- VonMechthild Hennekeschließen
Fachleute raten zu Investments in Gold. Wichtig ist, es über Jahre oder Jahrzehnte zu halten.
Seit vielen tausend Jahren spielt Gold in der Kulturgeschichte der Menschheit eine Rolle. Etwa 2000 Jahre lang ist es ein Zahlungsmittel. Doch während Geldscheine gedruckt werden können, ist Gold begrenzt. Die gesamte Goldmenge liegt nach Schätzungen des World Gold Councils bei rund 210 000 Tonnen – ein Stück davon zu besitzen, erscheint vielen Anleger:innen attraktiv. Aber lohnt es sich auch? Die Feinunze kostet mittlerweile rund 1900 Euro. Bei Einführung des Euro lag der Wert noch bei 310 Euro. Fachleute erklären, warum sie Gold empfehlen.
Was sind die Vorteile eines Investments in Gold?
„Es ist ein Sachwert und die Krisenwährung Nummer 1“, sagt Stefanie Kühn von der Privaten Finanzplanung Kühn in Westerstede bei Oldenburg, Autorin des Ratgebers „Investieren in Gold“, der kürzlich bei Stiftung Warentest erschienen ist (ISBN: 9783747106822, Preis: 22,90 Euro). Gold sei anders als andere Anlagen wie Aktien oder Fonds und in seiner Entwicklung nicht von diesen abhängig. „Das bedeutet: Wenn Aktien gut laufen, muss das für Gold nicht gelten und umgekehrt“, sagt sie. Der Wert von Gold sei zu jeder Zeit gesehen worden – das gelte auch heute.
Christian Rauch, CEO und Sprecher der Geschäftsführung von Degussa Goldhandel, betont den Wert durch die Begrenztheit von Gold. „Alles jemals geförderte Gold der Welt passt in einen Würfel von gut 22 Meter Kantenlänge“, erklärt er. Die jährlich neu geförderte Menge verlängere diesen nur um 14 Zentimeter. „Die Papiergeldmengen wachsen deutlich rasanter“, sagt Rauch. Hinzu komme eine konstant hohe Nachfrage, an der sich auch in Zukunft nichts ändern werde.
Mit wie viel Geld sollte man einsteigen?
Sowohl Kühn als auch Rauch empfehlen Gold als Beimischung zum Portfolio. Wie viel jemand kauft, hänge aber von den Umständen ab, unter denen er oder sie investiere, sagt Kühn. „Ich empfehle, Gold zu 2,5 bis 10 Prozent des Gesamtvermögens zu kaufen.“ Bei 50 000 Euro wären das also 5000 Euro. Die Menge hänge auch von den persönlichen Voraussetzungen ab, zum Beispiel Ängsten vor einem Wertverlust des Euro.
Rauch bezeichnet auch schon kleine Investitionen als sinnvoll, zum Beispiel zum Vermögensaufbau von Berufseinsteigern. Mit Sparplänen könne bei Degussa zum Beispiel eine Unze Gold angespart werden, die man sich aushändigen lassen kann oder die eingelagert werde. Ansonsten empfiehlt Rauch Barren ab 20 Gramm. Er rät dazu, regelmäßig zu investieren, anstatt auf einmal größere Mengen zu kaufen. So könne man am sichersten von der langfristig positiven Wertentwicklung des Goldes profitieren.
Regelmäßige Käufe sind auch für Kühn der richtige Weg, „bis ich meine Zielmenge aufgebaut habe“. Den Preis könne man in festen Abständen beobachten und gegebenenfalls in einer Excel-Liste dokumentieren. Wenn der Preis falle, solle sich der Gold-Besitzer davon nicht irritieren lassen, denn die langfristige Entwicklung zähle.
Münze oder Barren?
