Vollständig unabhängig durch PV-Anlagen: Wie autark kann man heutzutage tatsächlich leben?
VonAmy Walker
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Regenerative Energiequellen ermöglichen die Autonomie von Privathäusern. Allerdings ist die Anschaffung nicht risikofrei. Entdecken Sie, wie Sie davon profitieren können.
Besitzer eines Eigenheims profitieren heutzutage von zahlreichen Vorteilen gegenüber Mietern. Durch die Nutzung erneuerbarer Energien in Verbindung mit einem Batteriespeicher, einem Elektrofahrzeug und einer Wärmepumpe können viele Menschen bereits nahezu unabhängig leben. Allerdings erfordert dies zunächst eine erhebliche Investition.
Autarkie mit Solaranlage und gespeichertem Strom: PV-Anlagen neu gedacht
Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert hat, steht vor der Wahl zwischen Eigenverbrauch und Netzeinspeisung des erzeugten Stroms. Man kann den produzierten Strom selbst nutzen und nur den überschüssigen Strom ins Netz einspeisen oder sich für die Totaleinspeisung entscheiden, um eine etwas höhere Vergütung zu erhalten. Der Vorteil der Eigennutzung liegt in der energetischen Unabhängigkeit, auch Autarkie genannt. Durch die Integration eines Batteriespeichers in die PV-Anlage kann der überschüssige Strom für die Abend- und Nachtstunden gespeichert werden, was die Unabhängigkeit weiter erhöht.
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Die Frage bleibt jedoch, wie weit sich die Autarkie tatsächlich ausdehnen lässt. Eine vollständige Unabhängigkeit ist derzeit noch nicht realisierbar, wie Studien immer wieder zeigen. Um dies zu erreichen, müsste der gesamte Energiebedarf durch den erzeugten Strom der Solaranlage gedeckt werden. Dies schließt auch die Energie für das Heizen (möglicherweise durch Solarthermie-Anlagen und Wärmepumpen) sowie den Strom für ein Elektroauto ein.
Autarkiegrad von 80 Prozent: Möglich mit E-Auto, Wärmepumpe und Solaranlage
Untersuchungen haben gezeigt, dass eine optimale Abstimmung dieser Geräte einen Autarkiegrad von 60 bis 80 Prozent ermöglichen kann. Dieser Grad variiert stark mit den Jahreszeiten, da die Solarproduktion im Winter naturgemäß geringer ist als im Sommer. Eine wissenschaftliche Studie in der Fachzeitschrift Solar Energy Advances hat 2024 festgestellt, dass die Kombination aus PV-Anlage, Batteriespeicher und Wärmepumpe über das Jahr hinweg einen durchschnittlichen Autarkiegrad von 42,9 Prozent erreichen konnte. Im Januar kann die Wärmepumpe nahezu vollständig mit Solarstrom betrieben werden, so die Autoren.
Ähnliche Ergebnisse präsentierte 2021 die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Ohne Batteriespeicher kann ein Haushalt mit PV-Anlage und Wärmepumpe bis zu 41 Prozent autark sein; mit Batteriespeicher steigt der Autarkiegrad auf 66 Prozent. Diese Höchstwerte sind erreichbar, wenn das Eigenheim gut gedämmt ist und somit weniger Energie benötigt. Werden zudem effiziente Haushaltsgeräte und intelligente Systeme eingesetzt, die auf die Solarerzeugung abgestimmt sind, kann der Haushalt sogar bis zu 80 Prozent unabhängig sein, erläutert die Verbraucherzentrale weiter.
Kosten der Autarkie: Unabhängigkeit erfordert hohe Investitionen
Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz warnt jedoch davor, zu große Batteriespeicher zu installieren. „Ein zu großer Speicher verschlechtert nicht nur die Wirtschaftlichkeit, sondern beschleunigt auch die Alterung der Batterie und verschwendet Ressourcen. Ein Batteriespeicher kann Solarstrom vom Tag für den Bedarf am Abend und in der Nacht speichern, nicht aber über mehrere Tage oder Wochen“, betonen die Beratenden.
Generell stellt die Verbraucherzentrale fest, dass Autarkie „ihren Preis hat“ – die Investitionen in Solaranlage, Wärmepumpe, Batteriespeicher und eine gute Dämmung sind nicht unerheblich. Wer besonders unabhängig leben möchte, muss in größere und damit teurere Anlagen investieren. Auch ein Elektroauto kann den Autarkiegrad erhöhen, verschlechtert jedoch die Wirtschaftlichkeit weiter. Daher sollten die Vor- und Nachteile der Autarkie sorgfältig abgewogen werden.
Experten zufolge lohnt sich jedoch immer der Eigenverbrauch von Solarstrom im Vergleich zur Einspeisung. Laut der Beratungsplattform co2online.de wird Solarstrom derzeit für 10 bis 14 Cent pro Kilowattstunde produziert, während Netzstrom über 40 Cent/kWh kosten kann. Die Einspeisevergütung ist ebenfalls nicht mehr sehr hoch; 2025 liegt sie nur noch bei 7,94 Cent pro kWh, und in besonders sonnigen Zeiten gibt es aktuell keine Vergütung mehr. Auch unter Berücksichtigung der Amortisation der Investitionskosten ist der Eigenverbrauch von selbstproduziertem Strom vorteilhafter als dessen Einspeisung und Speicherung.