsfunktionen.
Zulieferer sehen sich einem steigenden Kostendruck ausgesetzt, da vor allem bei Elektroautos neue Marktteilnehmer hinzukommen.
Rettende Strategien für die Autozulieferer: Portfolio optimieren und Partnerschaften eingehen
Roland Berger nennt drei Überlebensstrategien für Zulieferer. So sollten sie ihr Portfolio optimieren und nicht zum Kerngeschäft gehörende Bereiche aufgeben. Durch gezielte Partnerschaften sowie Fusionen und Übernahmen sollte die Marktposition gestärkt und ein Wettbewerbsvorteil gesichert werden.
Ein Beispiel hierfür ist die Übernahme von Vitesco, einer Ausgliederung von Continental, durch Schaeffler.
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Rettende Strategien für die Autozulieferer: Regionale Ausrichtung ausbauen
Des Weiteren sollte die Strategie regional ausgerichtet werden, mit einem Schwerpunkt auf Europa, den USA und China als Kernregionen. Die Zulieferer sollten dabei eine operative Widerstandsfähigkeit aufbauen, indem sie ihre Produktion vor Ort verankern (local-for-local production) und die Abhängigkeiten in der Lieferkette diversifizieren.
Rettende Strategien für die Autozulieferer: Kosten müssen runter
Schließlich müssen die Kosten gesenkt werden. Die Produktion sollte in die kostengünstigsten Länder verlegt, die Automatisierung ausgebaut und KI-gestützte Prozessoptimierung genutzt werden. Zudem sollte die Digitalisierung auf alle Bereiche ausgedehnt werden.
Der noch im Bereich Verbrennungsmotoren erzielte Cash Flow sollte in Elektroauto-Technologien investiert werden, um die Gewinne langfristig zu sichern. Eine branchenweite technologische Standardisierung soll dazu beitragen, die Komplexität der Komponenten zu verringern und die Kosten weiter zu reduzieren.