VonPatricia Huberschließen
Die Bürgergeld-Erhöhung sorgt für gemischte Gefühle. Während einige die Erhöhung begrüßen, sehen andere sie kritisch – sogar Betroffene.
Berlin – Zwölf Prozent mehr Geld jeden Monat. Was derzeit für viele Arbeitnehmer Wunschdenken ist, ist ab kommendem Jahr für Bürgergeld-Empfänger Realität. Dann steigt der Regelsatz von bisher 502 Euro pro Monat auf 563 Euro pro Monat, wie Bundessozialminister Hubertus Heil (SPD) kürzlich verkündete. Während Sozialverbände der Meinung sind, dass der Regelsatz auch mit der Erhöhung noch zu niedrig sei, so gibt es auch Kritik in die andere Richtung.
Bürgergeld-Erhöhung: 74 Prozent kritisieren Anpassung
Eine Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL hat genauer betrachtet, was die Deutschen über die Bürgergeld-Erhöhung denken. Und das Ergebnis ist ziemlich eindeutig: 74 Prozent der Befragten gaben an, dass die Kritik an der Erhöhung des Bürgergelds berechtigt sei und es zu stark ansteige. Dabei wurden Personen aller Einkommensgruppen, politischer Lager und im Westen und Osten des Landes befragt.
Selbst unter Betroffenen herrschen noch Zweifel über die angekündigten höheren Regelsätze. Focus Online hat mit einer Dreifach-Mutter gesprochen, die gemeinsam mit ihrem Mann in einer deutschen Großstadt lebt und aufgrund von Krankheit Bürgergeld bezieht. Sie macht vorerst klar: „Ganz ehrlich, ich glaube das erst, wenn ich es auf dem Konto habe. Natürlich fühlt sich das angekündigte Extra gut an. Einerseits. Das wäre in der Tat ein Stück mehr Unbeschwertheit. Aber neben der spontanen Freude gab und gibt es ein großes Fragezeichen“, so die 37-Jährige.
Sie frage sich, woher das ganze Geld kommen solle. Schließlich habe der Staat im Moment ohnehin riesige Ausgaben. „Das muss ja alles irgendwie umgelegt werden. Und auch der arbeitende Teil der Bevölkerung ist schließlich nicht wenig belastet.“ Die Bürgergeld-Empfängerin weiß genau, dass die gestiegenen Kosten – vor allem im Supermarkt – nicht nur Leistungsbeziehende trifft.
Bürgergeld-Empfängerin fürchtet Neiddebatte
Ihre Sorge ist groß, dass nun eine Neid-Diskussion entbrennt. Viele würden sich fragen, ob sich Arbeit überhaupt noch lohne. „Eine Haltung, die fürs Land gefährlich ist“, so die Mutter gegenüber dem Nachrichtenportal. Sie ist auch der Meinung, dass über den Bürgergeld-Satz die Menschen entscheiden, die „in ganz anderen Lebensrealitäten unterwegs sind.“ Hubertus Heil könnte sich vermutlich nichtmal ansatzweise vorstellen, wie eine fünfköpfige Familie von 1754 Euro im Monat leben könne. Von diesem Betrag lebt auch sie – Kindergeld schon mit eingerechnet.
Dennoch: Für die Bürgergeld-Empfängerin sind die 12 Prozent „aus der Luft gegriffen“. „Da mögen einzelne sich jetzt als Samariter fühlen. Politik ist aber nicht dafür da, dass einzelne sich gut fühlen. Politik muss sich an der Realität orientieren – und die Gesellschaft als Ganzes im Blick haben“, macht die Mutter deutlich. (ph)
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