Ukraine-Krieg

Europäischer Luxus in Russland – trotz Sanktionen

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Schon vor Jahren hat die Europäische Union die Ausfuhr von Luxusgütern nach Russland verboten. Trotzdem finden sich vielerlei Waren in russischen Läden. Die Hersteller geben sich machtlos.

Moskau – Schon kurz nach der Krim-Annexion hatten westliche Länder Sanktionen gegen Russland eingesetzt. Im Zuge des Ukraine-Kriegs verschärften sie diese noch. Seit Monaten ist die Wirkungsweise der westlichen Sanktionen ein Thema erhitzter Diskussionen. Daran, wie sich Indien langsam von Russland abwendet oder wie Wladimir Putin ein LNG-Prestigeprojekt auf Eis legen musste, zeigt sich jetzt verstärkt ihre Wirksamkeit. Die Sanktionen auf Luxusgüter hingegen kämpfen mit Problemen.

Westliche Sanktionen verhindern Ausfuhr von Luxusgütern – auf dem Papier

Welche Luxusgüter westliche Unternehmen nicht nach Russland ausführen dürfen, ist in der EU-Verordnung 833 aus dem Jahr 2014 festgelegt. Diese schreibt unter anderem vor, dass Hersteller „Luxusgüter mit oder ohne Ursprung in der Union“ nicht an „natürliche oder juristische Personen, Organisationen oder Einrichtungen in Russland oder zur Verwendung in Russland“ verkaufen oder liefern dürfen. Es handelt sich also schon um eine der älteren Sanktionen, die allerdings im Februar 2024 noch ein Update bekam. Der Haken an der Sache: Aktuell gelten die Verbote für Luxusgüter, deren Wert 300 Euro pro Stück übersteigt.

Zu den sanktionierten Luxusgütern gehören:

  • Lebensmittel (Trüffel, Kaviar, Weine)
  • Lederartikel
  • Kleidung (Mäntel, Schuhe, etc.)
  • Perlen, Edel- und Schmucksteine
  • Verschiedene Elektrogeräte (zum Beispiel Kühlschränke)

Die Idee dahinter war, dass die russische Elite die Isolation Russlands spüren sollte. Luxus ist für die Zielgruppe der Reichen und Mächtigen innerhalb des Landes ein größeres Anliegen. „Die russische Kundschaft hatte schon immer ausgeprägte Vorlieben für exklusive Materialien und eine klare Neigung zu hochpreisigen Produkten“, zitierte das Handelsblatt die Bain-Luxusexpertin Federica Levato dazu.

Wladimir Putin an einem Schreibtisch sieht sich Dokumente an. Schon vor Jahren hat die Europäische Union die Ausfuhr von Luxusgütern nach Russland verboten. Trotzdem finden sich vielerlei Waren in russischen Läden. Die Hersteller geben sich machtlos.

„Diejenigen, die Putins Kriegsmaschinerie am Laufen halten, sollen nicht länger ihrem pompösen Lebensstil frönen können, während Bomben auf unschuldige Menschen in der Ukraine fallen“, teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen kurz nach Kriegsbeginn mit.

Händler finden neue Wege, um Sanktionen zu umgehen

Aber auch fast zehn Jahre nach dem Einsatz dieser Sanktionen gibt es in Russland Designerkleidung und teure Accessoires aus dem Westen. Luxusfirmen aus Deutschland und Europa könnten sich dabei strafbar machen. Wie das Handelsblatt berichtete, haben sich zwar viele Luxuslabels aus Russland zurückgezogen, darunter Hermès (Mode), Swarovski (Schmuck) und Richemont, andere aber liefern aktiv weiter an Großhandelspartner. Hugo Boss zum Beispiel nutze ein Loophole, demzufolge die 300-Euro-Grenze auf die Exportkosten bezogen sei, nicht auf die Verkaufskosten einzelner Produkte. Die Exportkosten könnten auch für sehr teure Waren unter 300 Euro liegen.

Gleichzeitig ist ein illegaler Parallelhandel entstanden. Zum Beispiel kann ein im Westen hergestellter Luxusanzug nach Istanbul gelangen, wo der Händler ihn (legal) verkauft. Professionelle Zwischenhändler oder auch Privatpersonen können ihn dann illegal nach Russland weiter transportieren, um ihn dort weiterzuverkaufen. Solche Vorgänge können die Produzenten nur schwerlich verhindern, seien aber dennoch für den Bruch von Sanktionen verantwortlich. Mögliche Konsequenzen: Teure Strafzahlungen oder gar Gefängnisstrafen für die Verantwortlichen.

Andersherum funktioniert das ähnlich: Seitdem die Bundesrepublik die Einfuhr von russischen Diamanten sanktioniert hatte, geht Russland den Umweg über Indien, um seine Waren trotzdem im Westen anzubringen. Trotz Sanktionen landen also westliche Luxuswaren in Russland, russische dagegen im Westen.

Deutliche Preissteigerungen nach Sanktionen auf Luxusgüter

Trotzdem sind die Sanktionen für westliche Luxusgüter keineswegs wirkungslos. Für die Zwischenhändler hat sich sicherlich wenig geändert – die Tagesschau berichtete in dem Kontext über einen Händler für Luxusautos, demzufolge lediglich die Handelsrouten anders seien. „Sie haben keine Ahnung, wie viele alternative Möglichkeiten es in Russland gibt, ins Land zu kommen“, erklärte der Händler. Das Land sei schlichtweg zu groß, um sinnvoll Einfuhren zu verhindern. Luxusautos sind allerdings nicht konkret als Luxusgüter sanktioniert, sondern extern als Autos.

Die Kunden aber spüren die Sanktionen durchaus. Eine Studie der Yale School of Management zeigte, dass etwa neue Ersatzteile für Flugzeuge oder Bildschirme für iPhones in Russland deutlich teurer seien. Hier gehe es um Kostensteigerungen zwischen 100 und 500 Prozent.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mikhail Metzel/Kremlin Pool / ZUMA Wire

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