Politik muss langfristig denken

Übermäßige Kosten für Lohn und Rente: „Jüngeren wird damit die Luft abgeschnitten“

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Ein Experte für Wirtschaft kritisiert die Renten-Pläne der neuen Regierung, besonders mit Blick auf jüngere Menschen. Er befürchtet eine Abwanderung.

Berlin - In ihrem Koalitionsvertrag versprechen Union und SPD, dass die Renten nicht nur stabil bleiben sollen, sondern steigen. Das Rentenniveau wolle man bis 2031 bei 48 Prozent sichern, Beschäftigte können nach 45 Berufsjahren wie bisher vorzeitig in Rente gehen und das Rentenalter 67 wird nicht weiter erhöht. Die Mehrkosten will die Koalition unter anderem mit Steuermitteln ausgleichen.

Doch geht dieser Plan auf und vor allem: Ist er zielführend? Politik- und Wirtschaftsexperten haben ihre Zweifel. So auch Steffan Kooths, Direktor des Forschungszentrums Konjunktur und Wachstum im Kieler Institut für Weltwirtschaft. Im Interview mit dem ZDF warf Kooths der neuen Regierung vor, auf Zeit zu spielen. Richtige Antworten auf das Rentenproblem findet er in dem Koalitionsvertrag offenbar nicht. Und wenn wir keine Antworten finden, könnten wir die jüngere Generation als Arbeitskräfte zunehmend verlieren.

Das Hauptproblem im Rentensystem: die Alterung der Gesellschaft

Dass die Gesellschaft altert und das Rentensystem unter Druck setzt, ist ein bekanntes Problem. In den kommenden Jahren werden immer weniger Beschäftigte in die Rentenkasse einzahlen - immer mehr Menschen bekommen Altersbezüge. Nach offiziellen Berechnungen würde das Rentenniveau ohne Änderung von heute 48 Prozent bis 2030 auf 46,9 und 2045 auf 44,9 Prozent sinken. Anders gesagt: Die Renten würden weniger stark steigen im Vergleich zu den Einkommen der Erwerbstätigen. 

Wirtschaftsexperte kritisiert fehlende Perspektive im Rentensystem

Kooths warnte angesichts der steigenden Nebenlohnkosten in Deutschland, dass Arbeit „teurer“ wird, ohne „dass dem eine höhere Produktivität gegenübersteht“. Das habe laut dem Experten vor allem Folgen für die Jüngeren: Sie müssen im Ernstfall nicht nur mehr in die Rentenkasse einzahlen, sondern leiden auch stärker unter den Zinslasten, für die „immer größere Anteile der öffentlichen Haushalte“ reserviert sind. 

„Zukünftige Generationen werden immer weniger Handlungsspielraum haben, um im Staatshaushalt eigene Akzente zu setzen. Den Jüngeren wird damit die Luft abgeschnitten“, kritisierte der Experte gegenüber ZDF.

Für junge Menschen wird die Luft im Rentensystem immer dünner. (Montage)

Wenn die Regierung mehr Abgaben verlangt und Unternehmen sich gezwungen sehen, ihre Preise zu erhöhen, verliere Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit. Arbeitnehmer würden automatisch nach attraktiveren Standorten suchen, wo zum Beispiel die Abgabenquote fairer erscheint. „Das bedeutet dann, dass Jüngere abwandern und zwar insbesondere diejenigen, die besonders produktiv sind, das sind typischerweise gleichzeitig die mobilsten“, so Kooths.

„Ernsthafte Finanzierungscschwierigkeiten“: Experten schlagen Alarm - doch was ist die Lösung?

Mit seiner Kritik am Koalitionsvertrag ist der Wirtschaftsexperte nicht alleine. Auch der Sozialexperte Jochen Pimpertz vom arbeitgebernahen Forschungsinstitut IW warnte bereits Mitte April: „Die neue Koalition steuert in ernsthafte Finanzierungsschwierigkeiten hinein.“ Aus Sicht der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm verpasst der Koalitionsvertrag die Chance, „die gesetzliche Rentenversicherung langfristig zukunftsfest zu machen“, sagte sie der Augsburger Allgemeinen.

