Auto-Aktien rauschen ab

Porsche und VW mit hohen Kursverlusten – „im Tal der Tränen“

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Die Aktien von Volkswagen und Porsche erleideten kürzlich einen hohen Wertverlust. Drei entscheidende Faktoren sind für die Talfahrt maßgeblich.

Wolfsburg/Stuttgart - Die Stimmung an den Börsen war vergangene Woche angespannt, weil zwei einstige Rendite-Wunder weiter an Wert verloren: Die Kursentwicklung der Autoaktien von Volkswagen und Porsche zeigte steil nach unten – aufgrund von mehreren Negativentwicklungen.

Gewinnwarnungen, milliardenschwere Sonderlasten und strukturelle Probleme setzen Europas größtem Autokonzern und dessen Sportwagentochter zu. Weitere Hersteller aus Europa, inklusive der deutschen Premiumkonkurrenz, spürten zum Wochenbeginn die Erschütterung. Was steckt hinter dem dramatischen Kursverfall?

Krise bei Volkswagen und Porsche: Die Aktie im Sturzflug

Die Porsche AG meldete nach Börsenschluss neue Milliardenbelastungen und eine deutliche Gewinnwarnung. Hintergrund ist eine weitere Kursanpassung bei den Antriebstechnologien. Auch die Mutter Volkswagen und die Holding Porsche SE wurden vorsichtiger und senkten ihre Prognosen bezüglich der Bilanz 2025.

Das Ergebnis:Vor einigen Tagen fiel die Aktie der Porsche SE zeitweise auf bis zu 31,92 Euro, die Vorzugsaktie von VW stürzte um mehr als sieben Prozent ab – ein markanter, seltener Absturz für den Autobauer aus Niedersachsen.

Dunkle Wolken spiegeln sich auf einem Porsche: Der Sportwagenhersteller erleidet wie die Konzernmutter einen Kursverfall.

VW und Porsche mit Milliardenlasten und Gewinnwarnung

Die Porsche AG muss wegen strategischer Fehler hohe Sonderlasten von rund 1,8 Milliarden Euro schultern. Deswegen wurde die Rentabilitätsprognose gesenkt und eine Verzögerung bei der Markteinführung vollelektrischer Modelle mitgeteilt. Der kriselnde Edelhersteller erklärte zudem, dass die Gewinnmarge in diesem Jahr maximal zwei Prozent beträgt. Zum Vergleich: 2023 erfolgte noch ein Renditerekord in Höhe von 18 Prozent.

Die Entscheidung, Verbrenner-Modelle länger im Programm zu behalten, gilt als Korrektur einer teuren Strategie, die zu stark auf Elektroautos setzte und die Gewinnmargen schwächte. „Die einstige Gewinnmaschine im VW-Konzern steht mit dem Rücken zur Wand, verschiebt nun die Einführung neuer Elektro-Modelle und verlängert die Laufzeit der entsprechenden Verbrenner“, zitiert Reuters den RoboMarkets-Strategen Jürgen Molnar.

Schwäche in China und Strafzölle verschärfen Volkswagen-Krise

Doch damit nicht genug: Drei wesentliche Gründe treiben die Kursentwicklung der VW- und Porsche-Aktien in die Krise:

  • Probleme bei der Elektrifizierung: Die Umstellung auf Elektroautos verlief holprig, die Nachfrage bleibt hinter den Erwartungen zurück. Das zwingt VW und Porsche zu teuren Umplanungen.
  • Schwäche am chinesischen Markt: Der Absatz in China, dem vormals wichtigsten Markt, schrumpft. Die Konkurrenz durch chinesische Hersteller ist gewachsen, während die deutschen Marken Marktanteile einbüßten.
  • US-Strafzölle: Die Vereinigten Staaten erheben neue Strafzölle auf Autos aus Europa. Das verschärft die Unsicherheit und belastet die gesamte Branche. Die VW-Töchter Porsche und Audi, die nicht vor Ort fertigen, setzt das zusätzlich unter Druck.

Die Krise bei Volkswagen und Porsche zieht Kreise: Auch die Aktien von Mercedes-Benz, BMW, Stellantis und Renault mussten Federn lassen. Die Titel des Luxus-Sportwagenbauers Porsche AG brachen sogar um bis zu 9,3 Prozent ein – so stark wie nie zuvor. Laut Reuters hat das Unternehmen aus Baden-Württemberg in diesem Jahr bereits fast ein Drittel des Wertes verloren.

Porsche AG nicht mehr im DAX – Anleger „im Tal der Tränen“

Ein weiteres Symbol für die Krise: Die Porsche AG verabschiedete sich kürzlich aus dem deutschen Leitindex DAX und ist nur noch im MDAX vertreten. „Jetzt, da der Autobauer auch nicht mehr im Leitindex zu finden ist, dürfte es sehr lange dauern, bis die Porsche-Aktionäre das Tal der Tränen wieder verlassen können“, so Molnar weiter.

