Wirtschaftskrise

Putins Würgegriff: Ukraine-Krieg hat für Deutschland bittere Folgen

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Putins Überfall auf die Ukraine hat hohe Kosten für die deutsche Wirtschaft verursacht. Zudem belasten die hohen Energiepreise den Haushalt.

Berlin – Die deutsche Wirtschaft hat viele Baustellen. Zudem trägt der Ukraine-Krieg dazu bei, dass die Wirtschaft nur langsam wächst. Laut einer Rechnung des Bundeswirtschaftsministeriums haben der Krieg in der Ukraine und die Energiekrise Deutschland zu Wohlstandsverlusten von etwa 160 Milliarden Euro geführt.

Ukraine-Krieg schwächt Wirtschaft in Deutschland

Vor dem Ukraine-Krieg war die Bundesregierung von einem durchschnittlichen preisbereinigten Wirtschaftswachstum von jährlich rund 3,0 Prozent in den Jahren 2022 und 2023 ausgegangen. Tatsächlich nahm das BIP jährlich nur um 0,7 Prozent zu. Der reale Unterschied betrage somit insgesamt rein rechnerisch rund vier Prozent oder etwa 160 Milliarden Euro, erklärte das Ministerium auf Anfrage des Linken-Abgeordneten Jörg Cezanne. Die Antwort lag der AFP am Donnerstag (18. April 2024) vor.

Putins Überfall auf die Ukraine kostet Deutschland 160 Milliarden Euro.

Allerdings betonte das Ministerium, dass die Rechnung keine vollständige Aussagekraft hat. „Eine Quantifizierung der Wohlstandverluste durch die sich überlagernden negativen exogenen Einflussfaktoren der letzten Jahre, zuvorderst der Corona-Pandemie und des völkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, ist nicht möglich“, so das Ministerium. Hierfür wäre die Kenntnis darüber erforderlich, wie sich die deutsche Wirtschaft ohne diese Schocks entwickelt hätte.

Putins Angriff auf die Ukraine hat auch Folgen für die deutsche Wirtschaft

Der Linken-Politiker Cezanne kritisierte die Bundesregierung und drängt zum schnellen Handeln. Die Regierung sei sich bewusst, dass es „eklatante Wohlstandsverluste gibt“, sagte Cezanne der Nachrichtenagentur AFP. „Sie reagiert darauf aber vollkommen unzureichend, mit Haushaltskürzung und einem irrwitzigen Sparkurs“. Ausgleichsmaßnahmen gegen die hohen Gas- und Strompreise reichten nicht aus, die Schuldenbremse behindere nötige Investitionen.

Nach einer Berechnung der Hans-Böckler-Stiftung für das ARD-Magazin „Panorama“ ist der Wohlstandsverlust sogar noch viel höher. Laut dieser Rechnung verlor Deutschland infolge des Ukraine-Kriegs pro Jahr fünf Prozent seines Bruttoinlandsprodukts jährlich. Grundlage sind die Schätzungen des Internationalen Währungsfonds aus dem Herbst 2021 für das deutsche BIP bis ins Jahr 2024. Pro Kopf seien das im Schnitt etwa 2.600 Euro jährlich.

Wegen Putin erleidet Deutschland Wohlstandsverlust

In anderen Ländern sind die Wohlstandsverluste geringer. In Schweden sind es laut Sebastian Dullien von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung der ARD 1.700 Euro, in Italien 230 Euro. Der Durchschnitt im EU-Raum liege bei etwa 880 Euro. „Deutschland hat ein paar strukturelle Charakteristika, die es besonders verwundbar gemacht haben“, sagte Dullien dem Sender, „wir haben einen sehr großen Industriesektor. Das heißt, wir verbrauchen viel Energie“. Hinzu komme, dass die Bundesregierung „relativ spät“ in die Gasmärkte eingegriffen habe.

In einer Studie des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel vom 14. Februar 2024 gingen die Ökonomen noch von einem Verlust von etwa 120 Milliarden US-Dollar für die deutsche Wirtschaft aufgrund des Ukraine-Kriegs aus. „Der russische Angriff auf die Ukraine hat enormen wirtschaftlichen Schaden in der Ukraine, aber auch in den Nachbarländern und in Deutschland angerichtet“, sagte Moritz Schularick, Co-Autor der Studie. Nicht am Krieg beteiligte Drittländer müssen bis 2026 mit einem BIP-Verlust von rund 250 Milliarden Dollar rechnen, 70 Milliarden davon allein in der Europäischen Union. (bohy mit Material der AFP)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa/ Mikhail Metzel/dpa (montage)

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