Rentner aufgepasst: Das sind die besten Länder für die Rente

Strand am Tayrona National Natural Park, Kolumbien.
Kolumbien hat es auf Platz 10 des Rankings von International Living geschafft. Das südamerikanische Land punktet demnach mit schönen Stränden und Natur, niedrigen Lebenshaltungskosten und einfachen Einreisebestimmungen. Allerdings sollten Auswanderungswillige auch die Sicherheitsrisiken dort beachten.  © robertharding/Imago
Mont-Saint-Michel in der Normandie: Unser Nachbarland hat nicht nur ein gutes Transport- und Gesundheitssystem, sondern auch schöne Städte und Natur zu bieten.
„Leben wie Gott in Frankreich“ ist nicht umsonst ein Sprichwort: Unser Nachbarland auf Platz 9 hat nicht nur ein gutes Transport- und Gesundheitssystem, sondern auch schöne Städte und Natur zu bieten. © robertharding/Imago
Die Insel Langkawi in Malaysia: Das südostasiatische Land ist im GRI-Ranking ein Newcomer.
Malaysia ist im GRI-Ranking ein Newcomer. Das multikulturelle südostasiatische Land bietet Auswanderungswilligen laut International Living große Gastfreundlichkeit, niedrige Lebenshaltungskosten und ein warmes tropisches Klima, das aber manchen Ruheständlern auch zu viel sein könnte. © Addictive Stock/Imago/Gabriel Trujillo
Thassos: Platz sieben im Ranking belegt Griechenland.
Platz sieben im Ranking belegt Griechenland. Das europäische Land überzeugt demnach nicht nur mit seiner Schönheit und dem milden Klima, sondern auch mit einem guten Gesundheitssystem und niedrigeren Lebenshaltungskosten. © robertharding/Imago/Frank Fell
Wandern am Illiniza Norte Volcano: Platz sechs belegt im Ranking des Magazins Ecuador – wohl auch wegen seiner Nähe zu den USA.
Platz sechs belegt im Ranking des Magazins Ecuador – wohl auch wegen seiner Nähe zu den USA. Das südamerikanische Land bietet ein mildes Klima, atemberaubende Natur und niedrige Lebenshaltungskosten. Doch wegen der aktuellen unruhigen politischen Situation rät das Magazin Auswanderungswilligen dazu, erstmal abzuwarten. © VWPics/ Matthew Williams-Ellis/Imago
Strand in Port de Soller, Mallorca: In einem Ranking über Ruhestandsparadiese darf natürlich Spanien nicht fehlen.
In einem Ranking über Ruhestandsparadiese darf natürlich Spanien nicht fehlen. Viele Sonnentage mit einem milden Klima gepaart mit einem guten Gesundheitssystem und einem großen kulturellen Angebot: Das südeuropäische Land auf Platz 5 erfreut sich schon länger bei auswanderungswilligen Senioren großer Beliebtheit. © Zoonar.com/Volker Rauch/Imago
Strand in Panama: Karibische Strände, mildes Klima und Steuervergünstigungen sprechen laut International Living für das zentralamerikanische Land.
Oh wie schön ist Panama: Karibische Strände, mildes Klima und Steuervergünstigungen sprechen laut International Living für das zentralamerikanische Land.  © Panthermedia/lesniewski/Imago
Strand in Tulum, Mexiko: Überzeugt haben International Living neben der Schönheit des Landes die niedrigen Lebenshaltungskosten
Auf dem Siegertreppchen im Ranking ist Mexiko mit Platz 3 gelandet. Überzeugt haben International Living neben der Schönheit des Landes die niedrigen Lebenshaltungskosten – auch im Gesundheits- und Immobilienbereich.  © Zoonar.com/Loes Kieboom/Imago
Machico in Madeira: Schon länger kein Geheimtipp mehr ist das schöne Portugal, das es im Ranking auf Platz 2 geschafft hat.
Schon länger kein Geheimtipp mehr ist das schöne Portugal, das es im Ranking auf Platz 2 geschafft hat. Rund 800.000 Auswanderer hat es mittlerweile nach Portugal gezogen, berichtet International Living. Das Land an der europäischen Atlantikküste punktet mit Sicherheit, guter Gesundheitsversorgung und einem milden Klima. © Zoonar.com/Mjucha/Imago
Strand in Costa Rica: Das Land gilt als „Schweiz Mittelamerikas“ – es ist sicher und stabil.
Auf Platz eins landet Costa Rica. Das Land gilt als „Schweiz Mittelamerikas“ – es ist sicher und stabil. Zudem überzeugen International Living die niedrigen Lebenshaltungskosten, schöne Natur und Strände sowie die „gute Lebensqualität“. Costa Rica bemüht sich zudem aktiv mit Steuervergünstigungen um Senioren. © YAY Images/xajnx 6025/Imago

Ganz anders, aber nicht weniger scharf fiel die Kritik der Linken aus. Ein Rentenniveau von 48 Prozent, das sei „nichts anderes als eine Fortschreibung von Altersarmut“, kritisierte Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek. Schon jetzt lebe jeder fünfte Rentner in Armut. „Anstatt dieses Elend zu zementieren, muss das Rentenniveau endlich wieder auf 53 Prozent erhöht werden“, fordert sie. 

Ginge es nach Steffan Kooths, dürften sich Union und SPD grundsätzlich nicht auf ein Rentenniveau von 48 Prozent versteifen – man klammere sich damit zu sehr an einen Status Quo. Statt kurzfristig zu denken, bräuchte es eine Politik, die langfristig denkt und wieder die wirtschaftlichen Kräfte in Deutschland stärkt. Davon würden Ältere und Jüngere zugleich profitieren. In anderen Worten: Nicht der Anteil vom Kuchen sollte wachsen, sondern der ganze Kuchen. (nz/dpa)

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