Porsche und VW mit hohen Kursverlusten – „im Tal der Tränen“
VonPatrick Freiwah
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Die Aktien von Volkswagen und Porsche erleideten kürzlich einen hohen Wertverlust. Drei entscheidende Faktoren sind für die Talfahrt maßgeblich.
Wolfsburg/Stuttgart - Die Stimmung an den Börsen war vergangene Woche angespannt, weil zwei einstige Rendite-Wunder weiter an Wert verloren: Die Kursentwicklung der Autoaktien von Volkswagen und Porsche zeigte steil nach unten – aufgrund von mehreren Negativentwicklungen.
Gewinnwarnungen, milliardenschwere Sonderlasten und strukturelle Probleme setzen Europas größtem Autokonzern und dessen Sportwagentochter zu. Weitere Hersteller aus Europa, inklusive der deutschen Premiumkonkurrenz, spürten zum Wochenbeginn die Erschütterung. Was steckt hinter dem dramatischen Kursverfall?
Krise bei Volkswagen und Porsche: Die Aktie im Sturzflug
Das Ergebnis:Vor einigen Tagen fiel die Aktie der Porsche SE zeitweise auf bis zu 31,92 Euro, die Vorzugsaktie von VW stürzte um mehr als sieben Prozent ab – ein markanter, seltener Absturz für den Autobauer aus Niedersachsen.
VW und Porsche mit Milliardenlasten und Gewinnwarnung
Die Porsche AG muss wegen strategischer Fehler hohe Sonderlasten von rund 1,8 Milliarden Euro schultern. Deswegen wurde die Rentabilitätsprognose gesenkt und eine Verzögerung bei der Markteinführung vollelektrischer Modelle mitgeteilt. Der kriselnde Edelhersteller erklärte zudem, dass die Gewinnmarge in diesem Jahr maximal zwei Prozent beträgt. Zum Vergleich: 2023 erfolgte noch ein Renditerekord in Höhe von 18 Prozent.
Die Entscheidung, Verbrenner-Modelle länger im Programm zu behalten, gilt als Korrektur einer teuren Strategie, die zu stark auf Elektroautos setzte und die Gewinnmargen schwächte. „Die einstige Gewinnmaschine im VW-Konzern steht mit dem Rücken zur Wand, verschiebt nun die Einführung neuer Elektro-Modelle und verlängert die Laufzeit der entsprechenden Verbrenner“, zitiert Reuters den RoboMarkets-Strategen Jürgen Molnar.
Schwäche in China und Strafzölle verschärfen Volkswagen-Krise
Doch damit nicht genug: Drei wesentliche Gründe treiben die Kursentwicklung der VW- und Porsche-Aktien in die Krise:
Probleme bei der Elektrifizierung: Die Umstellung auf Elektroautos verlief holprig, die Nachfrage bleibt hinter den Erwartungen zurück. Das zwingt VW und Porsche zu teuren Umplanungen.
Schwäche am chinesischen Markt: Der Absatz in China, dem vormals wichtigsten Markt, schrumpft. Die Konkurrenz durch chinesische Hersteller ist gewachsen, während die deutschen Marken Marktanteile einbüßten.
US-Strafzölle: Die Vereinigten Staaten erheben neue Strafzölle auf Autos aus Europa. Das verschärft die Unsicherheit und belastet die gesamte Branche. Die VW-Töchter Porsche und Audi, die nicht vor Ort fertigen, setzt das zusätzlich unter Druck.
Die Krise bei Volkswagen und Porsche zieht Kreise: Auch die Aktien von Mercedes-Benz, BMW, Stellantis und Renault mussten Federn lassen. Die Titel des Luxus-Sportwagenbauers Porsche AG brachen sogar um bis zu 9,3 Prozent ein – so stark wie nie zuvor. Laut Reuters hat das Unternehmen aus Baden-Württemberg in diesem Jahr bereits fast ein Drittel des Wertes verloren.
Porsche AG nicht mehr im DAX – Anleger „im Tal der Tränen“
Ein weiteres Symbol für die Krise: Die Porsche AG verabschiedete sich kürzlich aus dem deutschen Leitindex DAX und ist nur noch im MDAX vertreten. „Jetzt, da der Autobauer auch nicht mehr im Leitindex zu finden ist, dürfte es sehr lange dauern, bis die Porsche-Aktionäre das Tal der Tränen wieder verlassen können“, so Molnar weiter.
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Auch Analysten wie Stephen Reitman von Bernstein sehen die Lage kritisch, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) schildert: Anleger und auch Volkswagen seien spürbar frustriert über die Versuche der Porsche AG, ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Die Schweizer UBS-Bank stellt infrage, ob Porsche überhaupt noch das Etikett „Luxus“ verdiene.
Volkswagen erneut mit Softwareproblemen? Bericht über Probleme mit Rivian
Ein weiterer Krisenherd für Volkswagen ist das Thema Software – ursprünglich unter Ex-Konzernchef Herbert Diess gegründet, um im digitalen Wettlauf mit US- und chinesischen Autobauern aufzuholen. Doch trotz Milliardeninvestitionen blieb der Erfolg aus, weshalb der neue VW-Chef Oliver Blume die Strategie änderte und eine Partnerschaft mit dem US-Elektroautobauer Rivian einging, der als besonders fortschrittlich gilt.
Nach Informationen des Manager Magazins läuft aber auch dieses Projekt unrund: Immer neue Schwierigkeiten treten auf, und es droht, dass das Software-Abenteuer für Blume selbst zur Falle wird. Die aktuellen Probleme seien nicht mehr nur Altlasten, sondern zeigen, dass mit der Neuausrichtung auch neue Risiken entstanden sind. (PF)