Verkehrswende

Verbrenner wieder beliebt, auch in China – mit einem entscheidenden Unterschied

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Elektroautos stehen in der EU im Mittelpunkt. China erlebt dagegen eine Renaissance des Verbrennungsmotors – jedoch in einer speziellen Variante.

Peking/München – Die sogenannte Reichweitenangst gilt als eines der größten Hemmnisse für den Umstieg auf das Elektroauto. Die Hersteller reagieren darauf mit verschiedenen Lösungen. Sie bauen größere Batterien ein, erhöhen die Ladeleistung oder setzen auf Plug-in-Hybride (PHEV), bei denen auf kurzen Strecken elektrisch gefahren wird und bei Bedarf auf den Benzin- oder Dieselmotor umgeschaltet wird.

In China boomt der Range Extender: Der Anteil soll auf 13 Prozent steigen

Ein anderer Ansatz ist der sogenannte Range Extender (EREV). Bei dieser Antriebsform handelt es sich technisch gesehen um einen Hybrid, da er einen Elektromotor mit einem Verbrennungsmotor kombiniert. Doch anders als bei herkömmlichen Plug-in-Hybriden treibt der Verbrennungsmotor bei leerem Akku nicht die Räder an, sondern lädt über einen Generator die Batterie, die wiederum den Elektromotor antreibt. Damit kommen sie deutlich weiter als normale Elektroautos.

In der EU sollen ab 2035 keinen neuen Verbrennerautos mehr verkauft werden dürfen.

In China sind Range-Extender-Modelle schon fast normal. Laut der Studie „Global Automotive Outlook 2025“ von AlixPartners wird der EREV in dem Land in diesem Jahr einen Marktanteil von acht Prozent haben. Bei PHEV sollen es 16 Prozent und bei reinen Elektroautos (BEV) 30 Prozent sein. Der Marktanteil von Range-Extendern soll bis 2030 auf 13 Prozent wachsen, der von PHEV auf 14 Prozent sinken und der von BEV auf 50 Prozent steigen.

In China boomt der Verbrenner mit Range Extender: Staat setzt auf rein elektrisch betriebene Autos

Der Vorteil für chinesische Hersteller ist, dass der Staat kein Enddatum für den Verbrennungsmotor vorschreibt. Allerdings genießen nur sogenannte New-Energy-Vehicle-Autos (NEV) bestimmte Vorteile. Dazu zählen Kaufförderungen oder die Ausnahme von Fahrverboten. NEVs sind jedoch alle Fahrzeuge, die komplett oder überwiegend elektrisch angetrieben werden, also BEVs, PHEVs, EREVs oder Brennstoffzellen-Elektrofahrzeuge.

Während die chinesischen Hersteller offenbar langfristig mit Hybridmodellen planen, scheint Peking diese nur als Übergangslösung zu betrachten. So steht es einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge in der noch nicht veröffentlichten Technologie-Roadmap 3.0. Dem Plan zufolge sollen bis 2035 über 90 Prozent der NEVs rein elektrisch unterwegs sein. „Langfristig wird sich das reine E-Auto durchsetzen”, wird Ouyang Minggao, ein einheimischer Mobilitätsforscher und Mitgestalter der Roadmap, von der Zeitung zitiert.

In Europa wird dem Range Extender wenig Chance eingeräumt: Aus für alle Hybride ab 2035?

In Deutschland und Europa sind EREVs dagegen kaum bekannt. Aktuell haben deutsche Hersteller auch keine entsprechenden Modelle im Angebot. BMW hatte mit dem i3 Rex zwar ein EREV-Modell seines E-Autos im Angebot, dieses wurde jedoch seit 2018 nicht mehr verkauft. Daher ist es kaum überraschend, dass der Range Extender in Europa laut AlixPartners mittelfristig eine Randerscheinung bleiben wird. Er soll bis 2030 nicht mehr als drei Prozent Marktanteil erreichen. Beim BEV sollen es 43 Prozent und beim PHEV sechs Prozent sein.