„Das ist egal“, sagt Kühn. Beides sei gleichwertig. Münzen seien schwieriger zu fälschen. Die Aufbewahrung von Gold wolle vorab überlegt werden. „An sich ist Gold aber klein“, sagt sie. Bis man große Mengen habe, dauere es. Man könne es zu Hause lagern, wenn die Hausratversicherung eine ausreichende Deckung biete oder ein Schließfach bei einer Bank mieten.
Wo das Gold kaufen?
Hier rät Kühn unbedingt zu einer sorgfältigen Prüfung des Verkäufers. „Auf der sehr guten Seite www.gold.de findet man eine Liste von seriösen Händlern“, sagt sie. Dort sei die Gefahr, einem Betrug aufzusitzen, gering. Goldbarren und Münzen hätten auch Sicherheitsmerkmale, die geprüft werden könnten, und die das Fälschungsrisiko minimieren. Unseriöse Anbieter fordern dazu auf, das gesamte Vermögen mit ihrer Hilfe ins Ausland zu schaffen. „Davor kann ich nur warnen“, sagt sie. Interessantes Detail: Unter einem Wert von 2000 Euro müssen Käufer:innen von Gold nicht ihren Namen hinterlegen, können also anonym kaufen.
Alternativen zum physischen Gold sind Gold-ETCs (deutsch: börsengehandelte Rohstoffe). Diese funktionieren ähnlich wie ETFs (börsengehandelte Fonds). Die Anleger erwerben bei Gold-ETCs Schuldverschreibungen. Hier besteht das Risiko darin, dass der Herausgeber Insolvenz anmeldet. Eine weitere Möglichkeit ist Xetra-Gold. Das ist ein Wertpapier, das den Wert des Rohstoffs Gold abbildet und das wie eine Aktie gehandelt werden kann. Von Goldminenaktien rät Kühn ab. „Die damit verbundenen Risiken sind so wie die Aktienmarktrisiken, da es sich hier um eine Investition in Unternehmen handelt“, sagt sie.
Welche Risiken gibt es beim Gold?
Rauch warnt, dass es bei einer kurzen Haltedauer zu Wertverlusten kommen kann, „da auch der Goldpreis kurz -und mittelfristig schwankt.“ Den Goldpreis beeinflussten Faktoren wie die Bewegungen des Zinsniveaus oder die Inflationsrate. Aber auch eine hohe Nachfrage wie zu Corona-Zeiten treibt den Preis nach oben. Kühn ergänzt: „Das Risiko kann nicht grundsätzlich minimiert werden.“
Wie lange sollte man das Investment halten?
„Gold is a keeper (deutsch: Gold ist ein Hüter)“, zitiert Rauch J.P. Morgen, den US-amerikanischen Unternehmer und Banker aus dem 19. Jahrhundert. „Auf physisches Edelmetall sollte man kurzfristig eher nicht spekulieren, da Auf- und Abschläge dies unattraktiv machen“, sagt er. Je länger man physisches Edelmetall halte, also Monate, Jahre oder gar Jahrzehnte, desto besser sei diese Form der Anlage als Beimischung zu dynamischeren Anlagen wie Aktien oder ETFs. „Physisches Gold dient dem Vermögensaufbau und -erhalt besser als die meisten anderen Investments“, sagt Rauch.
Gibt es steuerliche Vorteile?
Investmentgold in Form von zertifizierten Barren oder Münzen unterliegt in Deutschland nicht der Mehrwertsteuer, sagt Rauch. Bei Silber und anderen sogenannten Weißmetallen habe sich die Regelung kürzlich geändert. Gewinne auf Gold sind in Deutschland nach einer Haltefrist von mindestens zwölf Monaten kapitalertragssteuerfrei. „Das ist ein zusätzliches Argument für die positiven Eigenschaften für ein Investment in physische Edelmetalle“, sagt Rauch. Kühn rät dazu, den Kaufbeleg zu behalten, um nachweisen zu können, dass die erforderliche Frist für einen steuerfreien Verkauf verstrichen ist.