Weniger Arbeit bei gleichem Lohn

Streit um Vier-Tage-Woche: Was dafür spricht - und was dagegen

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Weniger arbeiten bei gleichem Lohn: Die Forderung nach einer Viertagewoche erhitzt die Gemüter. Eine rasche Lösung ist kaum in Sicht.

Berlin – Wenn es nach der Gewerkschaft IG Metall geht, soll in Deutschland die Viertagewoche eingeführt werden. Das wird bei den Tarifverhandlungen in der Stahlindustrie in diesem Jahr ihre Forderung sein: vier Tage die Woche arbeiten bei gleichbleibendem Lohn – und auch bei gleichbleibender Produktivität. Arbeitgeber sind gegen die Forderung, der Arbeitgeberverband BDA spricht von einer „Milchmädchenrechnung“. In anderen europäischen Ländern ist die Viertagewoche aber schon eingeführt oder wird gerade erprobt. Was spricht also gegen das Modell in Deutschland? Und: was spricht dafür?

Viertagewoche in Deutschland: Die Argumente, die dafür sprechen

Was spricht für die Viertagewoche? Viel zitiert wird seit Ende 2022 eine Pilotstudie aus Großbritannien, bei der mehr als 70 Firmen für einen Zeitraum von sechs Monaten die Viertagewoche getestet haben. Dabei galt die 100/80/100-Regel: 100 Prozent des Lohns für 80 Prozent der Arbeitszeit, solange am Ende der Woche 100 Prozent der Arbeit erledigt war.

Der Studie zufolge haben anschließend 92 Prozent der teilnehmenden Firmen gesagt, dass sie die Viertagewoche behalten wollen. Weitere Ergebnisse der Studie waren:

  • 63 Prozent der Firmen finden es einfacher, ihre Fachkräfte zu halten
  • 78 Prozent der Arbeitnehmer waren weniger gestresst und insgesamt glücklicher
  • Der Umsatz der Firmen stieg um 35 Prozent
  • Die Firmen meldeten weniger Krankheitsfälle

Großbritannien ist aber nicht das einzige Land, dass die Viertagewoche auf freiwilliger Basis schon eingeführt hat. In Belgien war bereits im November 2021 ein Gesetz eingeführt worden, das Arbeitnehmern das Recht gibt, nur vier Tage die Woche zu arbeiten, solange ihre Produktivität insgesamt nicht sinkt. Dadurch soll Arbeitnehmern mehr Flexibilität garantiert werden.

Weitere Vorteile, die Befürworter der Viertagewoche nennen, sind die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Reduktion von Treibhausgasemissionen, da Arbeitnehmer weniger pendeln.

Vor allem ersteres zitiert nun auch IG Metall-Chef Jörg Hofmann in der Bild am Sonntag: Frauen, die jetzt wegen familiärer Verpflichtungen in Teilzeit arbeiten, würden als Vollzeitkräfte zurückkehren, und dadurch insgesamt die Produktivität der Firmen steigern. „Würden nur 10 Prozent der Frauen in Teilzeit auf die Vier-Tage-Vollzeit gehen, würde das Arbeitsvolumen stärker steigen als durch die von der Regierung angestrebte Fachkräfteeinwanderung von 400.000 Menschen pro Jahr“, so Hofmann.

Mehr Zeit für die Familie: Ist die Viertagewoche ein familienfreundliches Modell?

Die Nachteile einer Viertagewoche in Deutschland

Es gibt aber auch zahlreiche Argumente, die aus Sicht von Arbeitgebern und der Regierung gegen eine Verkürzung der Arbeitszeit sprechen. In einigen Firmen, die die Viertagewoche probiert haben, stellte man fest, dass die Mitarbeiter unter mehr Stress standen, da sie in kürzerer Zeit die gleiche Arbeit schaffen mussten. Oder es lief darauf hinaus, dass in den vier Tagen einfach mehr Überstunden gemacht wurden.

Bei Schichtarbeit funktioniert das System außerdem schlecht, weil man durch den zusätzlichen freien Tag mehr Personal braucht, um alle Schichten abzudecken. Dadurch steigen die Kosten der Firma – bei gleichbleibender Produktivität.

Kritiker der Viertagewoche sind aber nicht grundsätzlich gegen eine Reform in der Arbeitswelt. Vertreter von SPD, Grünen und FDP haben bereits gesagt, dass sie eine Art Flexi-Woche befürworten würden. Unternehmen könnten mit ihren Mitarbeitenden eine Vereinbarung treffen, die weniger starr ist als die Viertagewoche. Flexiblere Arbeitszeiten geben den Arbeitnehmern mehr Freiheiten und ermöglichen bessere Vereinbarung von Job und Familie. Ob das unbedingt eine Viertagewoche sein muss, ist daher fraglich.

Rubriklistenbild: © halfpoint/PantherMedia

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