Donald Trumps Strafzölle: Diese Produkte aus Deutschland werden jetzt teurer

Die Strafzölle der neuen US-Regierung zielen auch auf Baumaschinen wie Bagger von Liebherr ab
Donald Trump und die US-Regierung planen neue Strafzölle auf deutsche und europäische Importe. Die höheren Gebühren zielen auch auf Baumaschinen wie Bagger von Liebherr ab. © Imagebroker/Imago
Thyssenkrupp und Co. liefern hochwertigen Stahl für die Luftfahrt- und Autoindustrie. Deutsche Stahl- und Aluminiumprodukte sind von den höheren Zollgebühren betroffen.
Thyssenkrupp und Co. liefern hochwertigen Stahl für die Luftfahrt- und Autoindustrie. Deutsche Stahl- und Aluminiumprodukte sind von den höheren Zollgebühren betroffen. © Funke Foto Services/Imago
Deutsche Spielwarenhersteller wie Playmobil oder Schleich verkaufen ihre Artikel auch in Übersee
Deutsche Spielwarenhersteller wie Playmobil oder Schleich verkaufen ihre Artikel auch in Übersee. © Karina Hessland/Imago
Naschkatzen werden tiefer in die Tasche greifen müssen: In die USA importierte Süßigkeiten wie Haribo oder Ritter-Sport dürften sich verteuern
Naschkatzen werden tiefer in die Tasche greifen müssen: In die USA importierte Süßigkeiten wie Haribo oder Ritter-Sport dürften sich verteuern. © BREUEL-BILD/Imago
Auf High-End-Mikroskope (z.B. von Zeiss) und medizinische Geräte (Röntgen, Chirurgie und mehr) werden Strafzölle erhoben
Auf High-End-Mikroskope (z.B. von Zeiss) und medizinische Geräte (Röntgen, Chirurgie und mehr) werden Strafzölle erhoben. © Chinalmages/Imago
Bier ist historisch in den deutschen Wurzeln verankert. Paulaner und Co. zahlen bei der Einfuhr in die USA künftig mehr Geld
Bier ist historisch in den deutschen Wurzeln verankert. Paulaner und Co. zahlen bei der Einfuhr in die USA künftig mehr Geld. © Ulrich Wagner/Imago
Deutsche Käse- und andere Milchprodukte dürften in den USA künftig teurer werden
Deutsche Käse- und andere Milchprodukte dürften in den USA künftig teurer werden. © IMAGO/Zoonar.com/totalpics
Musikinstrumente werden ebenfalls teurer. Deutsche Hersteller wie Steinway & Sons könnten eine weitere Produktionsverlegung in die USA in Erwägung ziehen
Musikinstrumente werden ebenfalls teurer. Deutsche Hersteller wie Steinway & Sons könnten eine weitere Produktionsverlegung in die USA in Erwägung ziehen. © Eibner/Imago
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Fahrräder und E-Bikes wie von Hersteller Cube kosten beim Import in die USA künftig höhere Zollgebühren. © NurPhoto/Imago
Bayer gehört zu den großen Playern auf dem Pharmaziemarkt. Für Medikamente oder auch Impfstoffe aus der EU erheben die USA künftig höhere Zölle
Bayer gehört zu den großen Playern auf dem Pharmaziemarkt. Für Medikamente oder auch Impfstoffe aus der EU erheben die USA künftig höhere Zölle. © NurPhoto/Imago
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Werkzeuge aus Deutschland haben Tradition und ein hohes Ansehen. Auf Produkte von Bosch und weiteren Anbietern gibt es höhere Zölle. © STPP/Imago
Eisenbahn- und Schienenfahrzeugtechnik mit dazugehörigen Komponenten: Siemens verdient eine Menge Geld in den USA
Eisenbahn- und Schienenfahrzeugtechnik mit dazugehörigen Komponenten: Siemens verdient eine Menge Geld in den USA. © Zoonar/Imago
In den USA gibt es eine hohe Nachfrage nach Rostbratwürsten und vielem weiteren Fleisch aus Deutschland und anderen Ländern Europas
In den USA gibt es eine hohe Nachfrage nach Rostbratwürsten und vielen weiteren Fleischsorten aus Deutschland und anderen Ländern Europas. © IMAGO/Ardan Fuessmann
Der europäische Industriekonzern Airbus liefert Flugzeuge, Hubschrauber und weitere Komponenten in die USA
Der europäische Industriekonzern Airbus liefert Flugzeuge, Hubschrauber und weitere Komponenten in die USA. © Xinhua/Imago
Deutschland beheimatet weltbekannte Sportartikelhersteller. Adidas, Puma und Co. werden bei der Einfuhr in die USA künftig stärker zur Kasse gebeten
Deutschland beheimatet weltbekannte Sportartikelhersteller. Adidas, Puma und Co. werden bei der Einfuhr in die USA künftig stärker zur Kasse gebeten. © Zink/Imago
BMW, Mercedes und Volkswagen exportieren jährlich Autos im Wert von über 30 Milliarden Euro in die USA. Dafür werden künftig höhere Abgaben fällig
BMW, Mercedes und Volkswagen exportieren jährlich Autos im Wert von über 30 Milliarden Euro in die USA. Dafür werden künftig höhere Abgaben fällig. © Mercedes
Brezeln sind deutsches bzw. bayerisches Kulturgut. Auch in die Vereinigten Staaten wird das Laugengebäck exportiert, ebenso wie andere Backwaren
Brezeln sind deutsches bzw. bayerisches Kulturgut. Auch in die Vereinigten Staaten wird das Laugengebäck exportiert, ebenso wie andere Backwaren. © Rolf Poss/Imago
Halbleiter oder auch Sensoren von deutschen Technologiekonzernen wie Infineon erfordern künftig höhere Ausgaben
Halbleiter oder auch Sensoren von deutschen Technologiekonzernen wie Infineon erfordern künftig höhere Ausgaben. © Zoonar/Imago
Bad- und Pflegeartikel wie die Nivea-Creme von Beiersdorf werden für Milliarden Euro auch in die USA verfrachtet
Bad- und Pflegeartikel wie die Nivea-Creme von Beiersdorf werden für Milliarden Euro auch in die USA verfrachtet. © IMAGO/Snowfield Photography
Die Bekleidungsindustrie ist ebenfalls betroffen: Modeanbieter wie die Edelmarke Hugo Boss werden mit höheren Zollabgaben konfrontiert
Die Bekleidungsindustrie ist ebenfalls betroffen: Modeanbieter wie die Edelmarke Hugo Boss werden mit höheren Zollabgaben konfrontiert. © IMAGO/Sven Severing
Schnaps und anderer Alkohol: Auch Weine und Spirituosen aus Deutschland erfreuen sich in den USA großer Beliebtheit
Schnaps und anderer Alkohol: Auch Weine und Spirituosen aus Deutschland erfreuen sich in den USA großer Beliebtheit. © Chromorange/Imago
Chemie-Gigant BASF setzt ungeheure Mengen seiner Erzeugnisse auch in den USA ab. Für Kunststoffe, Spezial-Chemikalien und mehr werden höhere Zölle fällig
Chemie-Gigant BASF setzt ungeheure Mengen seiner Erzeugnisse auch in den USA ab. Für Kunststoffe, Spezial-Chemikalien und mehr werden höhere Zölle fällig.  © Ulrich Roth/Imago
Haushalts- und Elektrogeräte zum Beispiel von Siemens werden künftig ebenfalls für höhere Kosten in die USA importiert
Haushalts- und Elektrogeräte zum Beispiel von Siemens werden künftig für höhere Kosten in die USA importiert. © IMAGO/Michael Bihlmayer
Küchen und zahlreiche Einrichtungsstücke wie Möbel sind von den höheren Zollgebühren in die USA betroffen
Küchen und zahlreiche Einrichtungsstücke wie Möbel sind von den höheren Zollgebühren in die USA betroffen. © IMAGO/Manfred Segerer
Kaffee aus Europa wird bei der Einfuhr in die Vereinigten Staaten von nun an mehr Geld kosten
Kaffee aus Europa wird bei der Einfuhr in die Vereinigten Staaten von nun an mehr Geld kosten. © Zoonar/Imago