Top 10: Die zehn beliebtesten Autos der Deutschen

Ein VW Polo
Platz 10 – VW Polo: Der VW-Konzern dominiert die Neuzulassungs-Statistik des Jahres 2024. Los geht es auf Platz 10 mit dem Polo: 36.757 Exemplare des Kleinwagens wurden in Deutschland verkauft. © VW
Ein Seat Leon
Platz 9 – Seat Leon: Der Leon trägt zwar kein VW-Emblem im Grill – zum Konzern gehört die Marke dennoch. Mit 37.129 Neuzulassungen konnte sich der Seat den 9. Platz in der Jahres-Statistik sichern. © Seat
Ein BMW X1
Platz 8 – BMW X1: In die Top 10 haben es nur wenige Fahrzeuge geschafft, die nicht aus dem VW-Konzern stammen. Der BMW X1 ist eines davon. 37.154 Neuzulassungen reichten für Platz 8. © BMW
Ein Opel Corsa
Platz 7 – Opel Corsa: Im Vorjahr noch auf Platz 4, ging es für den Corsa nach unten. Im Jahr 2024 reichten 43.467 Neuzulassungen aber immer noch für den 7. Platz. © Opel
Ein Opel Astra
Platz 6 – Opel Astra: Und gleich noch ein Opel. Mit 47.601 Neuzulassungen schaffte es der Astra auf Rang 6 in der Jahres-Statistik. © Opel
Ein VW Passat
Platz 5 – VW Passat: Und schon wieder VW. Platz 5 im Jahres-Ranking 2024 sicherte sich der Passat – mit 47.720 Neuzulassungen.  © VW
Ein Skoda Octavia
Platz 4 – Skoda Octavia: Ein großer Sprung für den Octavia: Im vergangenen Jahr lag er noch auf Platz 10. Im Jahr 2024 reichen 50.817 Neuzulassungen für den vierten Platz im Neuzulassungs-Ranking. © Skoda
Ein VW Tiguan
Platz 3 – VW Tiguan: Die Top 3 belegen ausschließlich Modelle der Marke Volkswagen. Auf dem dritten Platz landete der Tiguan mit 67.057 Neuzulassungen im Jahr 2024. © VW
Ein VW T-Roc
Platz 2 – VW T-Roc: Auch den zweiten Platz bei den meistverkauften Autos in Deutschland sicherte sich ein VW. Vom VW T-Roc wurden 75.398 Modelle neu zugelassen. © VW
Fahraufnahme eines VW Golf
Platz 1 – VW Golf: Die ewige Nummer eins stand auch im Jahr 2024 wieder an der Spitze der Neuzulassungen in Deutschland. 100.183 Golf-Modelle wurden neu zugelassen. © VW

In der EU gilt aktuell noch, dass Neufahrzeuge ab 2035 emissionsfrei fahren sollen. Das würde auch das Aus für PHEVs und Range Extender bedeuten. Für deutsche Hersteller wäre es somit finanziell riskant, neue Range-Extender-Modelle zu entwickeln und auf den Markt zu bringen. Das könnte sich ändern, wenn sich der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit seinen „10-Punkte-Plan für eine klimaneutrale Mobilität“ durchsetzt. Darin wird nicht nur für eine Aufweichung des Verbrennerverbots gefordert, sondern auch eine Stärkung der Technologieoffenheit durch eine stärkere Berücksichtigung der Rolle von PHEVs über das Jahr 2035 hinaus.

In Europa wird dem Range Extender wenig Chance eingeräumt: VW arbeitet an Modellen fürs Ausland

Allerdings könnten BMW, Mercedes & Co. durch die Konkurrenz in Zugzwang geraten. Der chinesische Hersteller Leapmotor hat nämlich Anfang des Jahres auf der Brüssel Motor Show den C10 REEV (Range Extender Electric Vehicle) vorgestellt. Das Fahrzeug ist mit einem 215 PS starken Elektromotor und einem 1,5-Liter-Verbrennungsmotor ausgestattet. Die kombinierte Gesamtreichweite des bereits erhältlichen Autos soll über 950 Kilometer betragen.

Doch für Europa sieht VW offenbar keinen Markt für Range-Extender-Modelle. Zwar arbeitet der Konzern für China (ID. Era) und die USA (Scout) an entsprechenden Modellen. In einem Interview mit dem britischen Magazin Autocar erklärte VW-Markenchef Thomas Schäfer allerdings, dass die Technologie in der europäischen Strategie von Volkswagen keine große Rolle spielen werde.

BMW nimmt die Sache ernster. Laut Berichten von Autocar und der Automobilwoche testen die Münchner zusammen mit dem Zulieferer ZF einen Range-Extender-Antrieb für das SUV X5.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwoldt/dpa

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