Investition ins Gemeinwohl

Milliarden Euro mehr an Erbschafts- und Schenkungssteuer: „Historisches Moment“ der Umverteilung

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Die Erbschaft- und Schenkungssteuer steigt. Ein „historisches Moment“ der Vermögensübertragung zeichnet sich ab. Die kann für das Gemeinwohl genutzt werden.

Frankfurt – Die Deutschen haben wieder mehr Vermögen über Erbschaften und Schenkungen weitergegeben. 2024 hatten die Finanzverwaltungen darauf eine Erbschaft- und Schenkungssteuer in Höhe von 13,3 Milliarden Euro festgesetzt – und damit 12,3 Prozent mehr als im Vorjahr. 8,5 Milliarden entfielen auf die Erbschaftssteuer, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch, 3. September, verkündete.

Wieder mehr Schenkungs- und Erbschaftsteuer: „Historisches Moment“ der Vermögensübertragung

Bei der Vermögensübertragung „ist jetzt ein historisches Moment zu sehen“, beobachtet Barbara Gruner, die im Vorstand der „SOS-Kinderdörfer weltweit“ sitzt, angesichts der Entwicklung. Konkret geht es ihr um die Dimension, „was Breite und Höhe der vererbten Vermögen angeht“. Durch den Wirtschaftsboom nach dem Zweiten Weltkrieg habe es einen enormen Zuwachs an Vermögen gegeben. Diesen „beobachten wir auch heute bei der Übertragung an die nächste Generation oder auch an NGOs“.

Angesichts der steigenden Erbschaft- und Schenkungssteuer-Zahlungen sieht Barbara Françoise Gruner, Vorständin der SOS-Kinderdörfer weltweit, einen „historischen Moment der Vermögensübertragung“.

Für die Übertragung des Vermögens an soziale Organisationen wirbt Gruner. Seit sieben Jahren ist sie bei den „SOS-Kinderdörfern weltweit“, seit 2023 ist sie im Vorstand. Sie sieht Testamentsspenden als wichtigen Teil, wie sich Organisationen wie ihre finanzieren können. „Wir müssen uns darum Gedanken machen, wie wir die Übertragung von Vermögen in soziale Aspekte einer Gesellschaft fördern“, sagte Gruner im Gespräch mit IPPEN.MEDIA.

Erbschaften wichtige Einnahmequelle für wohltätige Organisationen

Verstärkt wird das dadurch, dass die öffentlichen Haushalte, welche die Arbeit von gemeinnützigen Organisationen unterstützen, derzeit stark unter Druck sind. Der Bund hat etwa ein Defizit von 173 Milliarden Euro in den kommenden Jahren. Schon jetzt bemerken die Hilfsorganisationen die Folgen. „Die Finanzierung aus den öffentlichen Haushalten, etwa aus dem Bundesentwicklungsministerium oder dem Auswärtigen Amt, hat sich in diesem Jahr halbiert“, erklärte Gruner.

Bei den SOS-Kinderdörfern seien Erbschaftsnachlässe „traditionell eine wichtige Einnahmequelle“, sagte Gruner. Für viele Menschen liege es nahe, ihr Vermögen an die nächste Generation weiterzugeben, „besonders, wenn sie keine eigenen Kinder oder direkten Erben haben“. Durch die „umgekehrte Alterspyramide“ sei es jedoch ein „wachsendes Einnahmefeld“. Der Vorteil von gemeinnützigen Organisationen sei, dass sie keine Erbschaftssteuer zahlen müssen.

Dazu verliere das Thema sein Tabu, stellt Gruner fest. „Menschen, die in unserer Beratung waren und ihr Testament mit unserer Hilfe passend formuliert haben, sind erleichtert, dass sie die Dinge geregelt haben.“

Spenden über Erbschaften nehmen immer größere Rolle ein – über alle Gruppen hinweg

Menschen „über alle Gruppen hinweg“ würden Testamentsspenden nutzen, erklärt Gruner. Gerade das Vermögen der Mittelschicht habe über Jahre deutlich zugenommen. „Nachlässe kommen nicht nur von Menschen, die keine direkten Erben haben“, räumte sie ein. „Wir merken auch, dass viele in der jüngeren Generation bereit sind, auf einen Teil ihres Erbes zu verzichten, wenn sich die Eltern dafür entscheiden, etwas einer NGO zu vererben.“

Sie verweist dabei auf eine von den SOS-Kinderdörfern herausgegebene Forsa-Umfrage. Demnach seien 72 Prozent der potenziellen Erben bereit, auf einen Teil zugunsten einer gemeinnützigen Organisation zu verzichten. Von 100.000 Euro Erbe würden die Deutschen durchschnittlich 12.600 Euro für das Gemeinwohl hinterlassen.

Rubriklistenbild: © Montage/SOS-Kinderdörfer weltweit Hermann-Gmeiner-Fonds Deutschland e.V.

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