Auch Analysten wie Stephen Reitman von Bernstein sehen die Lage kritisch, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schildert: Anleger und auch Volkswagen seien spürbar frustriert über die Versuche der Porsche AG, ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Die Schweizer UBS-Bank stellt infrage, ob Porsche überhaupt noch das Etikett „Luxus“ verdiene.

Volkswagen erneut mit Softwareproblemen? Bericht über Probleme mit Rivian

Ein weiterer Krisenherd für Volkswagen ist das Thema Software – ursprünglich unter Ex-Konzernchef Herbert Diess gegründet, um im digitalen Wettlauf mit US- und chinesischen Autobauern aufzuholen. Doch trotz Milliardeninvestitionen blieb der Erfolg aus, weshalb der neue VW-Chef Oliver Blume die Strategie änderte und eine Partnerschaft mit dem US-Elektroautobauer Rivian einging, der als besonders fortschrittlich gilt.

Nach Informationen des Manager Magazins läuft aber auch dieses Projekt unrund: Immer neue Schwierigkeiten treten auf, und es droht, dass das Software-Abenteuer für Blume selbst zur Falle wird. Die aktuellen Probleme seien nicht mehr nur Altlasten, sondern zeigen, dass mit der Neuausrichtung auch neue Risiken entstanden sind. (PF)

Rubriklistenbild: © fossiphoto/Imago

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