- VonTheresa Breitschingschließen
Uniper, der größte deutsche Gaskonzern, zahlt nach seiner Rettung durch den Bund in Milliardenhöhe erstmals 530 Millionen Euro zurück – es seien „Rückzahlungen an den deutschen Steuerzahler“.
Berlin – In 2022 verhinderte der Bund die Insolvenz des größten deutschen Gaskonzerns und investierte dafür über 13 Milliarden Euro. Durch die Rettung und die Verstaatlichung von Uniper besitzt der Bund 99,12 Prozent am Gasunternehmen, das durch den Stopp russischer Gaslieferungen tief in die Krise geraten war. Nun zahlt der Energiekonzern dem Bund mehr als eine halbe Milliarde Euro zurück. Mehr soll folgen – auch ein Börsengang scheint geplant zu sein.
Uniper zahlt dem Bund über eine halbe Milliarde Euro zurück: Bund profitiert auch von Atomkraft
Der Gaskonzern teilte am Dienstag mit, dem deutschen Staat 530 Millionen Euro zurückzuzahlen. Uniper hatte sich im Rahmen seiner Rettung verpflichtet, Schadensersatzleistungen an den deutschen Staat zu leisten. Das Geld kommt laut FAZ aus realisierten Schadensersatzzahlungen vom russischen Gaskonzern Gazprom. Zudem gab das Unternehmen bekannt, eine weitere Rückstellung für Zahlungen in der Höhe von 2,5 Milliarden Euro gebildet zu haben.
„Beide Zahlungen sind als Rückzahlungen an den deutschen Steuerzahler zu betrachten“, heißt es von Uniper. Der Bund werde das Geld voraussichtlich Anfang 2025 erhalten. Laut Welt stammt ein Teil der Einnahmen auch aus dem Betrieb von Atomkraftwerken. Somit profitiert der Bund trotz des deutschen Atomausstiegs über seine ausländischen Beteiligungen an Kernkraftwerken. Der bereinigte Vorsteuergewinn von Uniper im Bereich „Green Generation“ stieg in den ersten neun Monaten des Jahres von 590 Millionen Euro auf 738 Millionen Euro. „Der Ergebnisanstieg war insbesondere auf die schwedische Kernenergie zurückzuführen, die von preisbedingt höheren Ergebnisbeiträgen sowie von gestiegenen Erzeugungsmengen profitierte“, heißt es vonseiten Unipers.
Uniper-CFO: „Ergebnisniveau in den kommenden Jahren so nicht wiederholbar“
Die EU hatte der Rettung unter der Bedingung zugestimmt, dass der Staat seinen Anteil auf mindestens 25 Prozent plus eine Aktie reduziert – dafür hat er bis 2028 Zeit. Uniper-CEO Michael Lewis meinte diesbezüglich, dass die „Hausaufgaben“ für die Reprivatisierung erledigt seien. Nach den drei Quartalen blickt Uniper optimistisch auf das Gesamtjahr. Alleine 1,3 Milliarden Euro habe der verstaatlichte Konzern mit Stromerzeugung und Gashandel verdient. Der bereinigte Gewinn (Ebitda) soll zwischen 1,9 und 2,4 Milliarden Euro liegen, nachdem die ersten neun Monate bereits 2,18 Milliarden Euro erreicht haben. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 6,08 Milliarden Euro – dass die aktuellen Ergebnisse deutlich unter dem hohen Vorjahreswert liegen, war jedoch erwartet worden. Der hohe Gewinn im letzten Jahr wurde auf hohe Handelsgewinne und günstige Einkaufspreise für Gas zurückgeführt.
„Uniper hat sich in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2024 in einem zunehmend normalisierten Marktumfeld operativ stabil entwickelt. Das ist insgesamt eine erfreuliche Entwicklung – auch wenn dieses Ergebnisniveau in den kommenden Jahren so nicht wiederholbar sein wird“, meint Uniper-CFO Jutta Dönges in einer Aussendung des Unternehmens.
Uniper hat seinen Sitz in Düsseldorf und rund 7.400 Mitarbeiter. Neben Deutschland zählen Großbritannien, Schweden und die Niederlande zu den Kernmärkten. Neben der Stromerzeugung in Europa und dem Energiehandel beschafft Uniper auch Gas sowie verflüssigtes Erdgas (LNG) und bewirtschaftet Gasspeicher mit einer Kapazität von mehr als 7 Milliarden Kubikmetern. Bis 2040 will das Unternehmen vollständig CO2-neutral sein. „In der Umsetzung unserer Strategie hin zu einem grüneren Unternehmen machen wir Fortschritte. Knapp 50% der von uns im Jahr 2024 bislang produzierten Strommenge ist CO2-frei und den Kohleausstieg setzen wir konsequent um“, so Dönges.
Plant Uniper demnächst einen Börsengang?
Uniper betreibt in Deutschland Kraftwerke mit einer installierten Gesamtleistung von etwa 10,5 Gigawatt. Die Mehrheit dieser thermischen Kraftwerke nutzt Steinkohle oder Erdgas als Brennstoff. Zusätzlich besitzt Uniper mehr als 100 Wasserkraftwerke in Deutschland. Das Energieunternehmen zählt mit einer Stromerzeugungskapazität von rund 22,5 Gigawatt (GW) in Europa zu den größten Energieproduzenten weltweit. Etwa 20 Prozent dieser Kapazität, darunter Kernkraft und Wasserkraft, wird bereits emissionsfrei betrieben.
Der Energiekonzern bereitet zudem den Weg zurück an die Börse vor, berichtet das Handelsblatt in Bezug auf Insider. So sollen Manager Gespräche mit potenziellen Investoren führen, um das Unternehmen vorzustellen. Offen ist jedoch, ob der Staat seine Anteile letztlich über einen Börsengang oder direkt an Großinvestoren verkaufen wird, wenngleich ein Börsengang als die wahrscheinlichere Option gilt.
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