VonMarkus Hofstetterschließen
Elektroautos stehen in der EU im Mittelpunkt. China erlebt dagegen eine Renaissance des Verbrennungsmotors – jedoch in einer speziellen Variante.
Peking/München – Die sogenannte Reichweitenangst gilt als eines der größten Hemmnisse für den Umstieg auf das Elektroauto. Die Hersteller reagieren darauf mit verschiedenen Lösungen. Sie bauen größere Batterien ein, erhöhen die Ladeleistung oder setzen auf Plug-in-Hybride (PHEV), bei denen auf kurzen Strecken elektrisch gefahren wird und bei Bedarf auf den Benzin- oder Dieselmotor umgeschaltet wird.
In China boomt der Range Extender: Der Anteil soll auf 13 Prozent steigen
Ein anderer Ansatz ist der sogenannte Range Extender (EREV). Bei dieser Antriebsform handelt es sich technisch gesehen um einen Hybrid, da er einen Elektromotor mit einem Verbrennungsmotor kombiniert. Doch anders als bei herkömmlichen Plug-in-Hybriden treibt der Verbrennungsmotor bei leerem Akku nicht die Räder an, sondern lädt über einen Generator die Batterie, die wiederum den Elektromotor antreibt. Damit kommen sie deutlich weiter als normale Elektroautos.
In China sind Range-Extender-Modelle schon fast normal. Laut der Studie „Global Automotive Outlook 2025“ von AlixPartners wird der EREV in dem Land in diesem Jahr einen Marktanteil von acht Prozent haben. Bei PHEV sollen es 16 Prozent und bei reinen Elektroautos (BEV) 30 Prozent sein. Der Marktanteil von Range-Extendern soll bis 2030 auf 13 Prozent wachsen, der von PHEV auf 14 Prozent sinken und der von BEV auf 50 Prozent steigen.
In China boomt der Verbrenner mit Range Extender: Staat setzt auf rein elektrisch betriebene Autos
Der Vorteil für chinesische Hersteller ist, dass der Staat kein Enddatum für den Verbrennungsmotor vorschreibt. Allerdings genießen nur sogenannte New-Energy-Vehicle-Autos (NEV) bestimmte Vorteile. Dazu zählen Kaufförderungen oder die Ausnahme von Fahrverboten. NEVs sind jedoch alle Fahrzeuge, die komplett oder überwiegend elektrisch angetrieben werden, also BEVs, PHEVs, EREVs oder Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge.
Während die chinesischen Hersteller offenbar langfristig mit Hybridmodellen planen, scheint Peking diese nur als Übergangslösung zu betrachten. So steht es einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge in der noch nicht veröffentlichten Technologie-Roadmap 3.0. Dem Plan zufolge sollen bis 2035 über 90 Prozent der NEVs rein elektrisch unterwegs sein. „Langfristig wird sich das reine E-Auto durchsetzen”, wird Ouyang Minggao, ein einheimischer Mobilitätsforscher und Mitgestalter der Roadmap, von der Zeitung zitiert.
In Europa wird dem Range Extender wenig Chance eingeräumt: Aus für alle Hybride ab 2035?
In Deutschland und Europa sind EREVs dagegen kaum bekannt. Aktuell haben deutsche Hersteller auch keine entsprechenden Modelle im Angebot. BMW hatte mit dem i3 Rex zwar ein EREV-Modell seines E-Autos im Angebot, dieses wurde jedoch seit 2018 nicht mehr verkauft. Daher ist es kaum überraschend, dass der Range Extender in Europa laut AlixPartners mittelfristig eine Randerscheinung bleiben wird. Er soll bis 2030 nicht mehr als drei Prozent Marktanteil erreichen. Beim BEV sollen es 43 Prozent und beim PHEV sechs Prozent sein.
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In der EU gilt aktuell noch, dass Neufahrzeuge ab 2035 emissionsfrei fahren sollen. Das würde auch das Aus für PHEVs und Range Extender bedeuten. Für deutsche Hersteller wäre es somit finanziell riskant, neue Range-Extender-Modelle zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Das könnte sich ändern, wenn sich der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit seinen „10-Punkte-Plan für eine klimaneutrale Mobilität“ durchsetzt. Darin wird nicht nur für eine Aufweichung des Verbrennerverbots gefordert, sondern auch eine Stärkung der Technologieoffenheit durch eine stärkere Berücksichtigung der Rolle von PHEVs über das Jahr 2035 hinaus.
In Europa wird dem Range Extender wenig Chance eingeräumt: VW arbeitet an Modellen fürs Ausland
Allerdings könnten BMW, Mercedes & Co. durch die Konkurrenz in Zugzwang geraten. Der chinesische Hersteller Leapmotor hat nämlich Anfang des Jahres auf der Brüssel Motor Show den C10 REEV (Range Extender Electric Vehicle) vorgestellt. Das Fahrzeug ist mit einem 215 PS starken Elektromotor und einem 1,5-Liter-Verbrennungsmotor ausgestattet. Die kombinierte Gesamtreichweite des bereits erhältlichen Autos soll über 950 Kilometer betragen.
Doch für Europa sieht VW offenbar keinen Markt für Range-Extender-Modelle. Zwar arbeitet der Konzern für China (ID. Era) und die USA (Scout) an entsprechenden Modellen. In einem Interview mit dem britischen Magazin Autocar erklärte VW-Markenchef Thomas Schäfer allerdings, dass die Technologie in der europäischen Strategie von Volkswagen keine große Rolle spielen werde.
BMW nimmt die Sache ernster. Laut Berichten von Autocar und der Automobilwoche testen die Münchner zusammen mit dem Zulieferer ZF einen Range-Extender-Antrieb für das SUV X5.
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